Literaturwissenschaft (119 Titel)
Schürings, Ute
Metaphern der Großstadt
Verlag: Waxmann
Wer die Berlin-Beschreibungen niederländischer und flämischer Künstler des frühen 20. Jahrhunderts liest, gewinnt den Eindruck, ihre Autoren hätten nicht ein und dieselbe, sondern völlig verschiedene Städte bereist. Die einen schwärmen von einer fortschrittlichen Weltmetropole und Hauptstadt der Avantgarde, andere hingegen nehmen Berlin als Zentrum eines immer noch allgegenwärtigen Militarismus wahr, dritte prangern den Verfall der Sitten an. Die vorliegende Studie greift diesen scheinbaren Widerspruch auf und untersucht exemplarisch vier Prosatexte der Autoren Herman Heijermans, J. van Oudshoorn, Hendrik Marsman und Paul van Ostaijen. Wie stellen sie die Stadt dar? Welche Metaphern verwenden sie? Und wie lassen sich die Texte in der Tradition der europäischen Großstadtdarstellung verorten? Eng am Text arbeitend, nuanciert die Untersuchung anhand zahlreicher Zitate, Kommentare und Hintergrundinformationen nicht nur die bisherige literaturhistorische Einordnung der einzelnen Autoren, sondern setzt sich darüber hinaus kritisch mit der in der niederländischen Philologie verbreiteten These eines verspäteten Aufgreifens des Modernismus auseinander.
Breulmann, Julia
Erzählstruktur und Hofkultur
Verlag: Waxmann
Die Erzählung vom Löwenritter Iwein und seiner Liebe zur Brunnenherrin Laudine ist ein zentraler Stoff der europäischen Literatur des Mittelalters, der mit der Ausbreitung der höfischen Kultur quer durch Europa Verbreitung findet. Bis zum 14. Jahrhundert wird er in sechs Sprachen und Kulturkontexte adaptiert. Julia Breulmann nimmt alle diese Fassungen erstmalig in einer umfangreichenStudie in den Blick. Die komparatistisch, kulturwissenschaftlich und durch den Fokus auf weiblichen Aktionspotentialen und männlich-weiblicher Interaktion gendertheoretisch ansetzende Untersuchung will dabei mindestens zweierlei sein: Beitrag zur Stoffgeschichte und zur Kulturgeschichte.Die erzählstrukturelle Substanz des Iweinstoffs als Feenerzählung begreifend, formuliert sie Hypothesen zur Stoffgenese und sucht die strukturelle Verankerung der Frauenfiguren im Handlungsverlauf sowie deren zentrale Bedeutung für das Geschehen herauszustellen. Kulturhistorisch relevant wird der Stoff als Träger vielschichtigen höfischen Gedankenguts, das sich insbesondere in den Verhaltensweisen der Figuren ausdrückt. Diejenigen Dichter, welche die Materie importieren, begreifen das darin liegende Potenzial, exemplarisch und unterhaltsam Aspekte der höfischen Kultur vorzuführen, und nutzen es im Abgleich mit den eigenen ethischen Prinzipien, Verhaltenscodices, Rechtsvorstellungen etc. Trotz eines kaum veränderten Erzählverlaufs ist dabei die diskursive Festschreibung der Geschlechterrollen sowie der weiblichen Handlungsspielräume auffällig variabel. Vor dem Hintergrund einer konsequent ausführlich dargestellten Forschungslage schafft die Autorin eine detailreiche Studie, die auch den Anspruch hat, als Kompendium und Einstiegslektüre in eine Vielzahl von Fragen zum Iweinstoff zu dienen.
Kottmann, Carsten
Das buch der ewangelii und epistel
Verlag: Waxmann
Innerhalb der deutschen Bibelübersetzung des Mittelalters wurden die deutschen Perikopenhandschriften bisher zu wenig in den Blick genommen. Diese Arbeit versucht, die südwestdeutsche Überlieferung des 14. und 15. Jahrhunderts zu ordnen bzw. Kriterien für deren Ordnung zu erarbeiten. Dabei werden exemplarisch drei verschiedene Typen von Perikopenbüchern verglichen, die aus einem Gesamtcorpus von ca. 60 Handschriften ausgewählt wurden. Anhand dieser drei Typen werden Grundcharakteristika der Überlieferung dieser Textsorte deutlich. Die Handschriften werden dabei auch ausführlich in ihren kodikologischen, geographischen, soziologischen, liturgiegeschichtlichen und gebrauchsfunktionalen Kontext eingeordnet.
Schoppe, Amalia
Herausgeber : Thomsen, Hargen
Amalia Schoppe " ...das wunderbarste Wesen, so ich je sah"
Verlag: Aisthesis
Der Name Amalia Schoppe (1791–1858) ist in der Literaturgeschichte bestenfalls noch im Zusammenhang mit Friedrich Hebbel bekannt, dem sie am Beginn seiner Laufbahn entscheidende Starthilfe gab. Tatsächlich war sie eine der beliebtesten Schriftstellerinnen des Biedermeier, verfaßte Romane, Erzählungen, Kinder- und Jugendschriften, Gedichte, Dramen und Sachbücher, gab zwei Zeitschriften heraus und arbeitete an dutzenden der meistgelesenen Journale, Taschenbücher und Anthologien mit. In ihrer Jugend gehörte sie zum romantischen Freundeskreis um Justinus Kerner und Karl August Varnhagen von Ense. Ihre ersten Gedichte erschienen in den von Kerner und Uhland herausgegebenen Almanachen von 1812 und 1813. Varnhagens Schwester Rosa Maria Assing war über drei Jahrzehnte ihre beste Freundin, eine Freundschaft, die sich nach ihrem Tod auf deren Töchter Ottilie und Ludmilla Assing übertrug. 1813 floh sie aus Hamburg vor den französischen Besatzern auf ihre Heimatinsel Fehmarn. Dort heiratete sie den Vater ihres unehelich geborenen Sohnes, den sie nach der Geburt zweier weiterer Söhne wieder verließ, um sich seit 1820 eine selbständige Karriere als Schriftstellerin aufzubauen. Die folgenden 30 Jahre lebte sie in Hamburg, nur unterbrochen durch einen längeren Aufenthalt in Jena, wo sie bei der Witwe von Goethes „Urfreund“ Knebel lebte und mit Schillers Schwägerin Karoline von Wolzogen befreundet war. In der Revolution von 1848/49 war sie leidenschaftlich für die demokratische Bewegung engagiert. 1851, mit fast sechzig Jahren, wanderte sie nach Amerika aus und verbrachte ihre letzten Lebensjahre in Schenectady, N. Y.
Diese Edition präsentiert zum erstenmal eine umfassende Auswahl ihrer Briefe, die lückenlos den Zeitraum von 1810 bis 1853 abdecken, ergänzt um eine autobiographische Darstellung ihrer Kindheit und Jugend und journalistische Texte aus dreißig Jahren. Auf diese Weise entsteht das Portrait einer Schriftstellerin, alleinerziehenden Mutter, kritischen Zeitgenossin und unabhängigen Frau, wie es das in dieser Vollständigkeit aus der Epoche des Biedermeier noch nicht gibt. Sie zeigen eine Entwicklung vom romantischen Überschwang des 18jährigen Mädchens bis zur realistischen, spöttischen Abgeklärtheit der 60jährigen Emigrantin. Das inhaltliche Spektrum umfaßt den Geschäftsverkehr mit Verlegern ebenso wie die Katastrophen einer unglücklichen Ehe und gestattet tiefe Einblicke in eine weibliche Existenz, die ständig zwischen Auflehnung und Anpassung, zwischen Selbstbewußtsein und Minderwertigkeitsgefühlen hin und her schwankt. Die Briefe sind lebendig und spontan geschrieben und berichten mit leidenschaftlicher Anteilnahme und unbestechlicher Beobachtungsgabe von Kriegen, Aufständen, Revolutionen, Unglücksfällen, Feuersbrünsten, literarischen Fehden, verlorenen Söhnen, Intrigen, Wahnsinn, Ehebruch, okkulten Seancen und der Hitze in New York ebenso wie von ländlichen Idyllen, Kinderspielen, exzentrischen Leihbibliothekaren, hamburger Fischweibern, Spätheimkehrern aus russischer Kriegsgefangenschaft und Unterhaltungen auf Auswandererschiffen – um nur einige der Themen zu nennen.
Herausgeber : Roessler, Kurt; Schütze, Peter; Beiträge von Drux, Rudolf; Beiträge von Ferentschik, Klaus; Beiträge von Gadek, Gerd; Beiträge von Hiller von Gaertringen, Julia; Beiträge von Hucke, Klaus H; Beiträge von Schaffrick, Matthias; Broer, Werner; Kopp, Detlev; Vogt, Michael
Grabbe-Jahrbuch / Kein schöner Ding ist auf der Welt, Als seine Feinde zu beißen
Verlag: Aisthesis
Heske, Henning
Fausts Phiole
Verlag: Bernstein-Verlag
Im Anschluss an seine ‚Aufsätze zur Literatur’ in dem Band »Goethe und Grünbein« versammelt Henning Heske auch in »Fausts Phiole« ein buntes Essay-Potpourri, hier über ‚Poesie und Wissenschaft’.Aus heiterer Nähe und, wo nötig, intelligenter Distanz legt er das Poetische der Wissenschaft frei und analysiert in feinsinnigen Rezensionen die Wirkmacht von klassischer und moderner Poesie. Heskes Phiole ist mit allerlei ‚Ingredienzien’ reich gefüllt: Die Poeten Goethe, Schiller, Heine, aber auch Bachmann und Beyer sind darin ebenso zu finden, wie große Vertreter der Wissenschaft: Niels Henrik Abel und Sophus Lie. Das Spektrum der Wirkstoffe wird erweitert durch Betrachtungen zur Prosa von Antal Szerb und Henning Mankell.
Scholz, Ingeborg
Herausgeber : Illustriert von Kiecker, Jürgen
Franz Kafka
Verlag: Bernstein-Verlag
Kafka hat eine besondere Vorliebe für »die kleine Prosa«; das geht aus gewissen Äußerungen hervor, in denen er sich über die längeren Erzählzusammenhänge seiner erst posthum veröffentlichten Romane bzw. Romanfragmente skeptisch geäußert und sie sogar als künstlerisch misslungen bezeichnet hat.Wenn auch Forschung und Leserwelt sich diesem strengen Urteil keineswegs anschließen können, so ist dennoch nicht ganz von der Hand zu weisen, dass es die kleinen epischen Formen sind, in denen sich seine spezifische Darstellungsweise am deutlichsten entfaltet [...].Die Kurztexte und Skizzen sind Meisterwerke sprachlicher Präzision und einer überscharfen Beobachtung des Details, die in den meisten Fällen bei Einsparung jeglichen Kommentars nur wenige hieroglyphische Zeichen zulassen. Zugleich sind sie Spiegelungen jener durchgängigen Thematik in Kafkas Werk: der Konfrontation des Einzelnen mit der Welt, die als Gegenwelt empfunden und erlitten wird. Hier findet sich die radikale Enthüllung von Kafkas Sicht der conditio humana: ihre Ungeborgenheit in der Welt und ihr Ausgeliefertsein an unkontrollierbare Mächte. Nichts drückt dies deutlicher aus als der Schlusssatz seiner Erzählung »Ein Landarzt«: »Einmal dem Fehlläuten der Nachtglocke gefolgt, – es ist niemals gutzumachen«. [Aus der Vorbemerkung der Autorin]
Herausgeber : Remmel, Andreas; Remmel, Paul
Goethe-Blätter. Schriftenreihe der Goethe-Gesellschaft Siegburg e.V. / Goethe-Blätter
Verlag: Bernstein-Verlag
Karsten Hein:Ottilie von Goethe - Einsichten in das Haus am Frauenplan //Heike Spies:Großherzogin Luise von Sachsen-Weimar-Eisenach. Regentin zwischen Anspruch und Aufbruch //Peter Anton von Arnim:Bettine und Goethe //Martin Bollacher:Spinoza in der Laube zu Bensberg: Goethe, die Gebrüder Jacobi und die deutsche Spinoza-Renaissance //Wolfgang Butzlaff:Der französische und der italienische Faust in Opern von Berlioz, Gounod und Boito //Claus Günzler:Goethe und die Pädagogen - Vom Bildungsbegriff zum Schulprofil //Andreas Hillert:Ein Goethe-Historien- und Erinnerungsbild aus seinem Weimarer Freundeskreis - [wohl von Carl August Schwerdgeburth] //Katharina Mommsen:Texte und Kontexte: Wie "Die Entstehung von Goethes Werken" entstand und entsteht //Wolfgang Butzlaff:Zwei Bücher über den alten Goethe: Martin Walser / Sigrid Damm (Doppelrezension) //Marie-Claire Albert:Erinnerung (Letztes Blatt)
Herausgeber : Chmura, Nadine; Beiträge von Christen, Felix; Beiträge von Porto, Petra; Beiträge von Süselbeck, Jan; Beiträge von Frank, Sybille; Beiträge von Uschmann, Oliver
Kafka. Schriftenreihe der Deutschen Kafka-Gesellschaft e.V.
Verlag: Bernstein-Verlag
Die Schriftenreihe der Deutschen Kafka-Gesellschaft reiht sich unter dem Namen KAFKA ein in die Veröffentlichungen, die sich dem Leben und Werk des großen Pragers deutscher Zunge widmen. Sie bildet eine neue und in dieser streng fokussierten Ausrichtung bisher einmalige Plattform für die wissenschaftliche Kafka-Forschung und bietet damit Raum für eine aktuelle und gegenwartsorientierte Auseinandersetzung mit dem Literarten und seinem OEvre.
Herausgeber : Chmura, Nadine A; Mitglied des Herausgebergremiums: Schönborn, Adela; Beiträge von Degner, Uta; Beiträge von Garstenauer, Werner; Beiträge von Greschonig, Steffen; Beiträge von Halfmann, Roman; Beiträge von Karakassi, Katerina; Beiträge von Kaul, Susanne; Beiträge von Kleinschmidt, Christoph; Beiträge von Klentak-Zablocka, Malgorzata; Beiträge von Könemann, Sophia; Beiträge von Martinez Salazar, Elisa; Beiträge von Poppe, Sandra; Beiträge von Rassiller, Markus; Beiträge von Seiler, Sascha; Beiträge von Webber, Andrew; Beiträge von Weyer, Anselm
Kafka. Schriftenreihe der Deutschen Kafka-Gesellschaft e.V.
Verlag: Bernstein-Verlag
Die Schriftenreihe der Deutschen Kafka-Gesellschaft reiht sich unter dem Namen KAFKA ein in die Veröffentlichungen, die sich dem Leben und Werk des großen Pragers deutscher Zunge widmen. Sie bildet eine neue und in dieser streng fokussierten Ausrichtung bisher einmalige Plattform für die wissenschaftliche Kafka-Forschung und bietet damit Raum für eine aktuelle und gegenwartsorientierte Auseinandersetzung mit dem Literarten und seinem OEvre.
Rothemann, Sabine
Kleine Mutter mit Krallen - Franz Kafka und das alte Prag
Verlag: Bernstein-Verlag
Die Prosastücke der Sammlung ›Betrachtung‹ machen das Leben und die Atmosphäre in den alten Gassen Prags mit ihren »dunkleln Winkel(n), geheimnisvollen Gänge(n), blinden Fenster(n), schmutzigen Höfe(n) …« – wie Kafka gegenüber Gustav Janouch äußert – wieder lebendig.Unter theoretischem Blickwinkel geht es um Raum und Räumlichkeit, die die fiktionalen Texte, jenseits ihres eigenen fiktionalen Raumes, den sie beanspruchen, zuallererst realiter gewissermaßen entwerfen.Dieser Entwurf vollzieht sich in der Bewegung von Innen nach Außen wie ebenso umgekehrt, des plötzlichen Aufbrechens in die Außenwelt, vom geschlossenen Zimmer weg, der Bewegung des Gehens in den Prager Gassen und schließlich wie der des Betrachtens dieser Welt aus den Innenräumen heraus. So entsteht eine Verbindung zwischen den Erzählungen und dem topografischen Phänomen Altstadt Prag. Die vorgeführten Schreibbewegungen in den Texten des Beteiligtseins und des Unbeteiligtbleibens sind auch ein Spiegel von Franz Kafkas hochkomplexer Annäherung an seine kulturelle Tradition wie gleichermaßen seines Befremdens gegenüber dieser Tradition.
Butzlaff, Wolfgang
Herausgeber : Vorwort von Spies, Heike
Musensohn oder Rattenfänger
Verlag: Bernstein-Verlag
Im Oktober 2009 erscheint das neue Buch von Wolfgang Butzlaff, das sich unter dem Titel »Musensohn oder Rattenfänger« auf vier Ebenen der Goethe-Rezeption widmet.
Der Band versammelt verschiedene Arbeiten des Autors, der über lange Jahre nicht nur die Geschicke der Kieler Goethe-Gesellschaft leitete, sondern als promovierter Germanist und Romanist auch einem Gymnasium der Hansestadt vorstand.
Die Vermittlung von Literatur verbindet in den Butzlaffschen ›Goetheana‹ auf erfreuliche, weil leserfreundliche Weise fachliche mit didaktischer Könnerschaft. Hier wird der »Lehrer« im besten aller Wortsinne tätig und öffnet dem Leser die Augen für die verschiedensten Aspekte Goethescher Werke. Dass der Autor ein echter Kulturmensch ist, zeigt auch die genre-übergreifende Bandbreite der behandelten Stoffe: In wissenschaftlichen Aufsätzen, die dennoch mit Vergnügen zu lesen sind, behandelt Wolfgang Butzlaff verschiedene Werke und Themen des Weimarer Dichters. Eine weitere Leidenschaft des Autors ist die Literaturkritik, also die Rezension von einschlägiger Sekundär-Literatur zu Goethe. Dabei stellt er sich erfolgreich der Schwierigkeit, als passionierter Autor, also ein Mensch, der selber schreibt, die Elaborate anderer gleichsam als »Gesetzgeber und Richter« kritisch unter die Lupe zu nehmen.
Eben jene Arbeit des Kritikers leistet Butzlaff auch dort, wo es nicht um das geschriebene Wort, sondern andere Kunstformen geht, die das Goethesche Werk ver- und bearbeitet haben: Schauspiel, Oper, Ballett. Eine historisch interessante und ebenso amüsante Erweiterung erfährt das Potpourri der hier versammelten Texte durch vier persönliche Berichte über Tagungen der Goethe-Gesellschaft Weimar, u.a. aus den Jahren 1972, 1973, 1982. Hier wird, oft auch auf heitere Weise, die Geschichte der Weimarer Goethe-Gesellschaft noch einmal lebendig und Wolfgang Butzlaff das nur zu gerne zur Hand genommene ›Fernglas‹ in die Vergangenheit. Viele große Namen werden hier lebendig, die jüngere Goethe-Freunde nur aus den Jahrbüchern der Gesellschaft oder honorigen Portrait-Sammlungen kennen …
Der Band erscheint zur Buchmesse 2009 und wird u.a. in einer festlichen Feierstunde in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek aus Anlass des Geburtstages von Wolfgang Butzlaff präsentiert.
Gröne, Maximilian; Reiser, Frank
Französische Literaturwissenschaft
Verlag: Gunter Narr Verlag
Der Band Bachelor-Wissen Französische Literaturwissenschaft richtet sich als leserfreundliche Einführung speziell an die Studierenden und Lehrenden in den literaturwissenschaftlichen Modulen der neuen frankreichzentrierten Bachelor-Studiengänge. Die anschauliche Aufbereitung des fachlichen Grundwissens wird dabei von anwendungsorientierten Übungseinheiten gerahmt, die eine eigenständige Umsetzung des Erlernten ermöglichen und einen nachhaltigen Kompetenzerwerb unterstützen. Neben traditionellen Lerninhalten wird nicht zuletzt die besondere Rolle der neuen Medien berücksichtigt. Darüber hinaus werden im Rahmen des umfassenden Einführungskonzepts die Grundzüge der Reformstudiengänge vorgestellt und Hinweise zur beruflichen Orientierung gegeben. Unter www.bachelor-wissen.de steht eine zusätzliche Plattform für vertiefende Informationen zu den einzelnen Lektionen des Bandes bereit.
Pöge-Alder, Kathrin
Märchenforschung
Verlag: Gunter Narr Verlag
Märchen, traditionelle Märchen oder 'Volksmärchen' erfreuen sich schon immer großer Beliebtheit. Sie werden gehört, verfilmt, gelesen, interpretiert. Man findet sie in der Werbung, im Comic, im Film, in Fantasy- und Trivialliteratur und in der Satire. Dieses Studienbuch möchte dazu anleiten, sich näher mit Märchen zu beschäftigen. Märchen sind ein Teil der populären Literatur mit Sagen, Mythen, Legenden, Schwänken, Witzen und Rätseln. Märchenforschung ist damit ein Teil der Erzählforschung. Die ersten Fragen der Märchenforschung befassen sich bereits seit den Brüdern Grimm mit der Herkunft des internationalen Märchenschatzes. Warum gibt es so viele gleiche Märchen überall auf der Welt, bei allen Völkern? Die Antworten ermöglichen einen Einblick in die Wissenschaftspraxis und inspirieren zu eigenem Arbeiten. Erzählerpersönlichkeiten bereichern dabei die Überlieferung, denn ihr Erzählen in Vergangenheit und Gegenwart erhält unsere innere Bilderwelt. Zahlreiche Disziplinen beschäftigen sich seither mit diesen Bildern: Struktur- und Stilanalyse, Psychologie, Theologie und Pädagogik. Vorliegendes Studienbuch bündelt die wichtigsten Forschungsgebiete und Erkenntnisse und bietet so nicht nur eine übersichtliche Einführung in den internationalen Märchenschatz und die spannendsten Forschungsgebiete, sondern erlaubt gleichermaßen einen Blick in das menschliche Denken und Suchen.
Herausgeber : Müller-Funk, Wolfgang ; Tuczay, Christa Agnes
Faszination des Okkulten
Verlag: A. Francke Verlag
Schatten, Schimären, Unsichtbares, in dunklen Ecken Verborgenes oder am Rande des Gesichtsfeldes, nichts Greifbares, doch zuweilen laut polternd zerstörerisch eiskalte Gegenwart ein kalter Hauch der Toten. Was wir nicht sehen, zählt für uns nicht? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Die Geisterwelt ist nicht verschlossen und es gibt mehr zwischen Himmel und Erde? Die thematische Verknüpfung von Okkultismus und Kunst und besonders die Verschränkung von Okkultismus und Literatur wurden erst in rezenter Zeit vereinzelt wahrgenommen. Thematiken wie Esoterik und Okkultismus rücken mit der populären Inflationierung endlich auch in den Blickpunkt verschiedener kulturwissenschaftlicher Forschungen.
Strelka, Joseph P.
Vergessene und verkannte österreichische Autoren
Verlag: A. Francke Verlag
Dieses Buch provoziert wesentliche neue Gedanken und Überlegungen zu österreichischen Autoren - teils verkannt wie Hermann Broch oder Arthur Koestler, teils vergessen wie Erich Pogats, Heinrich W. Katz oder Otto Stoessl. Eine Fundgrube für alle, die sich für die jüngere Literaturgeschichte Österreichs interessieren.
Herausgeber : Butzer,Günter;Zapf, Hubert
Theorien der Literatur, Band IV
Verlag: A. Francke Verlag
Literaturtheorie ist in den letzten Jahrzehnten national und international zu einem der wichtigsten Bereiche der Literatur- und Kulturwissenschaften geworden. Ihr kommt damit eine grundlegende, kritisch-reflektierende und systematisch-orientierende Funktion für künftige Lehre und Forschung zu. Im Blick auf diese Situation wurde die Reihe ‚Theorien der Literatur’ konzipiert. Auch der nun vorliegende vierte Band behandelt sowohl unverzichtbare Grundlagen als auch aktuelle Perspektiven der Literaturtheorie und geht davon aus, dass diese beiden Pole keinen Gegensatz, sondern einen produktiven Zusammenhang bilden. Er beginnt mit grundsätzlichen Überlegungen zur Literatur als ‚Lebenswissen’, liefert sodann eine Erkundung der Aktualität von Brechts Dramentheorie und Bourdieus Literaturtheorie, präsentiert die implizite Literaturtheorie des Mittelalters in Sängerkrieg und Dichterstreit, entfaltet die fundamentalen literaturwissenschaftlichen Kategorien Raum, Rätsel, Symbolik, Performanz, Wiederholung und Geräusch, behandelt die Funktion von Literatur als Medium einer ‚Ästhetik der Existenz’ und schließt mit Beiträgen zum Zusammenhang von Kabbala und Literaturtheorie sowie zur semiotischen Erzähltheorie. Der Band dient, wie die anderen Bände der Reihe, sowohl zur Einführung und Orientierung als auch zur vertiefenden Auseinandersetzung mit maßgeblichen Theorien der Literatur.
Gerigk, Anja
Literarische Hochkomik in der Moderne
Verlag: A. Francke Verlag
Komisches in Kunst und Lebenswelt ist nicht länger Randthema, sondern ein exemplarisches Feld der Kulturgeschichte und Medienwissenschaft. Dagegen schlägt diese Studie ein neues theoretisches Modell vor. Sie entwickelt eine allgemeine Formel, aus der sich historisch die spezielle Komik der literarischen Moderne ableiten lässt - jenseits des Karnevalesken. Auf welche Weise Literatur modern-komisch sein kann, zeigen paradigmatische Interpretationen der Texte von Kleist und Büchner, Kafka und Bernhard. Die Reihe wird fortgeführt im Kapitel "Komik und Avantgarde", das u.a. absurdes Theater, Nonsens-Lyrik, experimentelle Poesie sowie filmische Genre-Parodien behandelt. Daneben bietet das Buch eine systematische Einführung in die Komiktheorie.
Gröne, Maximilian;von Kulessa, Rotraud;Reiser,Frank
Spanische Literaturwissenschaft
Verlag: Gunter Narr Verlag
Der Band Bachelor-Wissen Spanische Literaturwissenschaft richtet sich als leserfreundliche Einführung speziell an die Studierenden und Lehrenden in den literaturwissenschaftlichen Modulen der neuen hispanistischen Bachelor-Studiengänge. Die anschauliche Aufbereitung des fachlichen Grundwissens wird dabei von anwendungsorientierten Übungseinheiten gerahmt, die eine eigenständige Umsetzung des Erlernten ermöglichen und einen nachhaltigen Kompetenzerwerb unterstützen. Neben traditionellen Lerninhalten wird nicht zuletzt die besondere Rolle der neuen Medien berücksichtigt. Darüber hinaus werden im Rahmen des umfassenden Einführungskonzepts die Grundzüge der Reformstudiengänge vorgestellt und Hinweise zur beruflichen Orientierung gegeben. Unter www.bachelor-wissen.de steht eine zusätzliche Plattform für vertiefende Informationen zu den einzelnen Lektionen des Bandes bereit.
Piatti, Barbara
Die Geographie der Literatur
Verlag: Wallstein
Konzepte einer künftigen Literaturgeographie, die literarische Schauplätze zum Ausgangspunkt der Textanalysen macht.Wo spielt Literatur? Die vermeintlich simple Frage eröffnet ein erst in Ansätzen etabliertes Forschungsgebiet mit neuen methodischen Zugängen unter dem Stichwort »Literaturgeographie«. Jede literarische Handlung ist irgendwo lokalisiert, wobei die Skala von gänzlich imaginären bis zu realistisch gezeichneten Schauplätzen mit hohem Wiedererkennungswert reicht. Die Literaturgeographie rückt die vielfältigen Bezugnahmen von Räumen der Fiktion auf den Realraum hin ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Literatur weist eine spezifische Geographie auf, die ganz eigenen Regeln folgt. Denn fiktionale Räume sind niemals nur mimetische Abbilder der Realität, auch wenn sie sich auf existierende Landschaften und Städte beziehen. Vielmehr müssen die poetologischen Verfahren von Verfremdung, Überblendung, Neubenennung, die Kombinationsmöglichkeiten von realen Orten mit fiktiven Elementen in Visualisierungskonzepte und Deutungen der Textanalysen einfließen. Diese Theorie findet zunächst Anwendung auf eine an literarischen Schauplätzen überreiche Modellregion: auf den Vierwaldstättersee und das Gotthardmassiv in der Zentralschweiz. Im Anschluss wird der methodische Horizont für einen Literaturatlas aufgespannt – und das Potenzial literaturgeographischer Konzepte im Hinblick auf eine vergleichende europäische Literaturgeschichte aufgezeigt.17 beigefügte Faltkarten ermöglichen die differenzierte Gegenüberstellung von fiktionalen und realen Landschaften.
Schillemeit, Jost
Herausgeber : Schillemeit, Rosemarie
Kunsttheorie und Geschichtsauffassung
Verlag: Wallstein
Kenntnisreich und scharfsinnig werden in diesen bislang unveröffentlichten Essays Überlegungen angestellt zur Differenzierung und historischen Einordnung philosophisch-ästhetischer Gedanken Friedrich Schillers und Heinrich Heines.Schillemeit erläutert den engen Zusammenhang zwischen Schillers theoretisch-ästhetischen Studien über das Erhabene und seiner Theorie der Tragödie sowie seiner theoretisch-praktischen Tragödienarbeit. Dabei macht er die Chronologie der Entstehung dieser Texte, die z.T. bisher ungeklärt ist, plausibel.Heines »Ende der Kunstperiode« wurde häufig in die Nähe von Hegels »Ende der Kunst« gerückt - Schillemeit geht dieser Analogisierung nach, er differenziert und revidiert: Zwar ist auf beiden Seiten vom Ende der Kunst die Rede, was aber unter Kunst und Ende verstanden wird, ist nicht das Gleiche. Während Hegel in den Entwicklungsstufen das Verbindende erkennt, basiert Heines Auffassung auf der Antithese zwischen »verblichener Vergangenheit« und »neuer Zeit«. Heine erwartet das Ende der Kunstperiode, Hegel hingegen sieht in der Kunst »nicht mehr die höchste Weise …, in der Wahrheit sich Existenz verschafft.«Im Wallstein Verlag erschienenJost Schillemeit: Kafka-Studien, hg. von Rosemarie Schillemeit (2004); Jost Schillemeit: Studien zur Goethezeit, hg. von Rosemarie Schillemeit (2006)
Herausgeber : Lütteken, Anett; Weishaupt, Matthias; Zelle, Carsten
Der Kanon im Zeitalter der Aufklärung
Verlag: Wallstein
Das 19. Jahrhundert gilt als Blütezeit »national«literarischer Kanonbildung, doch die Beiträge in diesem Band zeigen, dass maßgebliche Kanonisierungsprozesse bereits im Zeitalter der europäischen Aufklärung stattgefunden haben.Inhalt:Klaus Manger: Bestseller des 18. Jahrhunderts Rainer Baasner: Zur Formation eines englischen Kanons für die Deutschen im 18. Jahrhundert Anett Lütteken: Der Kanon der Blumenlesen. Deutsche LesebücherCarsten Zelle: Eschenburgs Beispielsammlung - ein norddeutsch-protestantischer Kanon? Anne Hegemann: Linas Kanon - Leseempfehlungen für das weibliche Geschlecht bei Sophie von La RocheUrs Meyer: Der Kanon der Spätaufklärer - zum Beispiel Johann Gottfried SeumeBenedikt Jeßing: Der Kanon des späten GoetheGernot Gruber: Der Kanon der MusikMatthias Weishaupt: Zum Kanon historischer Werke in der zweiten Hälfte des 18. JahrhundertsEdgar Bierende: Johannes Müller und die Rekonstruktion einer historischen Identität der Schweiz
Herausgeber : Gamper, Michael; Wernli, Martina; Zimmer, Jörg
"Es ist nun einmal zum Versuch gekommen"
Verlag: Wallstein
Das Experiment gilt als eines der wichtigsten methodischen Verfahren neuzeitlicher Wissensproduktion. Spätestens seit Ende des 16. Jahrhunderts bildet es eine Form der Erkenntnisgewinnung, die sich einer eigens hierfür »provozierten« Erfahrung verdankt. Durch das Zusammenspiel von definierten Voraussetzungen, künstlichem Eingriff und empirischem Ablauf, an das sich Verfahren der Aufzeichnung, der Ausdeutung und der Distribution anschließen, werden neue Erkenntnisse gewonnen. Damit sind in den Prozess des Experimentierens immer auch rhetorische, narrative und fiktionale Techniken involviert, durch die sich das Experiment zugleich als wissenschaftliches und als literarisches Verfahren erweist. Weitere Bände zum Thema »Experiment und Literatur« widmen sich den Jahren 1790-1890 (2010) und 1890-2009 (2011).Aus dem Inhalt:Wolfgang Krohn: Francis Bacons literarische ExperimenteRichard Nate: Zur Topik des Experiments im frühneuzeitlichen EnglandUlrich Stadler: Experimente im Umkreis der Royal Society, bei Christian Wolff und bei CalderonRoland Borgards: Kreuzungsversuche bei Rousseau und BretonneThomas Fries: Wissenschaftliches Denken als Dialog: d’Alembert, Diderot und GalianiMichael Gamper: Lichtenberg und die ElektrizitätGunhild Berg: J. G. B. Pfeils Versuch in moralischen Erzählungen
Herausgeber : Heidelberger-Leonard, Irene; Lühe, Irmela von der
Seiner Zeit voraus
Verlag: Wallstein
Der erste und der letzte Roman von Jean Améry (1912-1978), »Die Schiffbrüchigen« (1934/35) und »Lefeu oder der Abbruch« (1974), bilden den thematischen Rahmen dieses Sammelbandes, der den Schriftsteller als Begründer eines neuen Auschwitz-Diskurses ausweist. Aus dem Inhalt:Irene Heidelberger-Leonard: Zur Kongruenz von Existenz, Ästhetik und Ethik im Werk Jean AmérysHans Höller: Jean Amérys biographisches LesenJürgen Doll: Jean Amérys Wiener Jahre zwischen Rotem Wien und Ständestaat (1926-1938)Eckart Pastor: Zu Jean Amérys frühem Roman »Die Schiffbrüchigen«Monique Boussart: Zu einem Themenkomplex und dessen Variationen - Verfall - Tod - Freitod von »Die Schiffbrüchigen« zu »Hand an sich legen«Maria Luisa Siguan-Böhmer: Amérys »Unmeisterliche Wanderjahre« - Individuum und Geschichte, Autobiographie und RomanMaria Lassmann: Die Grenzen des Körpers, die Grenzen der Sprache -Jean Améry und Maurice Merleau-Pontys PhänomenologieSylvia Weiler: Die Ästhetik als Phänomenologie der Erinnerungin Jean Amérys Roman-Essay »Lefeu oder der Abbruch«Gerhard Scheit: Jean Améry, Ernst Jünger und Alfred AnderschIrmela von der Lühe: Jean Améry und sein Meister Thomas MannHanjo Kesting: Augenblicke mit Jean Améry - Versuch einer Erinnerung
Herausgeber : Goebel, Eckart; Bronfen, Elisabeth
Narziss und Eros
Verlag: Wallstein
In Ovids »Metamorphosen« stirbt der selbstverliebte Jüngling vor seinem Spiegelbild. Kann der antike Mythos ein Schlüssel sein, die heutige My-Space-Generation zu verstehen, die ihr Image vor dem Spiegel des World Wide Web kreiert?
Medien-, Kunst-, Kultur- und Literaturwissenschaftler studieren die Rezeption des Narziss-Mythos von der Antike bis zu Steven Spielberg. Der Akzent wird auf Vorgänge der Übersetzung gelegt. Thematisiert wird der Übergang vom Bild zum Text und umgekehrt, aber auch das Phänomen (narzisstischer) Übertragung, das in der Begegnung zwischen Menschen zu beobachten ist, in der Freundschaft etwa oder in der Liebe.
Lämmert, Eberhard
Respekt vor den Poeten
Verlag: Wallstein
Der Aufstieg des Schriftstellers zu einem unternehmerischen Einzelgänger und der Entwurf einer Genie-Ästhetik zur Begründung seiner autonomen Produktivität ereignen sich in Europa am Schnittpunkt zweier Epochen: dem Übergang von einer eher statisch geordneten zu einer dynamisch bewegten Gesellschaft etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Künstler, die sich von der Auftragskunst lossagen, handeln sich für ihre Werke das Privileg, aber auch das Risiko der vollen Eigenverantwortung ein.
In einer Abfolge von Einzelstudien steckt Lämmert Stationen und Krisen der Entfaltung des freien Schriftstellers in zwei Jahrhunderten ab und untersucht dabei u. a. Werke von Schiller, Brentano, George, Heinrich und Thomas Mann, Kafka und Tucholsky. Vier Querschnittsstudien gelten schließlich der sich in Deutschland spät entfaltenden Großstadtliteratur, dem Regress des Schreibens unter Diktaturen und parallel dazu dem Exil als einer geradezu prototypischen Lebensform dieser Epoche und runden mit einem Blick auf die neuen Kommunikationsformen der Literatur das Profil des freien Schriftstellers als eines Phänotyps dieser Epoche ab.
Neumeyer, Harald
Anomalien, Autonomien und das Unbewusste
Verlag: Wallstein
Im Laufe des 18. Jahrhunderts beginnen sich unterschiedliche Wahrnehmungsparadigmen des Selbstmords zu überlagern und einander abzulösen. Diese Entwicklung zeigt Harald Neumeyer anhand medizinischer Traktate, juristischer wie polizeiwissenschaftlicher Abhandlungen, theologischer Studien, psychologischer Fallanalysen, gerichtsmedizinischer Gutachten, populärer Biographien und literarischer Texte. Selbstmord kann danach als Verletzung des irdischen wie göttlichen Souveräns, als Verbrechen am Staat, als Effekt einer Anomalie und als Resultat eines Normenkonflikts bewertet werden.
Zugleich verbindet sich die gesamtkulturelle Erörterung des Selbstmords mit dem Projekt einer neuen Definition, Vermessung und Berechnung des Individuums. So werden divergierende Formen von Autonomie entfaltet, die letztlich auf eine Unterwerfung wie Disziplinierung des Menschen zielen, wird die Grenze zwischen Normalität und Anomalie stets neu ausgelotet und der Bereich eines Unbewussten als Motor von Handlungen veranschlagt. Im Zentrum der Studie stehen Johann Wolfgang Goethes »Die Leiden des jungen Werther«, Friedrich Schillers »Die Räuber« und Clemens Brentanos »Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl«.
Gisela Bensch
Träumerische Ungenauigkeiten
Verlag: V&R unipress
Der Band enthält eine zusammenhängende Darstellung des Traumdiskurses in den Romanen Buddenbrooks, Der Zauberberg und Joseph und seine Brüder, die von Thomas Mann selbst als »die drei künstlerischen Haupt-Denksteine« seines Lebens bezeichnet wurden. Jeder Roman stellt eine in sich geschlossene Traumwelt dar, da sich das Verständnis vom Traum bei Mann im Laufe der Jahre differenzierte und vertiefte und neue Aspekte hinzutraten. So spielt die Traumdeutung erst im Josephroman eine wichtige Rolle und auch das Verschweigen, Vergessen und Weitererzählen von Träumen wird jeweils unterschiedlich gesehen. Die Autorin geht auf den großen Themenkomplex des Traumbewußtseins ein, sie stellt weiterhin dar, welche Traumdiskurse von der Antike bis Sigmund Freud von Mann rezipiert und verarbeitet wurden.
Klaus Scheunemann
Der Blick von außen
Verlag: V&R unipress
Geschichten englischer Literatur sind unerlässliche und bewährte Hilfsmittel in der deutschen Anglistik. Literarhistorien vermitteln aber nicht nur Informationen über englische Autoren, ihre Werke sowie deren zeitlichen und kulturellen Kontext. Durch implizite Darstellungsverfahren und explizite Kommentare der Verfasser wird oftmals auch ein Bild dessen vermittelt, was für ›typisch englisch‹ gehalten wird. Gerade durch die Bedeutung von Literaturgeschichten als Referenzwerken in der akademischen Lehre konnte dieses Fremdbild auch das kulturelle Gedächtnis der Deutschen prägen. Anhand von acht ausgewählten deutschen Geschichten englischer Literatur aus der Zeit von Mitte des 19. bis Beginn des 21. Jahrhunderts untersucht die Studie, welches Bild von Englishness deutschsprachige Literaturwissenschaftler entworfen haben und wie dieses mitunter auch sehr offensiv politisch funktionalisiert wird.
Bernadette Rieder
Unter Beweis: Das Leben
Verlag: V&R unipress
Dieses Buch widmet seine Aufmerksamkeit sechs deutsch-sprachigen SchriftstellerInnen aus Israel, die während der NS-Zeit vertrieben wurden. Ihren individuellen Lebensverläufen wird Respekt gezollt: Anhand eines eigens entwickelten Analyse-instrumentariums werden die Ich-Botschaften der Autobiographien von Max Brod, Lola Landau, Max Zweig, Anna Maria Jokl, Alice Schwarz-Gardos und Willy Verkauf-Verlon enthüllt. Eine Darstellung der historischen Bedingungen für deutschsprachige Einwanderer und deutschsprachige Literatur in Palästina / Israel und ein Überblick über die Forschung zur deutschsprachigen Literatur in dieser Region machen den gemeinsamen Kontext der Autobio-graphien deutlich. Neben dem Wert der Erinnerung trägt das textanalytische Vorgehen der Arbeit wesentlich zu einer Weiter-entwicklung der Gattungstheorie und einer auf der Rhetorik basierenden Toposforschung bei.
Herausgeber : Reinhard Zachau
Topography and Literature
Verlag: V&R unipress
The contributions in this volume are based on a conference that was held at the University of the South in Tennessee (USA) in 2008. The papers investigate the impact Berlin’s cityscape had on its artistic representation. In the first part the impact of Berlin’s city planning with its monumental Wilhelmine symbolism are explored in flaneur characters, e. g. in Georg Hermann’s work. The main focus of the volume is on the second part with an investigation of the impact city planning had on Weimar Berlin’s art and literature. In this part a number of contributions show the interaction between space and art, e. g. in Walter Ruttmann, Hans Fallada and Alfred Döblin. The volume concludes with essays about the continuation of Weimar’s modernism in contemporary culture.
Herausgeber : Paul Geyer
Petrarca und die Herausbildung des modernen Subjekts
Verlag: V&R unipress
spezialisten beschäftigen sich in diesem Band mit einer der bedeutendsten Gestalten der europäischen Geistesgeschichte. Aufgrund seines umfangreichen und vielseitigen Werkes gilt Petrarca (1304–1374) als Begründer des Humanismus und Wegbereiter der Renaissance. Einen Schwerpunkt dieses Bandes bilden eingehende Analysen von Petrarcas berühmtestem Werk, des Canzoniere; deutlich wird, dass Petrarcas Beschäftigung mit Themen wie der Introspektion und Selbsterkenntnis, der Entfremdung und Dialektik von Ich und Du maßgeblich zur Herausbildung der Bewusstseinsform des modernen Menschen beigetragen hat. Andere Beiträge fokussieren Petrarcas Einfluss auf die nachfolgenden Dichtergenerationen von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert.
Efstratios Sarischoulis
Motive und Handlung bei Homer
Verlag: V&R unipress
Nicht lediglich als Ware, sondern auch und vor allem als Wahres sind die Epen Homers aufzufassen. Als Ware sind sie zu betrachten, weil sie die damaligen »Verfilmungen« großer, allen bekannter Ereignisse darstellen. Ziel solcher Verfilmungen – damals wie heute – ist der Genuss, der durch den Verbrauch entsteht. Bei seiner Version der Ereignisse hebt Homer unentwegt die Tatsache hervor, dass es sich um Wahres handelt, indem er stets die jeweilige Handlung auf selbstständig handelnde Figuren des Epos – Menschen und Götter – zurückführt. Bei diesem einheitlichen und omnipräsenten Darstellungskonzept weist Homer darauf hin, dass es sich um eine Darstellung von vorstellbaren Ereignissen handelt. Warum entwickelt sich die Handlung an dieser oder jener Stelle so, wie sie sich entwickelt? Weil es Menschen und Götter gibt, die dies mit ihrem Handeln veranlassen. Warum? Ganz einfach: Sie haben ihre (Beweg-)Gründe...
Herausgeber : Claudia Glunz
Krieg und Literatur/War and Literature Vol. XIV, 2008
Verlag: V&R unipress
Augenzeugenberichte zum 11. September 2001 und zu den Kriegen des 17. Jahrhunderts spannen den Bogen der Beiträge des vorliegenden Bandes. Eine Untersuchung der massenmedialen Darstellung der »Taten« des Kreuzers Emden im Ersten Weltkrieg – eine der zeitgenössischen Mythen – steht neben Analysen von Max Frischs »Die Chinesische Mauer« und den Schriften Pat Barkers. Der Band zeichnet sich durch eine Vielfalt von Ansätzen aus und repräsentiert dennoch nur ein kleines Spektrum der Bandbreite möglicher Themen. Ergänzt werden die Beiträge durch Rezensionen zu einschlägigen Neuerscheinungen sowie durch eine Bibliographie wissenschaftlicher Publikationen aus dem Jahr 2005.
Riedel-Bierschwale, Heike
Das ‚Laiendoctrinal‘ des Erhart Groß
Verlag: Waxmann
Erhart Groß (gest. 1449) gehört zu den produktivsten in der Volkssprache schreibenden Kartäusermönchen des Mittelalters. Als Abkömmling eines Nürnberger Patriziergeschlechts schrieb Groß nicht nur für Geistliche, sondern richtete sich auch an ein urbanes weltliches Publikum, auf dessen Lebensgestaltung er mit didaktischem Impetus einzuwirken versuchte. Seine literarischen Aktivitäten sind ein Beispiel für die kartäusische Weltzugewandtheit im Spätmittelalter. Wie viele der Werke von Erhart Groß ist auch sein ‚Laiendoctrinal’ bislang noch kaum untersucht. Es wird hier erstmals in einer kritischen Edition vorgelegt. Begleitet wird sie von einer Untersuchung, deren Schwerpunkt auf dem Verhältnis des ‚Laiendoctrinals’ zu seinen Vorgängertexten, dem mittelniederländischen ‚Dietschen doctrinale’ und dem lateinischen ‚Liber de amore et dilectione Dei et proximi et aliarum rerum et de forma vitae’ des italienischen Juristen Albertanus von Brescia liegt. Damit eröffnen sich Einblicke in die Entfaltung eines laienethischen Textkomplexes vom 13. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts.
Heiner Teroerde
Politische Dramaturgien im geteilten Berlin
Verlag: V&R unipress
In ihren Anfängen definierte sich die Bundesrepublik wie die DDR dadurch neu, dass sie sich gegen den gemeinsamen Vorgängerstaat, das »Dritte Reich«, abgrenzte. Das entsprach aber kaum der jeweiligen sozialen Wirklichkeit. In der DDR themattisierte Heiner Müller das Fortleben der Vergangenheit. Er entlarvte den behaupteten demokratischen Neubeginn als Wunschvorstellung und übte so subtil wie vernichtend Kritik am staatlichen Opportunismus, der ursprüngliche Ideale in ihr Gegenteil verkehrte. Bisher ist dies kaum voll erkannt worden – aufgrund von ursprünglich politisch motivierten, dann literaturwissenschaftlich festgeschriebenen Etikettierungen, die hier relativiert werden sollen. In der Bundesrepublik machte Erwin Piscator mit seinen Inszenierungen von Stücken Hochhuths, Weiss’ und Kipphardts auf das Fortleben sozialer Strukturen aus dem Nationalsozialismus aufmerksam. Die Einordnung der Stücke in den historischen Kontext von DDR und BRD fördert überraschende Parallelen zutage. Es zeigt sich, dass die ähnlichen Reaktionen aus der Politik in Ost und West durch den gleichen Mechanismus ausgelöst wurden, nämlich durch den Verweis auf die Selbsttäuschungen der jungen Staaten, die den Anspruch erhoben, auf Anhieb andere soziale Gemeinschaften geschaffen zu haben.
Nolting, Uta
Sprachgebrauch süddeutscher Klosterfrauen des 17. Jahrhunderts
Verlag: Waxmann
Untersuchungen zur Sprachgeschichte des 17. Jahrhunderts fokussieren großteils auf Text¬zeugnisse barocken Stils, verfasst von Gelehrten, Dichtern oder Kanzleischreibern. Diese Dokumente bilden freilich nur einen Teil der Sprachwirklichkeit dieser Zeit ab, die in ihrer Heterogenität noch nicht hinreichend erforscht ist.Im Sinne einer soziopragmatisch orientierten Sprachhistoriographie wendet sich die vorliegende Untersuchung dem Sprachgebrauch einer bislang kaum beachteten soziokulturellen Gruppe zu, indem sie Dokumente von vier katholischen Klosterfrauen des 17. Jahrhunderts zur Grundlage nimmt. Damit leistet sie nicht nur einen Beitrag zur Erforschung monastischer Sprachkultur, sondern liefert auch einen Baustein zur Erschließung des nach wie vor weitgehend marginalisierten weiblichen Sprachusus. Das ausgewählte Korpus umfasst Zeugnisse von Schreiberinnen aus unterschiedlichen sprachlichen Regionen Süddeutschlands, darunter aus dem nur wenig erforschten Südwesten, und erlaubt so eine explorative Studie auf verschiedenen Sprachebenen, die nachweist, dass sich der Sprachgebrauch der Klosterfrauen in vielerlei Hinsicht von dem gelehrter ‚Schreibprofis‘ der Barockzeit abhebt.
Breith, Astrid
Textaneignung
Verlag: Waxmann
Die Reformbemühungen des 15. Jahrhunderts stellten die monastischen Orden vor eine Herausforderung. Die der Lichtenthaler Schreibmeisterin Schwester Regula zugeschriebenen Codices sind besonders geeignet, personengebundene Produktionsprozesse von erbaulichen Texten vor diesem Hintergrund zu rekonstruieren. Vorliegende Arbeit erschließt aus paläographischen Details die Redaktionsprinzipien der Schreibmeisterin. Die zwischen Absätzen und an Seitenrändern vermerkten Kommentare und Leseanweisungen erlauben es, sowohl ihre Übersetzung- und Kompilationsleistung wie auch den Rezeptionsrahmen der Texte nachzuzeichnen. Als außergewöhnlich eigenständig gilt das von ihr erstellte Frauenlegendar, das buch von den heilgen megden und frowen, in dessen Konzeption und Kommentierung die theologischen Begriffe ‚Jungfräulichkeit’ und ‚Brautliebe’ als Elemente der aktiven Christusnachfolge für gläubige Frauen herausgearbeitet wurden.
Kesting, Hanjo
Begegnungen mit Hans Mayer
Verlag: Wallstein
Hanjo Kesting beschreibt den »Außenseiter« und »Deutschen auf Widerruf« aus großer Nähe.»Der letzte Gelehrte mit historischem Auftrag« – so nannte die Frankfurter Allgemeine Zeitung den Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Hans Mayer in einem Nachruf.Mayer, geboren 1907 in Köln, musste nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten emigrieren. Ursprünglich für eine juristische Laufbahn bestimmt, schrieb er im Schweizer Exil seine erste literaturwissenschaftliche Studie: »Georg Büchner und seine Zeit« (1946). Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Chefredakteur bei Radio Frankfurt, seit 1949 Professor für Literatur in Leipzig, seit 1965 in Hannover. Nach seiner Emeritierung entstand ein gewaltiges Alterswerk von mehr als zwanzig Büchern, darunter die große Studie über Außenseiter und das Erinnerungsbuch Ein Deutscher auf Widerruf. Mayer war Mitarbeiter des NDR-Kulturprogramms, für das er in Zusammenarbeit mit dem langjährigen Kulturchef Hanjo Kesting zahlreiche Gespräche führte und Sendungen schrieb. Hanjo Kesting hat eine Auswahl seiner Aufsätze über Hans Mayer und noch ungedruckte Gespräche mit dem großen Gelehrten zu dem Sudelblatt »Begegnungen mit Hans Mayer« zusammengestellt.
Bauschinger, Sigrid
Else Lasker-Schüler
Verlag: Wallstein
Else Lasker-Schülers Werk liegt nun seit einigen Jahren in einer Kritischen Ausgabe vor, in deren Rahmen auch der erste Briefband inzwischen erschienen ist. Sigrid Bauschinger konnte auf diese und alle weiteren noch zu edierenden Briefe zurückgreifen und so aufgrund des umfangreichen, teilweise unbekannten Materials zeigen, unter welchen Bedingungen Lasker-Schülers Werk entstand. Nicht die zahllosen Anekdoten über ihre exzentrische Erscheinung, sondern tatsächliche Ereignisse machen das Leben dieser außerordentlichen Dichterin aus.Die poetische Kraft für ihr stark autobiographisch geprägtes Werk zog Else Lasker-Schüler aus ihren Wurzeln im assimilierten, liberalen jüdischen Bürgertum im westfälischen Elberfeld, wo sie 1869 zur Welt kam. Während ihrer ersten Ehe mit dem Arzt Berthold Lasker nahm sie in Berlin Zeichenunterricht und erlebte in fortschrittlichen literarischen und weltanschaulichen Kreisen ihre intellektuelle Befreiung. Mit ihrem zweiten Mann Herwarth Walden, dem Gründer des »Sturm«, kämpfte sie an der Spitze der Avantgarde für die Moderne im Berlin der Kaiserzeit. Dabei stellte sie ihr untrügliches künstlerisches Urteil in Gedichten und Prosaportraits unter Beweis, die sie u.a. über Oskar Kokoschka, Franz Marc, Georg Trakl und Gottfried Benn verfaßte. Nach ihrer Scheidung von Walden lebte Lasker-Schüler als freie Künstlerin in Berlin. 1933 verließ sie Deutschland nach tätlichen Angriffen und emigrierte zunächst in die Schweiz. Die letzten Jahre bis zu ihrem Tod 1945 verbrachte sie in Jerusalem. Hier schrieb sie kostbare Liebesgedichte und ihr letztes Drama. Mit dem von ihr gegründeten Vortragskreis »Der Kraal« versuchte sie noch einmal, inmitten des von Aufständen zerrissenen Landes und angesichts des Untergangs ihrer Welt in Europa, einen neuen Freundeskreis um sich zu bilden.Seit vielen Jahren gilt Sigrid Bauschinger als eine der besten Kennerinnen des Werkes von Else Lasker-Schüler. Aus der Kenntnis des gesamten, teilweise bisher ungedruckten Briefe hat sie die erste profunde Biographie geschrieben.
Reich-Ranicki, Marcel
Erst leben, dann spielen
Verlag: Wallstein
Seit seiner Rückkehr aus Polen nach Deutschland im Jahre 1958 beschäftigte sich Marcel Reich-Ranicki immer wieder mit polnischer Literatur. Er schrieb Kritiken, Porträts, Nachrufe und auch zusammenfassende Rückblicke. Sie wurden zunächst in der "Welt", dann in der "Zeit" und ab 1974 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht. Der vorliegende Band bietet eine Auswahl dieser Arbeiten. Behandelt werden Schriftsteller, die die polnische Literatur des 20. Jahrhunderts, zumal der Zeit nach 1945, geprägt haben und die beinahe alle in deutscher Übersetzung erschienen sind - von Bruno Schulz und Jaroslaw Iwaszkiewicz bis zu Slawomir Mrozek und Marek Hlasko. Ein größerer Essay analysiert "Die Rolle des Schriftstellers in Polen" im Laufe der Jahrhunderte. 1962 schrieb Reich-Ranicki: "Bücher polnischer Autoren werden von westdeutschen Zeitungen meist gelobt, mitunter überschwenglich gerühmt. Aber sie werden wenig verkauft. Man begegnet dieser Literatur oft mit Sympathie und mit Interesse. Aber man liest sie kaum. Von polnischen Schriftstellern wird in der Bundesrepublik bisweilen nicht ohne Hochachtung gesprochen. Aber ihre Namen sind, von Ausnahmen abgesehen, so gut wie unbekannt." Seitdem sind 40 Jahre vergangen, doch an dem Zustand, den Reich-Ranicki beklagt, hat sich trotz vielfacher Bemühungen der Presse und der Verlage nur wenig geändert. Nach wie vor ist die Resonanz auf die polnische Literatur hierzulande bescheiden. Das hat nicht zuletzt mit der Tatsache z tun, daß diese Literatur, stets mit der schwierigen Situation in Polen befaßt, der Losung folgen mußte: "Erst leben, dann spielen."Der Autor: Marcel Reich-Ranicki ist gegenwärtig der einflußreichste Literaturkritiker in Deutschland. Seit er seine Autobiographie "Mein Leben" (1999) veröffentlichte, ist den Lesern seine intensive und lebenslange Beziehung zur polnischen Literatur noch deutlicher geworden.
Kemp, Friedhelm
Das europäische Sonett
Verlag: Wallstein
"In diesen fünf- bis sechshundert hier versammelten Sonetten geht es in erster Linie um das, was jedes sagt, was sie miteinander verbindet, wie sie miteinander sich unterreden, sich gegenseitig beleuchten und auslegen. Und wie sie nicht selten, nachbarschaftlich oder über die Nationen und Jahrhunderte hinweg, zu thematisch Verwandtem hinüberwinken, das dann auch aufzutreten forderte."Friedhelm KempFriedhelm Kemps Buch spiegelt die Erfahrung einer lebenslangen Beschäftigung mit Poesie wider. Der erste Band gilt den Ursprüngen und der Ausformung des Sonetts in seinem Herkunftsland Italien sowie seiner Ausbreitung nach Frankreich, Spanien und England bis zum Barock. So beleuchten sich wechselseitig die berühmtesten und die entlegensten Sonette und lassen die Kontur einer bisher acht Jahrhunderte umspannenden Gattungstradition deutlich werden. Der historisch anschließende zweite Band widmet sich etwa zur Hälfte der deutschen Sonett-Tradition vom Frühbarock bis in die Hälfte des 20. Jahrhunderts; ergänzt wird dies durch die wichtigsten Sonettdichter anderer europäischer Länder, denen auch für die Gegenwart das letzte Wort gegeben wird.Es gibt bisher keine mit diesem opus magnum Friedhelm Kemps auch nur entfernt vergleichbare Darstellung der europäischen Sonett-Tradition.
Schneider, Ute
Der unsichtbare Zweite
Verlag: Wallstein
Literaturkulis, geistige Geburtshelfer, graue Eminenzen. Diese und ähnlich plakative Begriffe werden gerne zur Beschreibung des Lektors im literarischen Verlag herangezogen. Die Anonymität der Lektoren, diffuse Vorstellungen von ihrer Tätigkeit und ein nicht definierter beruflicher Qualifikationsweg werfen die Frage auf: Handelt es sich überhaupt um einen Beruf? Um 1900 stellten literarische Verleger erstmals Lektoren ein, die ihnen als Berater zur Seite standen und Autoren im Schreibprozeß begleiteten, aber erst 50 Jahre später übernahmen Lektoren auch Programmverantwortung. Neben der Arbeit am Manuskript wurde die Planung und die Profilierung des Verlagsprogramms zu einem charakteristischen Merkmal. Ute Schneider analysiert die Kontinuität und die Wandlungen der komplexen Funktion des Lektors im Verlagsalltag vor dem Hintergrund der Buchmarktentwicklung und des dynamischen Literaturbetriebs im 20. Jahrhundert. Besonderen Reiz gewinnt die Studie aus einer Vielzahl von Fallbeispielen, die teilweise aus unveröffentlichten Materialien gewonnen sind und durch die man legendären Lektoren wie Moritz Heimann, Oskar Loerke, Hermann Kasack, Friedo Lampe oder Christian Morgenstern gleichsam über die Schulter schaut. Verschiedene Phasen der Berufsgeschichte lassen sich sowohl im Anforderungsprofil als auch im subjektiven Rollenverständnis des Lektors gegeneinander abgrenzen. Vom klassischen Brotberuf für Schriftsteller avancierte der Lektor zum »Produktmanager«, ohne die Ambivalenz der Rolle zwischen Geist und Ware, zwischen ästhetisch-literarischen Werten und Marketingkonzepten, zwischen Autor und Verleger auflösen zu können.Die AutorinUte Schneider, geb. 1960, Studium der Buchwissenschaft, Germanistik und Soziologie, Promotion 1994 (»Friedrich Nicolais Allgemeine Deutsche Bibliothek als Integrationsmedium der Gelehrtenrepublik, Wiesbaden 1995«), Habilitation 2001, Hochschuldozentin am Institut für Buchwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Herausgeberin von »Imprimatur. Ein Jahrbuch für Bücherfreunde (2002ff.)«.
Patrice Djoufack
Entortung, hybride Sprache und Identitätsbildung
Verlag: V&R unipress
Dieser Band behandelt die Konstitution von Sprache und Identität in literarischen Texten, die unter den Bedingungen der Diaspora entstanden sind. Ein kulturwissenschaftlicher Ansatz ermöglicht, die hier thematisierten interkulturellen Erfahrungen zu erfassen sowie Prozesse und Strategien der Generierung und Transformation von Sprache, Kultur und Identität zu erkunden. Um der Analyse ausgewählter literarischer Werke einen begrifflichen und methodischen Rahmen zu geben, diskutiert der Autor zunächst Theorien zu postkolonialen und diskurstheoretischen Identitäts- und Sprachkonzepten. Die Textanalysen zeigen, dass die behandelten Autoren durch Hinwendung zum Bereich des Fiktionalen einen machtfreien Bereich erschließen, der hinsichtlich eines Nachdenkens über Sprache und Identität produktiv ist: Dort werden Szenarien interkultureller Begegnung und diasporischer Erfahrung arrangiert, werden Möglichkeiten einer Selbstfindung erprobt. Dabei werden im Prozess der Subjektkonstitution Erinnerungen, Wünsche, aber v. a. Erfahrungen am eigenen Leib mit der diskursiven Macht »artikuliert« (Hall). Neu an dieser Konzeption ist, dass die Erfahrung der Diaspora und der Interkulturalität die Möglichkeit bietet, diese Auffassung diskursiv konstituierter Identitäten zu hinterfragen und zu erweitern
Katrin Althans
Darkness Subverted
Verlag: V&R unipress
At the heart of the Gothic novel proper lies the discursive binary of »self« and »other«, which in colonial literature was quickly filled with representations of the colonial master and his indigenous subject. Contemporary black Australian artists have usurped this colonial Gothic discourse, torn it to pieces, and finally transformed it into an Aboriginal Gothic. This study first develops the theoretical concept of an Aboriginal Gothic and then uses this term as a tool to analyse novels by Vivienne Cleven, Mudrooroo, Kim Scott, Sam Watson, and Alexis Wright as well as films directed by Beck Cole and Tracey Moffatt. It centres on the question of how a genuinely European mode, the Gothic, can be permeated and thus digested by elements of indigenous Australian culture in order to portray the current situation of Aboriginal Australians and to celebrate a recovered cultural identity.
Herausgeber : Dietl, Cora; Wolfzettel, Friedrich; Däumer, Matthias
Artushof und Artusliteratur
Verlag: De Gruyter
Der Artushof, das Zentrum der im Mittelalter höchst erfolgreichen arthurischen Romane, wird in diesem Band aus interdisziplinärer Perspektive neu beleuchtet als eine Institution, die fiktional inszeniert, stabilisiert und problematisiert wird. Gefragt wird nach den Kräften, Figuren und Ämtern, die den Hof als Minimalbild einer Gesellschaft oder als literarisches Experiment konstituieren oder gefährden. Schließlich hinterfragen die Beiträge kritisch die ›Idealität‹ des Artushofs und untersuchen die Funktion und Rezeption des Hofs auch in hoffernen Kontexten.
Richter, Sandra
A History of Poetics
Verlag: De Gruyter
Since the 1990s, following the end of postmodernism, literary theory has lost much of its dynamics. This book aims at revitalising literary theory exploring two of its historical bases: German poetics and aesthetics. Beginning in the 1770s and ending in the 1950s, the book examines nearly 200 years of this history, thereby providing the reader with a first history of poetics as well as with bibliographies of the subject. The analysis not only shows the differentiation of historical accounts in the field, but also reflects how current literary theory could move forward through the rediscovery of sunken ideas.
Davies, Peter
Myth, Matriarchy and Modernity
Verlag: De Gruyter
This study explores the prevalence in German culture of myths about ancient matriarchal societies, tracing their presence in left and right wing politics, feminist and antifeminist writing, sociology, psychoanalysis and literary production. The work of the Swiss theorist of matriarchy, Johann Jakob Bachofen (1815-1887), has been highly influential, and this book shows how the interpretation of his legacy became a battleground for conflicts about modernity, myth, race and nation, sex and gender, and ultimately the struggle between National Socialism and its opponents.
Zeller, Christoph
Ästhetik des Authentischen
Verlag: De Gruyter
Mediale Revolutionen wecken Sehnsüchte nach Authentischem. Literatur und Kunst reagieren darauf, indem sie sich dem Faktischen, der Aktion und dem Augenblick zuwenden und sich für das Leben selbst ausgeben. Davon zeugen die historischen Avantgarden, die für viele Ästhetiken um 1970 beispielgebend sind. Die vorliegende Studie entfaltet die Geschichte und Theorie des Authentischen von Nietzsche bis Adorno und zeigt Authentizität in verschiedenen künstlerischen Formen (Dokumentarliteratur, Performance Art, Autobiographie, Erzählung, Collage) als einen ästhetischen Effekt.
Herausgeber : Fulda, Daniel; Roeben, Antje; Wichard, Norbert
Kann man denn auch nicht lachend sehr ernsthaft sein?
Verlag: De Gruyter
Ihre Leser - oder im Theater: die Zuschauer - zum Lachen zu bringen, ist eines der wichtigsten, allerdings wenig anerkannten Ziele der Literatur. So häufig Lachen reiner übermut oder ein verlachendes Spotten ist, so sehr kann man aber „auch lachend sehr ernsthaft sein", wie bereits Lessings Minna von Barnhelm wusste. Den unterschiedlichen Typen und Sprachformen des Lachens geht der vorliegende Band an Beispielen der deutschen und europäischen Literatur nach, von der antiken Komödie bis zum neuesten Detektivroman.
Herausgeber : Holtus, Günter
Romanische Bibliographie 2007
Verlag: De Gruyter
Die Romanische Bibliographie erscheint seit 1923 als Supplement zur Zeitschrift für romanische Philologie (gegr. 1877). Sie verzeichnet die bibliographischen Angaben von Monographien, Sammelwerken, Aufsätzen und Rezensionen für die Sprach- und Literaturwissenschaft, mit Ausnahme der französischen Literaturwissenschaft.
Herausgeber : Hans-Jochen Schiewer / Stefan Seeber / Markus Stock
Schmerz in der Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
Verlag: V&R unipress
Ausgehend vom neuen kulturwissenschaftlichen Interesse am Schmerz und seiner Codiertheit untersuchen die Beiträge dieses Bandes das Phänomen Schmerz in seiner spezifisch literarischen Verfasstheit in Texten des 12. bis 17. Jahrhunderts. Dabei liegen Schwerpunkte besonders auf der Frage nach der Erinnerung an Schmerz (Schmerz als Element der Mnemotechnik, Traumanarrative), der Komplexität der Schmerzdarstellung in Wort und Bild (Unsagbarkeitstopos, Schreiben im Schmerz, emblematische Visualisierung) sowie auf Detailstudien zum Konnex von Schmerz und Frömmigkeit (Tradition des »Bernhardstraktats«, Elsbeths von Oye »Offenbarungen«) und zur literarischen Instrumentalisierung des Schmerzes in der Heldenepik und im mittelhochdeutschen höfischen Roman. Der Band dokumentiert die Ergebnisse der gleichnamigen Tagung, die vom 17. bis 19. Mai 2007 in Freiburg als Arbeitsgespräch nordamerikanischer und europäischer Wissenschaftler stattgefunden hat.
Holm-Hadulla, Rainer M
Leidenschaft: Goethes Weg zur Kreativität
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Das Geheimnis der Kreativität"Poetry therapy" liegt im Trend. So neu ist die Idee nicht, wie dieses Buch zeigt: Schon Johann Wolfgang von Goethe therapierte sich selbst durch das Schreiben.Goethes war nicht nur ein begabtes Kind, ein vielgeliebter Dichter und bedeutender Politiker, sondern hat während seines gesamten Lebens gesucht, geirrt und gelitten. Er verfügte jedoch über die besondere Fähigkeit, seelische Erschütterungen anzunehmen und für die Entwicklung seiner Kreativität zu nutzen. Die Psychologie hat seit der Zeit Goethes große Fortschritte gemacht und die Neurobiologie revolutionäre Erkenntnisse über den menschlichen Geist ermöglicht. Dennoch existieren bislang keine Dokumente, die so eingehend die Entwicklung der Kreativität beschreiben wie Goethes Briefe und Werke sowie die detaillierten Beschreibungen seitens seiner Familienangehörigen, Freundinnen und Freunde. Sein Weg zur Kreativität ist auch heute noch höchst inspirierend und regt dazu an, die eigenen schöpferischen Seiten zu entwickeln. Die Beschäftigung mit Goethes Weg zur Kreativität ist damit nicht nur ein intellektuelles Vergnügen, sondern hat auch lebenspraktischen Nutzen.InhaltGoethes Weg zum schöpferischen LebenTeil 1: Leben und WerkKindheit und Jugend: Frankfurt 1749-1765 (Catharina Elisabeth)Leipziger Studentenkrise 1765-1768 (Käthchen)Rückkehr ins Elternhaus 1768-1770 (Cornelia)Flucht vor der Liebe: Straßburg 1770- 1771 (Friederike)Frankfurter Refugium 1771-1772 (Cornelia)Leidenschaft und Entsagung: Wetzlar 1772 (Charlotte)Frankfurter Geniezeit 1772-1775 (Lili)Goethes Konflikte im Spiegel der frühen DramenZeit der Reife: Weimar 1775-1786 (Charlotte)Neugeburt in Italien 1786-1788 (Faustina)Die große Liebe: Weimar 1788-1805 (Christiane)Politische Veränderungen und neue Leidenschaften 1806-1821 (Wilhelmine, Silvie, Marianne)Späte Liebe, Alter und Abschied 1821-1832 (Ulrike)Teil 2: Kreativität, Lebenskunst und Krankheit Leben als kreative Selbstverwirklichung - Das Wilhelm-Meister-ProjektGoethes Kreativität aus Sicht der modernen ForschungGoethes Lebenskunst Goethes "gesunde Krankheit"Teil 3: Goethes VermächtnisDankLiteraturDr. Rainer M. Holm-Hadulla, Psychotherapeut und Psychoanalytiker, ist leitender Arzt der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studentenwerks Heidelberg. Daneben lehrt er an der Universität Heidelberg und ist als Berater von Wissenschaftlern, Künstlern, Unternehmern, und Politikern tätig.
Kaiser, Gerhard
Literarische Romantik
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Alles, was Studierende zur Romantik wissen müssen:prägnant, verständlich - und zugleich fachlich fundiert. Das geistig-soziale Profil der Epoche wird überblickshaft vorgestellt. Der Band informiert kompakt und auf Basis der aktuellen Forschungslage über die verschiedenen literarischen Phasen der Romantik in allen Gattungen, und zwar anhand der repräsentative Vertreter und ihren wichtigsten Texten. Glossar, Zeittafeln und Kurzbiographien ergänzen die Darstellungen.
Herausgeber : Marx, Wilhelm
Erinnern - Vergessen - Erzählen
Verlag: Wallstein
Literaturwissenschaftler, Lektoren, Literaturkritiker und der Autor selbst diskutieren das Zusammenspiel von Erinnern und Vergessen im Werk von Uwe Timm.Uwe Timm, einer der erfolgreichsten deutschen Gegenwartsautoren, thematisiert in seinem literarischen Werk das Verhältnis von Erinnerung und Geschichte, von Gedächtnis und Literatur. Vom ersten Roman Heißer Sommer an lassen sich seine Bücher als erzählerische Bearbeitung individueller, familiärer und kollektiv-nationaler Gedächtnisinhalte lesen, füllen Leerstellen des kulturellen Gedächtnisses und lösen dessen prekäre Fixierungen auf.Der Band ist Auftakt der Reihe Poiesis. Standpunkte zur Gegenwartsliteratur, einem Forum poetologischer, literaturwissenschaftlicher und literaturkritischer Beiträge im Kontext der Bamberger Poetikprofessur. Mit Beiträgen von: Andrea Albrecht, Michael Braun, Hans-Peter Ecker, Matteo Galli, Heinz Gockel, Christof Hamann, Martin Hielscher, Oliver Jahraus, Friedhelm Marx, Andreas Meier, Dirk Niefanger, Michael Preis, Julia Schöll, Ulrich Simon und Uwe Timm.
Herausgeber : Marx, Friedhelm; Catani, Stephanie
Familien - Geschlechter - Macht
Verlag: Wallstein
Ein Hermaphrodit auf der Suche nach der eigenen Geschlechteridentität, eine junge Frau als Opfer autoritärer Machtstrukturen, ein Körper, der zum Samenraub eingesetzt wird: In ihren Romanen, Erzählungen und Gedichten thematisiert Ulrike Draesner Beziehungsmuster, Identitäts- und Familienmodelle, die in der modernen Gesellschaft an Stabilität verloren haben. Die Autorin verknüpft die individuelle Suche nach Heimat und Identität mit Erinnerungen, die auf ein kollektives Gedächtnis gründen, wie im jüngsten Roman »Spiele«.Literaturwissenschaftler und -kritiker, Übersetzer und Schriftsteller nähern sich verschiedenen Texten Ulrike Draesners und fragen gemeinsam mit der Autorin, die den Band einleitet, nach der Bedeutung von Familien-, Geschlechter- und Machtstrukturen für den schwierigen Prozess der Identitätsfindung in der Moderne.
Herausgeber : Hassauer, Friederike; Bearbeiter (sonst.): Waldner, Kyra; Bearbeiter (sonst.): Aichinger, Wolfram; Bearbeiter (sonst.): Lorenz, Annabell; Bearbeiter (sonst.): Katsivelaris, Nikolaos
Heißer Streit und kalte Ordnung
Verlag: Wallstein
Heißer Streit und kalte Ordnung meint die Jahrhunderte alte heftige Debatte um den Vorrang der Geschlechter. Wer ist besser in Wissenschaft und Literatur, in Alltag und Moral – Mann oder Frau? Wer darf sprechen, wer darf wissen? Solche Kampfrhetorik trägt den Streit um Geschlechterwissen aus der Vormoderne in die Moderne. Die Querelle hat eine große Texttradition und eine große Wirkungsmacht auf kulturelle Milieus. Ob Medizin, Recht, Theologie, Philosophie Kunst oder Pädagogik: Überall bringt die Politik des öffentlichen In-Streit-Stellens die alten Ordnungen in Fluss. Die Autorinnen und Autoren erforschen den Geschlechterstreit in Europa und Amerika mit Schwerpunkt Spanien und Hispano-Amerika. Dabei reicht der Forschungshorizont vom Mittelalter bis zum spanischen Postfrankismus.
Weder, Katharine
Kleists magnetische Poesie
Verlag: Wallstein
Heinrich von Kleists literarische Produktivität im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts fällt in die Zeit großer Popularität des Mesmerismus, des Tierischen Magnetismus, in Deutschland. Die an Magneten beobachteten Kräfte der Attraktion und Abstoßung wurden in diesem Lehrsystem für universal wirksam erklärt: Die magnetischen Wechselwirkungen und Wahlverwandtschaften gelten danach nicht nur für die anorganische, sondern besonders auch für die organische Natur und betreffen Körper wie Psyche. Dies wurde in Aufsehen erregenden und umstrittenen therapeutischen Praktiken erprobt. Die Autorin untersucht die Spuren dieser die Epoche prägenden Mode in Kleists Dramen und Prosa, u.a. in »Penthesilea«, »Das Käthchen von Heilbronn«, »Michael Kohlhaas« und »Prinz Friedrich von Homburg«.Für das Verständnis der zahlreichen geheimnisvoll ferngesteuerten Figuren in psychischen Grenzsituationen sind die mesmeristischen Konzepte von Kraftströmen und Fernwirkungen in Koma und Sterben, von eingeschränkter Willensfreiheit und zwingenden Rapporten aufschlussreich. Katharine Weder weist nach, wie sich Kleist in für ihn typischer Weise jeglicher Bewertung der magnetischen Wirkkraft enthält.
Kunst der Erinnerung, Poetik der Liebe
Verlag: Wallstein
Geschichte, Kunst und die Liebe: Das sind die großen Themen im Werk von Hanns-Joseph Ortheil. Die frühen Romane greifen historisch-politische Zäsuren deutscher Vergangenheit auf, indem sie von der deutschen Nachkriegsgeschichte und der konfliktbeladenen Auseinandersetzung mit der Vätergeneration erzählen. Jüngere Texte thematisieren Kunst und Künstlerfiguren. Sie begleiten Goethe durch Rom (»Faustinas Küsse«), berichten von Mozart und der glanzvollen Uraufführung seines »Don Giovanni« in Prag (»Die Nacht des Don Juan«) oder tauchen ein in den Farbenrausch eines jungen Malergenies im Venedig des 18. Jahrhunderts (»Im Licht der Lagune«). Mit »Die große Liebe« und »Das Verlangen nach Liebe« gelingt Hanns-Josef Ortheil schließlich eine Wiederbelebung des Liebesromans als ästhetisches Manifest. Die Autoren widmen sich intertextuellen Bezügen ebenso wie zentralen Topoi, lesen Ortheils Texte als Künstler-, Familien- und Liebesromane und folgen damit dem Autor selbst, der im Gespräch mit Heinz-Jürgen Dambmann einleitend »aktuelle Projekte des Liebesromans« poetologisch bestimmt.
Fauth, Søren R
Der metaphysiche Realist
Verlag: Wallstein
Wilhelm Raabe nimmt unter den kanonisierten Autoren des deutschsprachigen Realismus noch immer eine Sonderposition ein. Fauth weist durch detektivische Textarbeit erstmals nach, wie eng die spezifisch »altmodische Modernität«, die vieldiskutierte »implizite Poetik« und die chaotische Zeit- und Raum-Struktur der Raabeschen Erzähltexte mit der Ästhetik und Willensmetaphysik Arthur Schopenhauers verbunden sind. Anhand von detaillierten Interpretationen von u.a. Zum wilden Mann, Höxter und Corvey, Die Innerste, Das Odfeld, Hastenbeck und Altershausen zeigt er sowohl die strukturellen als auch die thematischen Spuren von Schopenhauers Einfluss auf. Wer sich in Zukunft mit Raabes Erzählungen und Romanen auseinandersetzt, wird dessen lebenslange Schopenhauer-Rezeption zu berücksichtigen haben.
Nebrig, Alexander
Die Rhetorizität des hohen Stils
Verlag: Wallstein
Jean Racine (1639-1699) ist der französische Tragödienautor schlechthin. Insbesondere der hohe Stil seiner Figurenrede war für die Tragödie beispielgebend. Es lassen sich zwei Phasen der Übertragung von Racines Trauerspielen ins Deutsche unterscheiden: Bis ca. 1770 wurde er in klassizistisch-französischer Tradition übersetzt, so unter anderem von Johann Christoph Gottsched. Ab ca. 1800 entdeckten ihn die Autoren der klassisch-romantischen Epoche für sich, darunter Friedrich Schiller, und die Art und Weise, die Emphase der tragischen Rede zu übertragen, änderte sich völlig. Die von Nebrig zusammengestellten Übersetzungskorpora bezeugen diesen Wandel. Die Übersetzungen werden gattungsgeschichtlich und bühnengeschichtlich eingeordnet, die Diskussion um den ›hohen Stil‹, die auch anhand der Stücke Racines entbrennt, dokumentiert und analysiert. Anhand der Tragödien Athalie, Iphigénie und Phèdre sind beide Übersetzungsstile abschließend noch einmal im Vergleich zu betrachten. Neben einem Verzeichnis von über 200 Racine-Aufführungen im deutschsprachigen Raum ist eine annotierte Bibliographie sämtlicher Übersetzungsdrucke in deutscher Sprache bis 1830 beigefügt.
Herausgeber : Jahraus, Oliver; Conter, Claude D
Sex - Tod - Genie
Verlag: Wallstein
Einer der umstrittensten und originellsten Gegenwartsautoren: Erstmals wird Helmut Kraussers Werk erklärt und entmystifiziert.Helmut Krausser ist nicht nur ein großer Romancier, er ist auch Dichter, Dramatiker, Essayist und Tagebuchautor. Diese Formenvielfalt sichert ihm einen besonderen Platz in der deutschen Literatur; zudem gelingt es ihm, sein ‘uvre von Buch zu Buch konsequent weiter zu entwickeln. Dabei versteht er es, an die großen europäischen Erzähltraditionen des Realismus, mehr noch aber der Romantik anzuknüpfen und diese Tradition eigenständig und innovativ weiterzuführen. Auch scheut er die großen Themen nicht: Liebe und Sexualität, Kunst und Musik, Wahnsinn und Tod, Verbrechen und Gewalt.
Beier, Nikolaj
"Vor allem bin ich ich..."
Verlag: Wallstein
Was bedeutete Identität im österreichischen Fin de Siècle? Sich für Frauen und Theater anstatt für das Medizinstudium zu interessieren? Als Arzt ein Dasein im Schatten des Vaters zu fristen? Ein erfolgreicher Autor zu werden, der nicht gegen finanzielle Sorgen gefeit war? Schicksalsschläge – gescheiterte Ehe, Selbstmord der Tochter und eigene Krankheit – in Liebschaften, Natur und literarischer Arbeit zu verdrängen?Dies alles traf auf den Wiener Arthur Schnitzler (1862-1931) zu. Trotzdem wurde Schnitzlers Identität von antisemitischen und auch jüdischen Zeitgenossen immer wieder auf ein Faktum reduziert: Dass er kein christlicher »Germane«, sondern »Israelit« mit »mosaischem Bekenntnis« – dass er ein Jude war.Nikolaj Beier spürt in Aufzeichnungen und Werken nach, welche Bedeutung das Judentum für den agnostizistischen, akkulturierten Arthur Schnitzler aufgrund der antisemitischen Atmosphäre besaß. Dabei beleuchtet er die Glaubens- und »Rassen«-Problematik in Österreich von den spätliberalen 1870er Jahren über die deutschnational-christlichsoziale Jahrhundertwende und den Ersten Weltkrieg bis zu den nationalsozialistischen 1930er Jahren.
Herausgeber : Schmid, Hans-Jörg
Cognitive Foundations of Linguistic Usage Patterns
Verlag: De Gruyter
There is an increasing awareness in linguistics that linguistic patterns can be explained with recourse to general cognitive processes. The contributions collected in this volume pursue such a usage-based cognitive linguistic approach by presenting empirical investigations of lexical and grammatical patterns and probing into their implications for the relations between language structure, use and cognition.
Haßler, Gerda; Neis, Cordula
Lexikon sprachtheoretischer Grundbegriffe des 17. und 18. Jahrhunderts
Verlag: De Gruyter
Das Lexikon bietet in 60 Artikeln zu ca. 200 Termini eine Beschreibung der einzelnen Konzepte, in denen sich das Sprachdenken des 17. und 18. Jahrhunderts in Texten darstellt. Berücksichtigt wird dabei neben der synchronen Perspektive und der Kontinuität gegenüber der Tradition auch die epochenbezogene Dynamik, durch die das Sprachdenken des 17. und 18. Jahrhunderts ein Konzeptualisierungsangebot für spätere Zeiträume werden konnte. Pluspunkte: Erstes umfassendes Lexikon zu 200 zentralen sprachtheoretischen Termini des 17. und 18. Jahrhunderts Erschließt die terminologische und fachlinguistische Diskussion in der Frühzeit der Sprachwissenschaft in ausführlichen Artikeln mit reichem Belegkorpus Berücksichtigt alle europäischen Sprachen und Diskurse
Métrich, René; Faucher, Eugène
Wörterbuch deutscher Partikeln
Verlag: De Gruyter
Trotz jahrzehntelanger Partikelforschung gibt es bis heute kein größeres Wörterbuch, ob ein- oder zweisprachig, in dem die Partikeln und partikelähnlichen Wörter der deutschen Sprache eingehend, umfassend und auf der Grundlage von authentischen Beispielen beschrieben würden. Diese Lücke zu schließen, soll die Aufgabe dieses deutsch-französischen Wörterbuchs sein.
Anders, Christina Ada
Wahrnehmungsdialektologie
Verlag: De Gruyter
Wie nehmen Laien regionale Sprechweisen wahr? Diese Frage wird innerhalb der Dialektologie des Deutschen derzeit häufiger gestellt, ohne dass bisher eine befriedigende Antwort verzeichnet werden konnte. Im Rahmen einer empirischen Pilotstudie in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Südbrandenburg untersucht die vorliegende Studie am Beispiel des Obersächsischen, wie die Strukturen des sprachbezogenen Alltagswissens überhaupt beobachtbar und beschreibbar sind, in welchen Parametern dieses Wissen organisiert ist und welche Rolle außersprachliche Faktoren bei der Wahrnehmung von Dialekten spielen.
Herausgeber : Suerbaum, Almut; Gragnolati, Manuele
Aspects of the Performative in Medieval Culture
Verlag: De Gruyter
The volume assesses performative structures within a variety of medieval forms of textuality, from vernacular literature to records of parliamentary proceedings, from prayer books to musical composition. Three issues are central to the volume: the role of ritual speech acts; the way in which authorship can be seen as created within medieval texts rather than as a given category; finally, phenomena of voice, created and situated between citation and repetition, especially in forms which appropriate and transform literary tradition. The volume encompasses articles by historians and musicologists as well as literary scholars.
Herausgeber : Dangel-Pelloquin, Elsbeth; Pfotenhauer, Helmut; Schmitz-Emans, Monika; Simon, Ralf
Jahrbuch der Jean-Paul-Gesellschaft (2010)
Verlag: De Gruyter
Das Jahrbuch präsentiert Beiträge zu Jean Paul und seinem Werk sowie Aufsätze zur Literatur, den Künsten, der Kultur und Ästhetik seiner Zeit. In regelmäßigen Abständen werden Leseproben aus bisher unveröffentlichten Texten des Nachlasses mitgeteilt und Berichte über den Fortgang der historisch-kritischen Edition gegeben.
Herausgeber : Burkhardt, Armin; Nerlich, Brigitte
Tropical Truth(s)
Verlag: De Gruyter
Die 18 Beiträge des Bandes beschäftigen sich mit verschiedenen Tropen wie Metapher, Metonymie, Synekdoche, Ironie, Euphemismus, Antonomasie und Hyperbel und versuchen, aus ihrer jeweiligen fachlichen bzw. paradigmatischen Perspektive eine Antwort auf die erkenntnistheoretisch sehr entscheidenden Fragen zu geben, ob und in wie weit Tropen enthaltende Äußerungen überhaupt Anspruch darauf erheben können, wahr oder falsch zu sein.
Herausgeber : Burdorf, Dieter
Edition und Interpretation moderner Lyrik seit Hölderlin
Verlag: De Gruyter
Die Beiträge dieses Bandes, die von Editionsspezialisten und Lyrikexperten verfasst sind, untersuchen die lyrischen Werke Friedrich Hölderlins, Stefan Georges, Rudolf Borchardts, Rainer Maria Rilkes, Georg Trakls, Gottfried Benns, Bertolt Brechts, Paul Celans und Ernst Jandls sowie Editionen dieser Werke. Dabei werden neue Maßstäbe für die Edition moderner Lyrik in historisch-kritischen Ausgaben, aber auch in Studien- und Leseausgaben erarbeitet und erprobt. Es wird danach gefragt, welches Bild vom Leser oder Benutzer in den Lyrikeditionen enthalten ist und welche Konsequenzen die verschiedenen Editionsweisen für die Interpretation moderner Lyrik haben.
Weinreich, Cornelia
Das Textsortenspektrum im fachinternen Wissenstransfer
Verlag: De Gruyter
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Entwicklung des Textsortenspektrums von medizinischen Fachzeitschriften, um Aussagen zur Wissenschaftskultur und zum fachinternen Wissenstransfer treffen zu können. Welche Veränderungen konnten bei drei medizinischen Fachzeitschriften über einen Zeitraum von 30 Jahren festgestellt werden und welche Auswirkungen haben diese Veränderungen auf die Wissenschaftskultur? Die empirische Auswertung gibt interessante Entwicklungen preis.
Model, Benedikt A.
Syntagmatik im zweisprachigen Wörterbuch
Verlag: De Gruyter
Zweisprachige Wörterbücher sind ein wichtiges Hilfsmittel beim Fremdsprachenerwerb und bei der zwischensprachlichen Kommunikation. Man braucht jedoch beim Reden und Schreiben nicht einzelne Wörter, sondern man muss ganze Sätze formulieren können. Der Begriff der Syntagmatik fasst all das zusammen, was sich um ein Wort herum im Satz ansiedelt. Die Monographie Syntagmatik im zweisprachigen Wörterbuch geht der Frage nach, was man über ein Wort wissen muss, um es korrekt in einem Satz verwenden zu können, und wie ein Wörterbuch aufgebaut sein muss, um diese Informationen zu vermitteln.
Stauss, Sebastian
Zwischen Narzissmus und Selbsthass
Verlag: De Gruyter
Künstlerdramen und -romane sind keineswegs nur Ausdruck ungebremster Kreativität, sondern sie gewähren vor allem Aufschluss über künstlerische Selbstzweifel. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden ästhetische überlegungen dazu immer stärker mit psychologischen verwoben. Den gemeinhin bekannten „Narzissten" wie Oscar Wilde oder Andrè Gide stehen Dramatiker und Opernkomponisten wie J. M. Barrie oder Franz Schreker gegenüber, die Künstlerleben zwischen Selbsthass und -zerstörung auf die Bühne bringen.
Herausgeber : Deutsches Historisches Institut in Rom
Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken (2009)
Verlag: De Gruyter
Die historische Fachzeitschrift »Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken« (QFIAB) erscheint seit 1898 und wird vom Deutschen Historischen Institut (DHI) in Rom herausgegeben. Die Artikel und Miszellen (mit Inhaltszusammenfassungen auf Deutsch bzw. Italienisch) behandeln Themen zu den Beziehungen zwischen Deutschland und Italien und zur italienischen Geschichte vom Frühmittelalter bis zur Zeitgeschichte. QFIAB enthält weiter den Jahresbericht des Direktors und Berichte zu Tagungen des Instituts und schließt mit einem großen Rezensionsteil (Anzeigen und Besprechungen) mit folgenden Unterteilungen: Allgemeines; Festschriften, Aufsatzsammlungen, Kongreßakten; Historische Hilfswissenschaften; Rechtsgeschichte; Mittelalter; Frühe Neuzeit; 19. Jahrhundert; Zeitgeschichte; Italienische Landesgeschichte (Nord-, Mittel- und Süditalien). Die Artikel und Besprechungen werden in der Regel auf Deutsch oder Italienisch publiziert.
Blume, Herbert
Hermann Bote
Verlag: Verlag für Regionalgeschichte
Der Braunschweiger Stadtschreiber Hermann Bote (ca. 1450-1520) gilt heute als der namhafteste Autor in der hansestädtischen Welt Norddeutschlands seiner Zeit. Das Spektrum seiner Werke ist vielfältig: Zwei Weltchroniken, das Schichtbuch – eine Schilderung der Braunschweiger Bürgerunruhen 1292-1514 –, satirisch-polemische Lieder und das Radbuch, das von der Ordnung der gesellschaftlichen Stände handelt. Weiter eine Lebensweisheiten-Sammlung (der Köker) und das Zollbuch der Stadt Braunschweig, nicht zuletzt aber die niederdeutsche Grundform des Eulenspiegelbuchs, als deren Autor Bote inzwischen mit größter Wahrscheinlichkeit angesehen werden darf. Dieses Buch führt in Leben und Werk umfassend ein, auch anhand ausgiebiger Textproben in den Sprachformen der Zeit mit Übersetzungen. Die fünfzehn Kapitel bieten einen facettenreichen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand der germanistischen Bote-Forschung sowie erstmals veröffentlichte Forschungsergebnisse des Verfassers.
Herausgeber : Eke, Norbert Otto; Schuster, Kurt G; Tiggesbäumker, Günter
Hoffmann von Fallersleben
Verlag: Verlag für Regionalgeschichte
Schloß Corvey bei Höxter war die letzte Station im Leben des Dichters und Gelehrten August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Von 1860 bis zu seinem Tode 1874 lebte und arbeitete er dort als Bibliothekar des Herzogs von Ratibor. An diesem Ort trafen sich im Mai 2008 Wissenschaftler aus Polen, den Niederlanden und Deutschland zum dritten Symposion über Hoffmanns Leben und Werk. Die Wahl der Tagungsorte – Fallersleben 1998, Breslau 2003, Corvey 2008 – spiegelt nicht nur den Lebenslauf des Mannes, sondern auch die Stätten, an denen sich die Erforschung der vielfältigen Aspekte seines Wirkens heute konzentriert.Das vorliegende Buch enthält achtzehn Beiträge, die zu dieser Tagung entstanden sind. Untersuchungen zu Hoffmanns biographischem Umfeld beleuchten seine wirtschaftliche Lage und die literarische Verarbeitung persönlicher und räumlicher Erfahrungen. Die Diskussion über seine Bedeutung für die von ihm mitbegründete neue Wissenschaft der Germanistik wird fortgeführt und auf die Musikwissenschaft ausgedehnt. Die Rezeptionsgeschichte seines Werks überschreitet räumlich im Osten und Westen die deutschen Grenzen und zeitlich die Festlegung auf den Vormärz als Rahmen seiner politischen Wirkung.
Caroline Lodemann
Regie als Autorschaft
Verlag: V&R unipress
Allen literaturwissenschaftlichen Debatten zum Trotz: Der Autor und sein Name leiten das Werkverständnis nach wie vor – umso mehr dort, wo von intertextuellen Verfahren Gebrauch gemacht und eine zunehmende Ablösung von Schrift und Material proklamiert wird. In diesem Spannungsfeld von Text und Notation hier und performativem Ereignis dort stehen theatrale Aufführungen und mit ihnen Verfasser und Regisseur. Dieser Band untersucht am Beispiel von Christoph Schlingensiefs »Parsifal« an den Bayreuther Festspielen 2005 die Beziehungen von Text und Inszenierung in der Aufführung im Hinblick auf Zuschreibung und Markierung von Autorschaft. Mit Genettes Begriff des Paratextes und seinen Implikationen wird gezeigt, wie aus Richard Wagners Bühnenweihfestspiel in der Inszenierung von Schlingensief schließlich »Schlingensiefs Parsifal« wurde und wie eine Aufführung als Überlagerung zweier Schichten vorgeführt wird. Beides gemeinsam führt zu der Schlussfolgerung, dass sich die mehrstufige Entstehung einer Aufführung in der Auffächerung ihrer Autorschaft spiegelt.
Herausgeber : Wiegand, Herbert Ernst; Beißwenger, Michael; Gouws, Rufus H.; Kammerer, Matthias; Storrer, Angelika; Wolski, Werner
Wörterbuch zur Lexikographie und Wörterbuchforschung. Band 1: A - C
Verlag: De Gruyter
Das vierbändige Wörterbuch versammelt erstmals die Fachtermini der Wörterbuchforschung in ca. 5.600 Stichwörtern, 7.200 Verweisstichwörtern und 50.000 Stichwortäquivalenten in neun Sprachen und bildet so das Fundament einer zukünftigen Lexikographie. Es wendet sich an Wissenschaftler, Studenten und übersetzer und dient der Lektüre sowie dem Verfassen und übersetzen von Fachtexten. Neben einer deutsch- und englischsprachigen Einführung in das Fach bietet es zweisprachige Definitionen und Umtexte sowie mehrsprachige übersetzungen der Stichwörter.
De Angelis, Simone
Anthropologien
Verlag: De Gruyter
Die anthropologische Wissensformation der Frühen Neuzeit entstand aus dem Interagieren der Disziplinen Psychologie, Anatomie, Physiologie und Naturrecht, die von der Renaissance bis in die Spätaufklärung einen fundamentalen Begründungsdiskurs über den Menschen konstituierten. Dabei veränderte sich das Selbstverständnis des „natürlichen" Menschen: Es basierte nun auf der Einsicht in den Zusammenhang zwischen seiner biophysischen und seiner mentalen Struktur, aus der die Einbildungskraft und das Gedächtnis resultieren und die ihn zu moralischem Handeln und zur Produktion von „Kultur" befähigt.
Elsaghe, Yahya
Krankheit und Matriarchat
Verlag: De Gruyter
Die Studie widmet sich dem letzten vollendeten Werk Thomas Manns und versucht, seine bisherige Vernachlässigung durch die Forschung u. a. rezeptionsästhetisch zu begreifen. Untersucht wird die Stellung des Textes innerhalb des Gesamtwerks sowie sein intrikates Verhältnis zu den sehr verschiedenen Kontexten, in denen er erst verständlich wird: Literatur- und mentalitätsgeschichtliche, mythologische und philosophische, medizin- und wissenschaftshistorische, politische und ideologiekritische Aspekte eröffnen einen Blick auf oft unterschätzte Bewegungen und Veränderungen, aber auch auf bislang unbemerkte Konstanten des Gesamtwerks.
Beuerle, Angela
Sprachdenken im Mittelalter
Verlag: De Gruyter
Im Zentrum des Bandes stehen die um 1270 in Paris entstandenen lateinischen Traktate der Dänen Martinus und Boethius de Dacia zur sog. „modistischen Grammatik". Die Konturen dieser „mittelalterlichen Linguistik" werden deutlich in einer komparatistischen Gegenüberstellung mit zwei weiteren sprachtheoretischen Ansätzen: vier Traktaten mittelalterlicher isländischer Grammatiker und Ferdinand de Saussures „Cours de linguistique gènèrale" als einem Grundlagenwerk der modernen Linguistik. Dies mündet in eine grundlegende wissenschaftstheoretische Reflexion einer möglichen Typologie sprachwissenschaftlicher Theoriegebäude.
Herausgeber : Classen, Albrecht
Paracelsus im Kontext der Wissenschaften seiner Zeit
Verlag: De Gruyter
Der zweite Band der „Theophrastus Paracelsus Studien" versammelt die Beiträge internationaler Wissenschaftler aus verschiedenen Fachdisziplinen. Beleuchtet werden die kulturhistorischen und mentalitätsgeschichtlichen Gegebenheiten, die für die Arbeit von Paracelsus von Bedeutung waren, sein umfangreiches Wirken in Religion, Medizin und Alchemie sowie sein Einfluss auf zeitgenössische Entwicklungen in Medizin, Naturheilkunde und Bioethik. Zudem behandeln die Autoren sozialpolitische und ideengeschichtliche Aspekte, die die zentrale Bedeutung von Paracelsus stärker als bisher in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken.
Böhm, Manuela
Sprachenwechsel
Verlag: De Gruyter
Die Studie behandelt die sprachliche Akkulturation der Hugenotten, die als französische Protestanten am Ende des 17. Jahrhunderts auch in Brandenburg Zuflucht fanden. Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion der sprachlichen Integration dieser Migranten, die im Laufe der Zeit ihre französische Sprache aufgaben und zur deutschen Sprache übergingen. Die Analyse der sprachlichen Situation in drei verschiedenen Hugenottenkolonien zeigt, wie die Sprachwechselprozesse, je nach Ort und Kontext, einen sehr unterschiedlichen Verlauf nahmen.
Herausgeber : Berbig, Roland
Fontane als Biograph
Verlag: De Gruyter
Biographisches durchzieht Fontanes vielgestaltige literarische Arbeit wie ein roter Faden. Diesem wird in der Publikation, an der sich international renommierte Fontane-Forscher beteiligten, erstmals nachgegangen. Das Resultat ist erstaunlich: Bis jetzt eher vernachlässigte Werkteile erfahren erstmals eine gründlichere Untersuchung, und beinahe alle Beiträge erlauben Rückschlüsse auf das erzählerische Hauptwerk. Unter Einbeziehung der Biographieforschung und anderer Fachdisziplinen (Geschichts- oder Kunstwissenschaften) eröffnet sich ein neuer, produktiver Zugang zu Fontanes Gesamtwerk.
Herausgeber : Thouard, Denis; Vollhardt, Friedrich; Zini, Fosca
Philologie als Wissensmodell / La philologie comme modèle de savoir
Verlag: De Gruyter
Während die Philosophie noch bis Newton die wissenschaftlichen Bemühungen bezeichnet, wurde in der Frühen Neuzeit die Philologie sehr unterschiedlich verstanden: als universelles Wissen von sprachlich Vermitteltem, aber auch als technische Behandlung der schriftlichen Urkunden oder als Ansammlung von Wissensbeständen in Gestalt einer Enzyklopädie. Es wird in diesem Band versucht, diese verschiedenen Aspekte näher zu beleuchten. Um die Tragweite der Philologisierung der kulturellen Vergangenheit zu verstehen, sollte man sich zunächst für den intellektuellen Gestus interessieren, von dem die Philologie zeugt, wie die Entstehung der ,kritischen Tätigkeit´;.
Doms, Misia Sophia
Die Viel-Einheit des Seelenraums in der deutschsprachigen barocken Lyrik
Verlag: De Gruyter
Das christliche Dogma von der unteilbaren Einheit der Seele wird in der barocken Anthropologie durch vielfältige Hinweise auf eine Pluralität des Psychischen in Frage gestellt. Während dies in der philosophischen Begrifflichkeit zu logischen Widersprüchen führt, gelingt es der zeitgenössischen Metaphorik, das Psychische als ,mannigfaltige Einigkeit´; zu zeichnen. An den Seelenbildern barocker Lyrik untersucht die Studie die Varianten und besonderen Bedingungen dieser seelischen ,Viel-Einheit´;. Im Vordergrund stehen dabei Gedichte, in denen die Seele als Raum bzw. als klar raumbezogenes Gebilde entworfen wird.
Müller, Jan-Dirk
Mediävistische Kulturwissenschaft
Verlag: De Gruyter
Kulturwissenschaftlich interessierte Untersuchungen zu volkssprachigen literarischen Texten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, ihrem Entstehungs- und Wirkungskontext, ihren medialen Voraussetzungen, ihren Entwürfen kultureller Ordnungen und der Diskussion und Transformation sozialer Normen. Das Spektrum ist breit: Texte des 12. bis 16. Jahrhunderts (Heldenepik, Novellen, Geistliches Spiel, Narrensatire, Enzyklopädie). Ausgangspunkt und Ziel sind Verständnis des literarischen Textes als Reflexionsmedium kultureller Konfigurationen.
Gantet, Claire
Der Traum in der Frühen Neuzeit
Verlag: De Gruyter
Diese Studie untersucht jenes Wissen, auf das bei der Interpretation des Traumprozesses sowie bei der Deutung, Einordnung und Niederschrift von Träumen zurückgegriffen wurde. Sie beschäftigt sich darüber hinaus mit der Stellung des Wissens über den Traum in der Wissenschaft im alten Reich. Hierzu gehören im Rahmen einer kulturellen Wissenschaftsgeschichte konfessionelle Deutungen, medizinische Interpretationen und rhetorische Praktiken. Am Beispiel des Traumes lässt sich hinterfragen, wie sich kulturelle und wissenschaftliche Grundzüge mit Identitätsfragen verknüpfen konnten.
Faltings, Volkert F.
Etymologisches Wörterbuch der friesischen Adjektiva
Verlag: De Gruyter
Das Etymologische Wörterbuch der friesischen Adjektiva erfaßt das gesamte Inventar der alt- und neufriesischen Adjektiva in ihrem germanischen und indogermanischen Kontext. Ausgehend von einer germanischen Grundform werden für jedes Adjektiv die Lautgeschichte, Wortbildung und Bedeutungsentwicklung erörtert, wobei auch Lehneinflüsse der benachbarten Sprachen Niederdeutsch, Niederländisch und Dänisch zur Sprache kommen.
Kraume, Anne
Das Europa der Literatur
Verlag: De Gruyter
Europa? Das sei eine Erfindung der Dichter, sagt Heinrich Mann und verweist damit auf eine Beziehung, die seit Jahrhunderten Bestand hat: diejenige zwischen der europäischen Literatur und Europa als ihrem Thema. Imperium, Zivilisation, Vereinigte Staaten, Ordnungsmacht oder Friedensprojekt - vor allem im 19. und 20. Jahrhundert werden in literarischen Texten die unterschiedlichsten Vorstellungen von Europa formuliert und diskutiert. Aus ihrer exemplarischen Analyse des Werkes von neun Schriftstellern entwickelt die Studie ein Verständnis von der besonderen Beziehung zwischen der Literatur und Europa.
Herausgeber : Bredel, Ursula; Müller, Astrid; Hinney, Gabriele
Schriftsystem und Schrifterwerb: linguistisch – didaktisch – empirisch
Verlag: De Gruyter
Der Sammelband führt sprachwissenschaftliche und sprachdidaktische Befunde zu Struktur und Erwerb des deutschen Schriftsystems zusammen. Auf der Grundlage aktueller Forschungen zur deutschen Schriftsprache wird gezeigt, dass sich ihre Strukturen im Kernbereich systematisch beschreiben lassen. Es wird erörtert, wie sich diese Einsichten für didaktische Konzeptionen zum Schriftspracherwerb nutzen lassen. Konkrete Beispiele aus dem Deutschunterricht verdeutlichen Aneignungsprobleme und erörtern lernwirksame Maßnahmen auf der Grundlage des entdeckenden Lernens.
Tiefenbach, Heinrich
Altsächsisches Handwörterbuch / A Concise Old Saxon Dictionary
Verlag: De Gruyter
Der Wortschatz aus den Anfängen der niederdeutschen Sprache, der Periode des Altsächsischen, ist bisher nicht in einem modernen Lexikon erfasst. Das vorliegende Wörterbuch bietet ihn vollständig, grammatisch erschlossen, mit Stellennachweisen und mit Bedeutungsangaben in deutscher und englischer Sprache. Die handschriftlichen Quellen sind mit Bibliotheksort und Editionen nachgewiesen. Ein rückläufig geordnetes Stichwörterverzeichnis und ein Index der lateinischen Vorlagewörter runden das Werk ab.
Hirt, Katherine
When Machines Play Chopin
Verlag: De Gruyter
WhenMachines Play Chopin brings together music aesthetics, performance practices, and the history of automated musical instruments in nineteenth-century German literature. Philosophers defined music as a direct expression of human emotion while soloists competed with one another to display machine-like technical perfection at their instruments. WhenMachines Play Chopin looks at this paradox between thinking about and practicing music to show what three literary works say about automation and the sublime in art.
Herausgeber : Henn, Marianne
Gesellschaftsdramen, Künstlerdramen, Lustspiele und Einakter
Verlag: De Gruyter
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) war nicht nur Erzählerin, sondern auch Dramatikerin und verfasste zeit ihres Lebens Bühnenstücke. Mit diesem Band liegt erstmals - nach den bereits in dieser Reihe erschienenen historischen Tragödien - das gesamte dramatische Werk der Autorin vor. Ebner-Eschenbach verfasste Gesellschafts- und Künstlerdramen, Lustspiele, Einakter und experimentierte mit Gattungen wie der dialogisierten Novelle. Die thematische Vielfalt ihrer Dramen bietet einen lebhaften Einblick in die zeitgenössische Gesellschaft.
Herausgeber : Barkhoff, Jürgen; Heffernan, Valerie
Schweiz schreiben
Verlag: De Gruyter
Unter dem Stichwort „Mythos Schweiz“ diskutiert dieser Band die prominente Rolle insbesondere der Deutschschweizer Literatur für Identitätsbildungsprozesse und ihre kritische Reflexion in der Schweiz im 20. Jahrhundert. Er versammelt die Beiträge einer Dubliner Tagung aus dem Jahre 2006, die namhafte Schweizer Germanisten und Fachkollegen aus Irland, Großbritannien, Kanada, den USA und Deutschland zusammenbrachte. Besonders seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Schweizer Literatur im kulturell-gesellschaftlichen Ensemble der Diskurse ein zentrales Medium für die Fort- und Umschreibungen etablierter Schweiz-Mythen wie etwa ‚Sonderfall‘, ‚Eidgenossenschaft‘, ‚Neutralität‘, ‚Alpen‘, ‚Multikulturalität‘ oder ‚literarischer Gegendiskurs‘. Diese und andere Mythen analysiert der Band unter Schwerpunktthemen wie: das Konzept „Schweizer Literatur“ im Zeichen von Globalisierung und Multikulturalität; das Verhältnis zwischen den Sprachen und Kulturen in der Schweiz und zum größeren deutschsprachigen Kulturraum; das Verhältnis von Geschichte, Landschaft und Identität; die Spannung zwischen Regionalem und Globalem, Schweizspezifik und Internationalismus; die unterschiedlichen Generationenprofile innerhalb der schweizerischen Autoren.
Herausgeber : Daiber, Jürgen; Grunewald, Eckhard; Och, Gunnar; Regener, Ursula
Aurora (2008/2009)
Verlag: De Gruyter
Aurora, das Jahrbuch der Eichendorff-Gesellschaft erschien als Fortsetzung des Almanachs Aurora (1929-1943) nach dem Kriege erstmals wieder 1953. Seitdem ist das Jahrbuch durch eine zunehmende Öffnung gegenüber dem kulturgeschichtlichen Umfeld von Eichendorffs Leben und Werk und seinen umfangreichen Rezensionsteil zu einem der führenden Publikationsorte und Referateorgane zur klassisch-romantischen Zeit geworden. In jedem Jahrgang findet sich zudem eine Jahresbibliographie zu Eichendorff. Die Aurora wird seit 2002 bei Max Niemeyer verlegt (früher bei Thorbecke). Zeitgleich mit diesem verlegerischen Neubeginn zeichnen durch einen Generationswechsel im Vorstand der Eichendorff-Gesellschaft neue Herausgeber für das Jahrbuch verantwortlich. Publikationssprache ist Deutsch.
Herausgeber : Glei, Reinhold F.; Kaminski, Nicola; Lebsanft, Franz
Boethius Christianus?
Verlag: de Gruyter
In 15 Beiträgen unterschiedlicher Fachrichtungen, die von internationalen Experten verfasst wurden, wird der Frage nachgegangen, wie die Consolatio Philosophiae des Boethius (ca. 480-524 n.Chr.) im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit durch verschiedene Übersetzungen und Kommentare tradiert und dabei transformiert worden ist. Im Vordergrund steht die christliche Interpretation des Werkes im Mittelalter, ihre Rückführung auf die Antike in der Renaissance und ihre Instrumentalisierung im konfessionellen Zeitalter.
Wieland, Christoph Martin
Herausgeber : Manger, Klaus; Reemtsma, Jan Philipp
Wieland, Christoph Martin: Werke. Bd.10.1: Text
Verlag: de Gruyter
Christoph Martin Wieland (1733-1813) zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des Rokoko und der Aufklärung; er gilt als Begründer des Bildungsromans sowie als Wegbereiter der Weimarer Klassik und hat sich insbesondere als Herausgeber und übersetzer verdient gemacht. Die Edition seines umfangreichen Gesamtwerkes, das zum ersten Mal vollständig veröffentlicht wird, stellt ein längst überfälliges und literarhistorisch überaus bedeutsames Unternehmen dar: Die 36 Bände werden nicht nur seine poetischen Werke, sondern auch Wielands maßgebende übersetzungen (darunter Shakespeare und Cicero) in chronologischer Reihenfolge präsentieren, wobei jeder Textband durch einen Kommentarband ergänzt wird. Die Edition wird Wissenschaftlern wie interessierten Laien künftig als hochwertig ausgestattete Standardausgabe zur Verfügung stehen. Künftig maßgebliche Edition aller Werke Christoph Martin Wielands Erstmals integrierte Darbietung der Werke und übersetzungen Wielands in chronologischer Folge Umfassende Kommentierung und kulturhistorische Erläuterung aller Werke.
Saße, Günter
Auswandern in die Moderne
Verlag: de Gruyter
An zwei großen Werken hat Goethe jahrzehntelang gearbeitet: am Faust II und an Wilhelm Meisters Wanderjahren. In ihnen thematisiert er den Beginn des 19. Jahrhunderts als Epocheneinschnitt, der das Ende jahrhundertealter Traditionen und den Anbruch der Moderne markiert. Insbesondere Goethes Altersroman zeigt dabei, wie sich das ,Neue´; als durchgängige Utilitarisierung aller Wirklichkeitsbereiche manifestiert. Die vorliegende Studie deutet die Wanderjahre als Reflexionsmedium, das Wissensbestände der Gegenwart und Vergangenheit integriert, um sie im Handeln und Erleben der Protagonisten dem ,anschauenden´ Verstehen zu präsentieren.
Herausgeber : Hundt, Markus; Lasch, Alexander; Anders, Christina Ada
Perceptual Dialectology
Verlag: de Gruyter
Die perceptual dialectology befasst sich mit subjektiven, laienlinguistischen „naiven" Sichtweisen auf deutschsprachige Dialekte sowie mit der Rolle, die sie im alltäglichen sozialen Umgang spielen. Was denken linguistische Laien über Dialekte und deren Sprecher? Welche kognitiven Landkarten haben sie von diesen Dialekten? Welche Einstellungen haben sie zu den Dialekten und deren Sprechern? Welche assoziierten und perzipierten Dialektmerkmale sind im Bewusstsein linguistischer Laien vorzufinden? Der Band stellt die derzeit innovativsten Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet vor.
Herausgeber : Nünning, Vera; Nünning, Ansgar
Cultural Ways of Worldmaking
Verlag: de Gruyter
Taking as its point of departure Nelson Goodman´s theory of symbol systems as delineated in his seminal book "Ways of Worldmaking", this volume gauges the possibilities and perspectives offered by the worldmaking approach as a model for the study of culture. The volume serves to demonstrate how specific media and narratives affect the worlds that are created, and shows how these worlds are established as socially relevant. It also illustrates the extent to which ways of worldmaking are imbued with cultural values, and thus inevitably implicated in power relations.
Herausgeber : Mix, York-Gothart; Strobel, Jochen
Der Europäer August Wilhelm Schlegel
Verlag: de Gruyter
Unter den bedeutenden Autoren der Romantik ist August Wilhelm Schlegel trotz seines Einflusses einer der am wenigsten erforschten, obwohl er immer wieder als Zentralgestalt der Vermittlung zwischen den Kulturen Europas gesehen wurde. Er gilt als der wichtigste Übersetzer (Shakespeare u.a.) unter den Romantikern und hat mit seinen Vorlesungen auch die Romantiker in anderen europäischen Ländern und den USA beeinflusst. Anhand des Oeuvres, der weit verzweigten Korrespondenz und der einschlägigen Rezeptionszeugnisse analysiert der Band seine Bedeutung als europäischer Kulturvermittler zwischen Orient und Okzident.
Herausgeber : Pape, Walter
Raumkonfigurationen in der Romantik
Verlag: de Gruyter
Um 1800 werden die ,Räume des Inneren´;, werden geistige und psychische Prozesse, Zustände oder Beziehungen, die sich unmittelbarer Anschauung entziehen, neu symbolisiert und erzählt. Der Fokus dieses Bandes liegt auf den erzählten ,realen´; Räumen der Romantik, es geht dabei um die kulturelle Kodierung von Häusern und Zimmern, Schlössern und Türmen, aber auch von offenen Räumen: der Weite des Meeres, Flusslandschaften und fernen Ländern. Die Analysen tragen im Rahmen des gegenwärtig proklamierten spatial oder topographical turn zu einer neuen Vermessung eines sowohl erzähl- und darstellungstechnisch als auch kulturanthropologisch zentralen Komplexes bei.
Reiling, Jesko
Die Genese der idealen Gesellschaft
Verlag: de Gruyter
Mit dieser Arbeit wird erstmals das literarische und literaturtheoretische Werk von Johann Jakob Bodmer (1698-1783) umfassend analysiert. So kann ein neues Profil des Meinungsführers der Zürcher Aufklärung entworfen werden, das die negativen Urteile der Literaturgeschichte revidiert. In biblischen Epen, politischen Dramen und Kinderschauspielen entwarf Bodmer Gesellschaftsmodelle, die auf Idealen wie Freundschaft und Menschenliebe beruhen. Viel radikaler als seine dichtenden Zeitgenossen erklärte er diese zur politischen Basis einer jeden Gesellschaft.
Herausgeber : Dietzsch, Steffen; Ludwig, Ariane
Achim von Arnim und sein Kreis
Verlag: de Gruyter
Dieser Band fasst nach einem ersten Jahrzehnt neuer historisch-kritischer Editionsarbeiten an der Weimarer Arnim-Ausgabe (WAA) die dabei erreichten philologischen, literarischen, philosophischen und komparatistischen Konstellationen zusammen. Es entsteht ein neues Bild von einem der ,originellsten Köpfe der romantischen Schule' (Heinrich Heine) und seines viel nachhaltigeren Einflusses auf Zeitgenossen wie Nachgeborene als bisher gedacht.
Herausgeber : Gordón Peral, María Dolores
Toponimia de España
Verlag: de Gruyter
Systematische Übersicht durch anerkannte Fachvertreter über den aktuellen Stand und Desiderata der Ortsnamenforschung der verschiedenen Regionen Spaniens. Durch die gleichberechtigte Integration der zweisprachigen Autonomen Regionen Galicien, Asturien, Baskenland und Navarra, Katalonien, Valencia und Balearen ist dieses Vademekum nicht nur für Romanisten und Baskologen sondern ebenso für Spezialisten anderer Disziplinen wie Kartographen, Geographen, Historiker, Archäologen usw. von großem Interesse.
Herausgeber : Hasebrink, Burkhard; Schiewer, Hans-Jochen; Palmer, Nigel F.
Paradisus anime intelligentis
Verlag: de Gruyter
Paradisus anime intelligentis ist der lateinische Name einer der bedeutendsten deutschen Predigtsammlungen des Spätmittelalters, die ungefähr zur Hälfte Predigten Meister Eckharts enthält. Die Studien widmen sich dem theologischen Programm, den Handschriften, der Überlieferung und der Bearbeitung sowie ausgewählten Einzeltexten. Abgerundet wird der Band durch die Untersuchung einer benachbarten Sammlung, der Kölner Klosterpredigten.
Herausgeber : Cano González, Ana María; Germain, Jean; Kremer, Dieter
Bibliographie des sources historiques
Verlag: de Gruyter
Das Dictionnaire de l´anthroponymie romane (PatRom) ist ein auf 6 Bände (mit Teilbänden) angelegtes, genetisches Personennamenbuch. Die Bibliographie des sources historiques stellt zusammen mit dem Cahier des Normes rèdactionelles und der Sekundärliteratur (Band I,1) die Basis und den Kern des Wörterbuchs PatRomdar. Sie verzeichnet die mittelalterlichen demographischen Quellen (Urkunden oder Namenslisten), deren Auswertung Grundlage eines jeden Artikels des PatRom ist. Verschiedene Indizes der Siglen und Abkürzungen erleichtern darüber hinaus den Zugang zur historischen Dokumentation.
Herausgeber : Hentschel, Uwe
Garlieb Helwig Merkel
Verlag: Bernstein-Verlag
Garlieb Helwig Merkel (1769-1850) gilt als Bgeründer des modernen Feuilletons im deutschsprachigen Raum. In seinen 'Skizzen' und 'Darstellungen und Charakteristiken' zeichnet der kritische Aufklärer ein plastisches Bild von den literarischen Verhältnissen zwischen 1796 und 1806.Unter Kennern der Literatur des 18. Jahrhunderts ist er längst ein Geheimtipp: Der livländische Autor Garlieb Helwig Merkel. Er gilt als (Mit-)Begründer des modernen Feuilletons im deutschsprachigen Raum.Ob seiner spitzen Feder wurde er gehasst und gesucht. Er war ein Aufklärer par excellence – ambitioniert, unabhängig und wissensdurstig. Sein Ziel war eine aufgeklärte Öffentlichkeit. Werke, die hierzu keinen Beitrag leisteten, verfielen der Kritik. Klassiker und Romantiker sahen sich von ihm attackiert.Deren ästhetische Maßgaben waren nicht die seinen – doch ihre setzten sich durch. Merkel fiel in Ungnade. Verrufen als bornierter Kunstverächter verschwand er im Schattenreich der Literaturgeschichte – nahezu bis heute.Sowohl die 'Skizzen' als auch die 'Darstellungen und Charakteristiken' geben einen Einblick in die literarischen Verhältnisse zwischen 1796 und 1806. In diesen auch politisch bewegten Jahren an der Epochenwende kam Merkel nach Deutschland. Er besuchte mit Leipzig, Jena, Weimar und Berlin die Zentralstätten des literarischen Lebens in jener Zeit und wurde mit ihren Größen bekannt. Als freier Autor und Herausgeber mehrerer Zeitschriften, wie den 'Briefen an ein Frauenzimmer' und dem 'Freimüthigen', erhob er wirkungsmächtig seine Stimme. Von seinen Kontakten und seinem Wirken erzählt Merkel in seinen Texten. Entstanden sind vor allem literarische Porträts, welche durch ihren kulturhistorischen Aussagewert und durch große Anschaulichkeit bestechen. Die vorliegende Dokumentation erweitert unser Wissen über die Literatur an der Epochenwende und hält zudem ein besonderes Lesevergnügen bereit.
Kroucheva, Katerina
"Goethereif!" Die bulgarischen Faust-Übersetzungen
Verlag: Harrassowitz, O
Deutsch
Glücklich, Hans Joachim
Herausgeber : Mitwirkung (sonst.): Hirt, Annette
Compendium zur lateinischen Metrik
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Die kurz gefasste lateinische Metrik für den Unterricht Rhythmus und Klang zu erfassen trägt wesentlich zum Verstehen und zum Genießen lateinischer Texte bei. Das "Compendium zur lateinischen Metrik" vermittelt in klarer, unterrichtstauglicher Darstellung alle wichtigen Aspekte. Rhythmus und Klang zu erfassen trägt wesentlich zum Verstehen und zum Genießen lateinischer Texte bei. Das "Compendium zur lateinischen Metrik" vermittelt in klarer, unterrichtstauglicher Darstellung alle wichtigen Aspekte. Es behandelt Rhythmus, Klang, Vers- und Strophengestaltung unter der generellen Fragestellung, wie lateinische Texte gelesen werden sollen. Alle wichtigen Versmaße sind mit Beispielen besprochen. Die Schulautoren sind von Catull, Ovid, Vergil und Horaz bis hin zu Properz, Plautus, Terenz und Seneca tragicus berücksichtigt. Übungen zur Aussprache und zur metrischen Analyse gibt es ebenso wie Anleitungen zum Lernen der wichtigsten Versmaße. Besonderer Wert wird auf Vorschläge gelegt, die von der Analyse oder vom erlernten Versschema zu aktivem Sprechen und inhaltsgerechtem Lesen führen. Das "Compendium zur lateinischen Metrik" ist ein wichtiger Begleiter jeder Lektüre. Inhalt Beiträger Prof. Dr. phil. Hans-Joachim Glücklich ist Altphilologe an einem Mainzer Gymnasium und an der Universität Heidelberg.
Herausgeber : Herberichs/Reichlin
Kein Zufall
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Kontingenz – so wird immer wieder konstatiert – wird erst in der Frühen Neuzeit »entdeckt«. Davor wurden alle noch so unerklärlichen Begebenheiten als Ausdruck einer höheren, gottgewollten Ordnung gedeutet. Der Sammelband nimmt dieses Postulat zum Anlass, um die Vielfalt mittelalterlicher Kontingenzkonzeptionen in literarischen Texten auszuleuchten. Anhand von exemplarischen Analysen von Legenden, Antiken- und höfischen Romanen sowie Mären, Lyrik und Romanen der Frühen Neuzeit wird sowohl nach gattungsspezifischen Kontingenzkonzeptionen als auch nach literarhistorischen Verschiebungen und Umbesetzungen gefragt.
Hirt, Annette
Lateinische Literatur - Schlag nach
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Schnelles Nachschlagewerk für Lateinschüler in der Lektürephase; sie finden elementare Informationen zu Autoren, Werken und Gattungen.Von »A« wie Aeneis bis »V« wie Vergil bietet das Buch Basisinformationen. Berücksichtigt ist alles, was im schulischen Lateinunterricht relevant ist, etwa die Autoren Caesar, Cicero, Sallust, Tacitus, Ovid, Catull, Vergil und ihre Werke, aber auch wichtige Gattungen, wie Epos, Fabel, Komödie, Brief u.v.m.
Herausgeber : Kühlmann, Wilhelm; Eickmeyer, Jost; Leybrandt, Hanna
Fäden im Labyrinth
Verlag: Manutius
Mit Kennerschaft und unbestechlicher literarischer Urteilskraft nahm sich der Heidelberger Germanist Wilhelm Kühlmann über knapp zwanzig Jahre hinweg belletristischer Neuerscheinungen im Feuilleton an. Ein großer Teil dieser Rezensionen, etwa zu Adolfo Bioy Casares, Gerd-Peter Eigner, Lars Gustafsson, Wolfgang Hilbig, Halldór Laxness, Doris Lessing, Primo Levi, Harry Mulisch, Cees Nooteboom, Sylvia Plath und vielen anderen, ist in diesem Band versammelt. Kühlmann wird Optimisten und Pessimisten, Anti- und Postmodernen, Tragikern und Komikern gerecht. Was er als Rezensent einmal lobend vermerkte, gilt auch für seine eigenen Texte, nämlich „daß der Leser sich am Ende nicht strapaziert oder ermüdet, sondern eher intellektuell angeregt fühlt“. Der Grund für diese Wirkung liegt in der seltenen Kombination zweier Eigenschaften Kühlmanns, die womöglich sowohl im akademischen Betrieb als auch im zeitgenössischen Feuilleton rar werden könnten: ungebrochene leidenschaftliche Leselust und kritische Unbeirrtheit, die sich bis in sprachlich- stilistische Feinheiten hinein nicht um politische Korrektheit oder Marktgängigkeit schert.
Kühlmann, Wilhelm
Grimmelshausen
Verlag: Manutius
Sechs Vorträge, hier in überarbeiteter, erweiterter, bibliographisch ergänzter und miteinander verknüpfter Fassung, zeichnen ein Gesamtbild des berühmten Barockschriftstellers Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (um 1622-1676) abseits aller Erbaulichkeit unter dem Gesichtpunkt seiner in die Zukunft weisenden Modernität. Überblicke und neue Detailforschungen verdichten sich so zu einem Porträt eines hintergründigen Autors, der oft wider den Strich gelesen wird, vor allem wider den manchmal erdrückenden Versuch der theologisch-moralischen Selbstkommentierung der erzählenden Figuren. Nicht mehr sollte übersehen werden, daß für den Amtmann und Bürgermeister in der Ortenau die epochentypischen Versuchungen der Alltagsmagie ebenso wie die durchaus nicht nur illegitimen Anfechtungen von List, Geld, Lust und Macht in den Mittelpunkt des Interesses rücken.
Herbst, Alban N
Kybernetischer Realismus
Verlag: Manutius
"Ich meine, daß derjenige, der ein grundlegendes Prinzip vorauseilend aufstellt, derjenige sein muß, der das Beispiel dafür liefert, schreibt Ezra Pound in A Stray Document, einer kleinen Anweisung für Dichter. In diesem seinem Sinn hat sich das, was ich im Folgenden als Grundzüge einer nach-postmodernen Literaturästhetik skizzieren möchte, aus den Entwicklungen meiner poetischen Arbeit entwickelt. Es soll aber nicht nur für sie Gültigkeit haben, sondern die Grundzüge einer allgemeinen nach-postmodernen Poetik skizzieren, wie ich sie für unabdingbar halte, wenn vor allem die Prosa-Dichtung nicht restlos den entertainenden Bach hinabgehn und Literatur eine Bedeutung wiedererringen soll, die sie in den letzten drei Jahrzehnten verspielt hat und die über den puren Zeitvertreib einer zunehmend geringeren Leserschaft oder die Bedürfnisse eines, gesellschaftspolitisch gesehen, Orchideenstudiums hinausgeht. Dabei geht es nicht um die kulturelle Leitfunktion, wohl aber um eine Leitfunktion zusammen mit den anderen Künsten und um Kunst statt Unterhaltung überhaupt.br> Mein Anspruch ist ein hybrider. Doch können Sie in Ihren Erwägungen meiner Argumente andere ästhetische Positionen mit einbeziehen und gegen die meinen auf- oder abwägen. Wahrheitsfindung wie Wahrheitsschaffung ersteht im Wechselspiel und wird um so produktiver, je ernster es die jeweiligen Positionen mit ihren Haltungen meinen. Deswegen kann ein solcher Größenwahn erkenntnisfördernd sein. Haltungen, die sich selber von vorneherein relativieren, führen in aller Regel nicht weiter, sondern schwächen die Kraft ihrer Argumente zugunsten derer des Gegners.
Ich spreche pathetisch, spreche von Dichtung, nicht von Schriftstellerei.
Kühlmann, Wilhelm
Montpellier und Heidelberg
Verlag: Manutius
Die seit dem Mittelalter aufblühende Universität Montpellier ist im Norden nicht nur durch die Tagebücher der Basler Ärztefamilie Platter bekannt geworden. Auch berühmte deutsche Dichterhumanisten, die später als Mediziner in Heidelberg wirkten, wählten im 16. Jahrhundert Montpellier als Studienort. Johannes Posthuis und Petrus Lotichius Secundus haben Eindrücke der südlichen Landschaft, ihre akademischen Abenteuer, ihre Kontakte mit Freunden und Lehrern, auch ihre Liebschaften in bewegenden lateinischen Gedichten verarbeitet, die in diesem Beitrag mit einer Übersetzung vorgelegt werden. Die aktuelle Partnerschaft der Universitäten Heidelberg und Montpellier spiegelt sich so im weiten literarischen Kulturraum der europäischen Renaissance.