Belletristik (81 Titel)
Veit, Georg
An den Enden der Treppe
Verlag: Waxmann
Juli 1821: Die 11-jährige Mittin wird in den Haushalt ihrer Tante, der kranken Seherin und Mystikerin Anna Katharina Emmerick, geschickt. Die Reise wird für das sensible, aufmerksame Mädchen zu einem traumatisierenden Erlebnis und in den ersten Wochen findet sie nicht aus ihren Ängsten - zumal sie von ihrer Tante ferngehalten wird. Als Mittin von heimlichen Plänen erfährt, ihre Tante fortzuschaffen, beginnt ihr Kampf um die kranke Seherin - und um sich selbst.Siebzig Jahre später gerät der Dichtervagabund Peer Hillgen auf die Spur der wirklichen Geschehnisse. Aber was ist wirklich?Ein fesselnder, sorgfältig recherchierter Roman, der den Leser ins Münsterland des frühen 19. Jahrhunderts und zur Wirklichkeit der Seherin und Mystikerin Anna Katharina Emmerick führt.Nach dem viel beachteten historischen Roman "Zeit der Krammetsvögel" und drei Kriminalromanen um den Privatfahnder Peter-Paul Pfühl legt Georg Veit hier seinen zweiten historischen Roman vor.
Meyer, Ursula
Endstation Aasee
Verlag: Waxmann
Der Tod eines Münsteraner Prominenten - Schulleiter, Musiker, Kunstsammler und Kommunalpolitiker - wirft für Sieglinde Züricher, soeben zur Münsteraner Polizei übergewechselt, zahlreiche Rätsel auf: Handelt es sich bei dem Mord an Rehberg um einen Racheakt, oder ist er die Folge eines familiären Dramas, dem auch sein Sohn Christian zum Opfer gefallen ist?
Peters, Otto
Meine Lehrer im "Dritten Reich"
Verlag: Waxmann
Otto Peters berichtet über seine Ausbildung an einem Lehrerseminar in Neustadt/Westpreußen zu einem nationalsozialistischen Lehrer und Erzieher. Anhand einer Reihe von Portraitskizzen zeichnet er ein lebendiges Bild der Personen, die den besonderen Charakter dieser Ausbildung bestimmten: die Lehrer, Mitschüler und Angestellten der "Lehrerbildungsanstalt". Der Autor gewährt teilweise beklemmende Einblicke in ein quasi-militärisches Internatsleben während der Kriegsjahre 1940-1944, in dem die Schüler der totalen Erziehung ausgesetzt und ideologisch ausgerichtet wurden.
Jenseits aller einschlägigen Klischees wird deutlich, was es bedeutete, konsequent im Sinne des Nationalsozialismus erzogen zu werden. Vor dem Hintergrund der Katastrophe des Untergangs wird gezeigt, wie sich bei dem damals Achtzehnjährigen ein Wandel vollzieht: Unter dem Eindruck, verführt, missbraucht und verraten worden zu sein, kehrt er vom Führerglauben ab und distanziert sich von den Ideen des Nationalsozialismus und seiner Terrorherrschaft.
Meyer, Ursula
Tod im Spieker
Verlag: Waxmann
Mord auf einer Hochzeitsfeier im Münsterland. Maja, die eigenwillige Schwester der Braut, wurde erdrosselt und ihre Leiche im alten Kornspeicher aufgehängt. Ihre Haare waren abgeschnitten und die Fußsohlen mit Asche gefärbt.Da keiner der Gäste den Bauernhof unbemerkt verlassen konnte, engt sich der Kreis der Verdächtigen bald ein. Doch jeder von ihnen könnte ein Motiv gehabt haben. Ist Majas einträchtiger Hexenzirkel in Wahrheit eine Schlangengrube? Ist der Mord die Folge eines sorgfältig vertuschten Falls von Kindesmissbrauch? Oder findet sich die Lösung in der jahrhundertealten Geschichte der Hofstätte? Ein neuer verzwickter Fall für Sieglinde Züricher, deren Ermittlungen sie diesmal bis nach Delft und Den Haag führen.
Gibitz, Ulrich
Und immer wieder Schule ...
Verlag: Waxmann
Alle Jahre wieder rücken unsere Schulen und die Bildungspolitik ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit und nachdem nun mehrere internationale Vergleichsstudien dem deutschen Bildungswesen große Mängel attestiert haben, häufen sich die Vorschläge und Aktionen zur Lösung der anstehenden Probleme: Wie muss das jetzige Schulsystem umgestaltet werden? Was ist guter Unterricht? Welche Lehrer braucht das Land? Wie lässt sich die Qualität von Schule messen und weiterentwickeln? Aber hinter all diesen Fragen steht die Grundfrage nach dem Sinn und Zweck von Schule und ihrer Stellung in unserer heutigen Welt.
Der Autor lädt den Leser auf eine Reise durch ein Lehrerleben ein, die sechs Jahrzehnte umspannt und uns durch unterschiedliche Schulen in vier Kontinenten führt und er stellt immer wieder zwischen den Zeilen die Frage: Sind unsere Schulen nicht immer mehr Institutionen zum Erwerb von Zertifikaten und Berechtigungsscheinen geworden und laufen Gefahr, den Bezug zur Welt von Heute und Morgen zu verlieren? Über ein halbes Jahrhundert verfolgen wir seine Erfahrungen mit Schulen, Schülern und Lehrern in vielen Ländern und wir besuchen mit ihm gemeinsam sowohl die einklassige Dorfschule wie auch Gymnasien, Haupt- und Realschulen, Berufsschulen und Gesamtschulen.
Anstelle einer theoretischen Abhandlung über die allzeit aktuellen Probleme von Schule und Lernen wählt der Autor einen Bericht über sein Leben, das seit seiner Geburt von Schule geprägt wurde und er nimmt engagiert Stellung zu vielen Themen, die Lehrer, Schüler, Eltern und Politiker heute bewegen.
Meier-Drave, Christa
Himmel und Erde
Verlag: Aisthesis
Aus einem Abstand von sechs Jahrzehnten versetzt Christa Meier-Drave sich zurück in ihre Kindheit in dem kleinen Dorf Berlebeck bei Detmold. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre um 1945 bilden den zeithistorischen Kontext, in dem sie, lange Zeit mit ihren Geschwistern von der Mutter allein erzogen und versorgt, trotz der widrigen Zeitumstände in großer Geborgenheit heranwächst. Es ist eine von detailgetreu wiedergegebenen Sinneseindrücken – von Gesehenem, Gerochenem, Geschmecktem, Gehörtem und Gefühltem – gesättigte Zeitreise in eine Welt, die aus heutiger Sicht schon sehr lange vergangen zu sein scheint – und es ist ein wunderbares Erinnerungsbuch, das von einer glücklichen Kindheit erzählt, ohne dabei die Erfahrungen von Angst, Leid und Trauer auszublenden. Es ist ein nachgereichter Dank an die Eltern – und ein Buch für die Generationen der Kinder und Enkelkinder, die wissen möchten, wie es gewesen ist, um 1945 ein Kind, genauer: ein Mädchen zu sein.
Klessmann, Eckart
Über dir Flügel gebreitet
Verlag: Aisthesis
Eckart Kleßmann wurde am 17. März 1933 im lippischen Lemgo geboren. In diesem Buch erzählt er von seiner Kindheit, den ersten zwölf Lebensjahren, die genau in die Zeit des damals herrschenden Hitler-Regimes fielen. Das bedeutet: In diesem Buch geht es auch darum, in welchem Maße ein Kind von der Ideologie des Nationalsozialismus beeinflußt wurde. Das Kind erlebt die Aufmärsche der Partei, die Dominanz der allgegenwärtigen Hakenkreuzfahnen, aber es sieht auch die rauchenden Trümmer der Synagoge und die Menschen mit dem gelben Stern am Mantel. Doch dies ist nur der eine Aspekt der Darstellung. Der andere beschreibt das Aufwachsen in einer bürgerlichen Familie – der Vater war Chirurg und Chefarzt des Krankenhauses – mit drei Geschwistern, geprägt von einem christlich-konservativen Weltbild, in liebevoller Geborgenheit. Advent und Weihnachten, Kinderspiele, Ferienerlebnisse, Musikunterricht und Lektüre haben diese Kindheit geformt und ein Gegengewicht geschaffen zu den als bedrückend empfundenen Jahren der ersten Schulzeit, der Hitler-Jugend und des Krieges, wobei aber auch das Heitere und das Komische nicht fehlt. Mit dem Einmarsch der US-Army in Lemgo am 4. April 1945 endete für das Kind der Krieg. Ein halbes Jahr später beschlagnahmte die britische Militärregierung das Elternhaus. Diese Vertreibung im Oktober 1945 empfand der Erzähler als das Ende seiner Kindheit.
Nach dem Abitur machte Eckart Kleßmann eine Ausbildung zum Sortiments- und Verlagsbuchhändler in Stuttgart, war Verlagslektor und Redakteur in Hamburg (u.a. bei der ›Welt‹ und der ›Zeit‹) und ist seit 1977 selbständiger Schriftsteller. Seit 1995 lebt er in Mecklenburg. Er veröffentlichte u.a. sechs Gedichtbände, zwei Darstellungen der deutschen Romantik, sechs Bücher über das Zeitalter Napoleons, eine Geschichte Hamburgs und mehrere Biographien, darunter »E.T.A. Hoffmann oder Die Tiefe zwischen Stern und Erde« (1988), »Die Mendelssohns. Bilder aus einer deutschen Familie« (1990), »Christiane. Goethes Geliebte und Gefährtin« (1992), sowie die Lebensbilder von »Barthold Hinrich Brockes« (2003) und »Georg Philipp Telemann« (2004), Erzählungen und Essays. Für den Komponisten Dieter Einfeldt schrieb er den Text des Oratoriums »Gomorrha« (Uraufführung am 12. November 1987 in Hamburg).
Eckart Kleßmann erhielt 1989 den Hamburger Literaturpreis der Irmgard-Heilmann-Stiftung, war 1992 Ehrengast der Villa Massimo in Rom, bekam 1995 die Ehrengabe der Deutschen Schiller-Stiftung in Weimar und 1998 den Lion-Feuchtwanger-Preis der Berliner Akademie der Künste. Er ist Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.
Butzlaff, Wolfgang
Mit anderen Augen
Verlag: Bernstein-Verlag
Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart reicht das historische Blickfeld, in dem die zehn Geschichten dieses Buches angesiedelt sind. Ausschnitte aus dem Kaleidoskop des Lebens, die durch ihre ungewöhnliche Perspektive beeindrucken. Da entdeckt ein junger Mann an sich die magische Kraft, Bilder nur mit den Augen zu verändern. Eine alte Frau gesteht, daß sie ihren im Kriege gefallenen Schwager mehr geliebt hat als ihren Ehemann. Der Nachruf euf einen amputierten Arm spiegelt ein ganzes Männerleben wider. Familienrundbriefe zum Jahreswechsel werden durch ein satirisches Gegenmodell entwertet. Ein Ehepaar liefert sich nach dem Tode des Mannes nachts einen erbitterten Zweikampf.Einen besonderen Reiz verleiht den Erzählungen die Würze der Unwahrscheinlichkeit und Ironie. Musik beherrscht nicht nur das abschließende Requiem für eine Geigerin, sondern die auf Klangrede abgestimmte Sprache des ganzen Buches. Geschult an Boccaccio, Fontane und Rilke, umkreist der Autor mit immer neuen Variationen das Thema Liebe.
Bidney, Martin
Herausgeber : Übersetzt aus dem Polnischen von Bidney, Martin; Anmerkungen von Bidney, Martin
A Poetic Dialogue with Adam Mickiewicz
Verlag: Bernstein-Verlag
Berger, Clemens
Und hieb ihm das rechte Ohr ab
Verlag: Wallstein
Clemens Bergers Erzählungen handeln von Leidenschaften. Von der Liebe zu einer französischen Philosophin in Rom etwa, die bald aber nur noch per Brief, E-Mail oder Traum erreichbar ist. Die Titelgeschichte erzählt von Alfred, der in einer Laienaufführung der Passionsspiele den Judas spielten soll. Ohne es zu wollen, wird er von der Figur, in die er schlüpft, völlig absorbiert. Die Fragen, die er sich stellt, um seine Rolle möglichst glaubwürdig auszufüllen, stürzen ihn in immer heftigere Verwirrung. Ist nicht der Verräter im Grunde der verlässlichste Verbündete des Verratenen, weil ohne ihn die ganze Geschichte nicht aufgehen würde? Aber ist er dann überhaupt noch ein Verräter? Alle Zuordnungen entgleiten ihm auf immer umfassendere Weise. In der Erzählung »Schwere Geburt« geht es um eine Künstlerin, die sich aufs Land zurückgezogen hat, weil ihr die zeitgenössische Kunst auf einmal inhaltsleer vorkam und sie im Stil der Alten Meister in Altarbildern Relevantes für die Gegenwart malen will. Aber das bewahrt sie nicht vor Missverständnissen und gar Skandalen. Und auf ganz und gar ungeplante Weise und ohne ihr Zutun führt der Weg zurück ins Museum für Moderne Kunst. Die Liebesgeschichten Bergers sind brüchig, leidenschaftlich, philosophisch und modern.
Karsch, Anna L
Herausgeber : Nörtemann, Regina
Die Sapphischen Lieder
Verlag: Wallstein
Die Dichterin Anna Louisa Karsch (1722-1791) stammte aus einfachen Verhältnissen in Schlesien und wurde in Berlin als Wunder, Naturgenie und »deutsche Sappho« bestaunt. 1761 verliebte sie sich in den Dichter und Domsekretär zu Halberstadt Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Ihm widmete sie ihre bis zum Frühjahr 1762 entstandenen Liebesgedichte, die zum großen Teil bisher unveröffentlicht blieben.Diese Ausgabe präsentiert in synoptischer Darstellung die Handschriftenfassungen und das von Johann Wilhelm Ludwig Gleim zusammengestellte und redigierte, von Anna Louisa Karsch autorisierte Konvolut dieser Gedichte. Sie dokumentiert nicht nur die Entwicklung des Liebesdiskurses von anakreontischen Tändeleien über leidenschaftliche Ernsthaftigkeit bis hin zu einem empfindsamen Freundschaftsentwurf und die reichhaltigen Facetten einer unerwiderten Liebe, sondern auch den Redaktionsvorgang und die Abwehrstrategien des Adressaten.In textkritischen Anmerkungen sind die jeweiligen Korrekturen und Varianten verzeichnet. Das Nachwort enthält eine ausführliche Darstellung der biographischen und literaturgeschichtlichen Zusammenhänge.
Berger, Clemens
Das Streichelinstitut
Verlag: Wallstein
Ein urkomischer, kluger Roman über einen liebenswerten Taugenichts, der plötzlich Erfolg hat.
Sebastian war ein sensationeller Streichler, beruhigend und aufregend zugleich - fand Anna jedenfalls, seine Freundin. Trotzdem war es eigentlich nur eine Urlaubsalberei, als sie ihm vorschlug, diese Fähigkeiten zu professionalisieren. Natürlich (Regel 1) niemals unterhalb der Gürtellinie! Aber in dieser kalten Welt des Gestresstseins musste es doch eine kommerziell verwertbare Sehnsucht nach Zärtlichkeiten auch oberhalb des Nabels geben. Und irgendetwas sollte sich Sebastian schon einfallen lassen, der nach dem Ende seines Philosophiestudiums schon viel zu lange einfach nur herumhing, während Anna als Lektorin in Focaultseminaren an der Wiener Uni wenigstens ein bisschen was verdiente.
Als Sebastian geschlagene anderthalb Jahre später wirklich zum Gewerbeamt geht, um in der Mondscheingasse ein Streichelinstitut zu eröffnen, stößt er schon bei der Anmeldung auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten: »Massagesalon« schlägt ihm die Beamtin als Rubrizierung vor, weil ihre Liste unter »Streicheln« nichts hergibt. Schließlich einigen sie sich auf »Lebensberatung«. Dass wirklich Leute kommen und auch noch eine Menge Geld bezahlen, überrascht Sebastian fast selbst. Endlich ist er ein »nützliches Mitglied des menschlichen Marktes«, denkt er sich, wenngleich er sich eingestehen muss, dass Zielgruppe und Wunschgruppe nicht identisch sind und sich überhaupt plötzlich ganz ungeahnte Probleme auftun.
Peters, Sabine
Abschied
Verlag: Wallstein
Alle glücklichen Familien gleichen einander. Nur die unglücklichen sind jeweils auf ihre eigene Weise unglücklich.« Mit diesem Satz beginnt Tolstois Roman »Anna Karenina«.Sabine Peters Erzählung variiert gewissermaßen dieses Thema: Wir alle verlieren eines Tages Vater und Mutter. Wir alle erleben diesen Abschied im Beziehungsgeflecht der Familie, aus der wir kommen. Aber den Schmerz des Verlusts erlebt jeder auf seine eigene Weise.Sabine Peters erzählt das letzte Lebensjahr, Krankheit und Tod des sprachmächtig dominanten Vaters »Doktor Phil«. Seine Frau und die vier Töchter, von denen er immer nur als Eins, Zwei, Drei und Vier spricht, durchleben diese Zeit, mal näher, mal distanzierter. Immer aber ist es das gemeinsame Leben in der Familie, auf das der Blick fällt. Es sind die immergleichen quälenden Fragen, die allen Familienmitgliedern bis zum Überdruß bekannt sind. Und doch sind es diese Fragen, die noch am Lebensende gestellt werden.Sabine Peters gelingt es in ihrer Erzählung, einer Familie Sprache zu geben. Überhaupt ist die Gefühlswelt dieser bürgerlichen Kleinfamilie eine Sprachwelt, die nach eigenen Regeln und Gewohnheiten funktioniert und die von der Autorin behutsam und genau nachgezeichnet wird.
Gelich, Johannes
Der afrikanische Freund
Verlag: Wallstein
Ein verstörender Roman, der vom Schrecken erzählt, den die Langeweile gebiert.Eher unfreiwillig ist der namenlose Ich-Erzähler in seine Geburtsstadt gekommen: Er muss sich um die Beerdigung seines Vaters kümmern. Große Gefühle stellen sich nicht ein; er ist ein Fremder in dieser Stadt.Da trifft er zufällig Max, einen alten Schulkameraden, der ihn auf seine Burg einlädt, wo er mit Freunden das alljährliche »Weekend« vor Beginn der Festspiele veranstaltet. Es gibt keinen Grund, das abzulehnen. Und so nimmt das unheimliche Treiben im Kellergewölbe der Burg seinen Lauf: Alkohol fließt in Strömen, Prostituierte werden bestellt, Hugo, ein Starkoch aus Reykjavik, serviert obszöne mittelalterliche Speisen, ein großes Fressen hebt an. Plötzlich läutet ein Mann an der Tür, den die Gruppe wegen seiner Hautfarbe sofort für einen Drogendealer hält und den man übermütig zum Essen einlädt. Als sich der Fremde als Bibelverkäufer entpuppt, eskaliert die Situation und der betrunkene Burgherr wird hemmungslos aggressiv. Niemand hilft, auch nicht, als längst unabweisbar klar ist, dass das zwingend notwendig wäre. Nach und nach verwandelt sich die Burg in ein grauenhaftes Gefängnis, aus dem es für alle Beteiligten kein Entrinnen zu geben scheint. Johannes Gelich hat ein morbides Kammerspiel inszeniert, das mit bohrender Intensität unser Selbstverständnis in Frage stellt.
Andreas-Salomé, Lou; Freud, Anna
Herausgeber : Rothe, Daria A; Weber, Inge
"... als käm ich heim zu Vater und Schwester"
Verlag: Wallstein
Der umfangreiche Briefwechsel zwischen Lou Andreas-Salomé und Anna Freud dokumentiert eine außergewöhnliche Freundschaft. Die Psychoanalyse und Sigmund Freud, das Wichtigste in beider Leben, ist darin von zentraler Bedeutung. Die Briefe bilden zusammen mit der Korrespondenz zwischen Freud und den beiden Frauen ein Dreieck, das einmalig in der Geschichte der Psychoanalyse ist.Anna Freud hatte, gerade 26jährig, ihre erste Analyse bei ihrem Vater beendet, und Lou Andreas-Salomé, 60jährig, hatte den Höhepunkt ihrer psychoanalytischen Karriere erreicht, als sich die beiden durch Freuds Vermittlung in Wien kennenlernten.Verbindende Elemente in der Korrespondenz zwischen Lou Andreas-Salomé und Anna Freud sind Rilkes Duineser Elegien ebenso wie die Diskussionen zu "Schlagephantasien und Tagträume". Der ganz persönliche Blick auf die psychoanalytische Bewegung - beispielsweise auf Otto Rank und Max Eitington, auf Helene Deutsch und Melanie Klein, auf Freuds gerade entstehende Schriften und auf Veröffentlichungen anderer Analytiker - läßt die Geschichte der Psychoanalyse in neuem Licht erscheinen. Auch zeitgenössische kulturelle und politische Entwicklungen in Österreich und Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen werden aus der Perspektive beider Frauen erkennbar.Die Herausgeberinnen: Inge Weber, geb. 1941, ist Psychoanalytikerin und Lehranalytikerin in Göttingen. Sie hat (zusammen mit Brigitte Rempp) die Texte Lou Andreas-Salomés zur Psychoanalyse ("Das 'zweideutige' Lächeln der Erotik", 1990) herausgegeben.Daria A. Rothe, geb. 1936, lehrte Germanistik an der University of San Diego und der University of Michigan. Veröffentlichte neben Beiträgen über Rilke und Kokoschka in literaturwissenschaftlichen Zeitschriften "Rilke and Russia: a re-evaluation" (1990).Pressestimmen: "Der Briefwechsel zwischen Lou Andreas-Salomé und Anna Freud bietet dem Leser die seltene Chance, zwei Frauen im Gespräch zu sehen, die zu Repräsentantinnen des geistigen Lebens im 20. Jahrhundert geworden sind (...)."(Hannelore Schlaffer, Frankfurter Rundschau) "Die Psychoanalytikerin Inge Weber aus Göttingen und die Literaturwissenschaftlerin Daria A. Rothe haben die verdienstvolle Arbeit auf sich genommen, diese Korrespondenz sorgfältig und leserfreundlich herauszugeben.(...) Dokumentiert ist eine ungewöhnliche Freundschaft. Dokumentiert ist aber auch Annas Entwicklung von einer schwärmerischen, für ihr Alter sehr kindlichen jungen Frau zu einer beeindruckend kosistenten und produktiven Persönlichkeit."(Sabine Richebächer, Neue Zürcher Zeitung)"Eine Vielzahl von Interessen kann die Lektüre dieser Briefe befriedigen (...) Der liebevoll-vertraute Umgang der beiden Schreiberinnen miteinander, der alles umschließt, Schwätzen über Privates und Diskussionen über Theoretisch-Sachliches, hat diesen Briefwechsel taufrisch bleiben lassen und macht ihn herzbewegend."(Heidi Gidion, Göttinger Tageblatt) "Ein einmaliges Zeitdokument und ein wunderbares Lesebuch zugleich."(Thüringer Allgemeine)
Arnim, Ludwig A von; Arnim, Bettina von; Brentano, Clemens
Herausgeber : Härtl, Heinz
"Anekdoten, die wir erlebten und hörten"
Verlag: Wallstein
Im Herbst 1814 notierten sich Ludwig Achim von Arnim, seine Frau Bettina von Arnim und deren Bruder Clemens Brentano auf dem Arnimschen Gut Wiepersdorf »Anekdoten, die wir erlebten und hörten«, wie Arnim am 23. Oktober an Savigny schrieb. Achim erinnerte sich an seine Großeltern; Bettina erzählte Episoden, deren Zentralfigur ihre Großmutter Sophie von La Roche ist; Clemens Brentano berichtete über Außenseiter seiner Familie und ein Erlebnis zur Zeit der Jenaer Romantik. Die Wiepersdorfer Anekdotenschreiber konzentrierten sich auf charakteristische Individualitäten und kuriose Begebenheiten, ungezwungene oder auftrumpfende Verhaltensweisen. Was unter der historischen Oberfläche lag, die von der offiziösen Memoirenliteratur geglättet worden war, deckte die anekdotische Mitteilungsweise mitunter subversiv als geheime Geschichte auf, die für die Verfasser die eigentliche war. Die bisher großenteils unbekannten Texte werden erstmals in ihrem zuvor unerkannten Zusammenhang in der originalen Orthographie und Interpunktion wiedergegeben, in ihren Einzelheiten und Zusammenhängen möglichst detailliert und informativ erläutert.Der HerausgeberHeinz Härtl, geb. 1940, Literaturwissenschaftler, seit 1993 Leiter der Arnim-Arbeitsstelle der Stiftung Weimarer Klassik. Zahlreiche Aufsätze und Editionen zur Literatur der Goethe-Zeit, vor allem zur Romantik.
Grünzweig, Dorothea
Die Auflösung
Verlag: Wallstein
Der Verlust der Sprache im fremden Sprachraum und das Wiedergewinnen, auch Neuentdecken der eigenen Sprache im Fremden war schon früher das Thema ihrer Lyrik. Mit dem neuen Gedichtband bewegt sich Dorothea Grünzweig nun aber nicht nur formal im Neuland – auch ihre Themen sind drängender und eindringlicher geworden. Ihre Gedichte geben der existentiellen Erfahrung einer Generation, die man die mittlere Generation nennen könnte, den vielleicht gültigsten Ausdruck. Es ist die Erfahrung des Verlusts von Kindheit und Kindheitssprache, Krankheit und Tod der Eltern, der Verlust von Menschen, Tieren, Natur und Dingen. Es ist die Auflösung, die eine Ablösung ist.
Hein, Manfred P
Aufriss des Lichts
Verlag: Wallstein
Manfred Peter Heins Gedichte sind hochkonzentrierte Poesie, wie gehärtet für eine endgültige Form, die alles Ornamentale hinter sich gelassen hat. Der Autor, der seit langem abseits des Betriebsamen im Nordosten Europas lebt, schreibt Naturgedichte von einer Intensität wie kaum jemand sonst heute in deutscher Sprache. Er ist auch ein großer Reisender, der fremde Landschaften und Verhältnisse in sich aufnimmt und in sein Gedicht gültig einwebt, in Ramallah, Jerusalem und am Hindukusch die »Botschaft des Irrwegs« zu entziffern sucht. Jenseits der Ideologien bringt er die Chiffren Srebrenica, Lidice, Katyn, Birkenau in einem Vers zusammen als Orte, auf die sich sein Erinnern und sein lyrisches Sprechen bezieht, immer wieder beziehen muß.
Gleim, Johann W
Herausgeber : Hettche, Walter
Ausgewählte Werke
Verlag: Wallstein
Zum 200. Todestag und erstmals seit 1811 ist mit diesem Band eine umfassende und kommentierte Auswahl des Werks von Johann Wilhelm Ludwig Gleim greifbar.Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) gehört zu den bedeutenden Autoren der sogenannten Vorklassik. Vor allem mit seinen anakreontischen Gedichten hat er einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der deutschen Lyrik geleistet, aber auch durch seine Fabeln und Romanzen, seine Sinngedichte und besonders seine Kriegslieder eines preußischen Grenadiers hat er anregend auf die Literatur seiner Zeit gewirkt. Anlässlich des 200. Todestages am 18. Februar 2003 erscheint diese Auswahlausgabe. Sie bietet einen repräsentativen Überblick über das umfangreiche Gesamtwerk Gleims. Nachwort und Kommentar geben die notwendigen Informationen zu den Texten, stellen wichtige Bezüge her und führen ein in Leben und Werk des Autors. Die Texte werden in der Originalorthographie wiedergegeben. Als Textgrundlage dienen die Erstdrucke bzw. Erstausgaben, in Einzelfällen, wie beim Briefwechsel zwischen Gleim und Gottfried August Bürger, wird auch auf die Handschriften zurückgegriffen. Das vorliegende Werk rückt Gleim, der heute insbesondere als Förderer junger Autoren, Stifter des »Freundschaftstempels« und Briefeschreiber bekannt ist, wieder als Poeten in unser literarisches Bewußtsein.»Um zehne schlief ich ein, um drei wacht’ ich auf,In langen und in kurzen Nächten,Und sang ein Lied, und las in guten und in schlechtenAutoren meiner Zeit; das ist mein Lebenslauf!«Der HerausgeberWalter Hettche, geb. 1957, Studium der Germanistik und Anglistik in München, Promotion über Kleists Lyrik. Dozent für Neuere Deutsche Literatur an der Universität München.Im Wallstein Verlag erschien 1998 der von Walter Hettche herausgegebene Band »Ludwig Christoph Heinrich Hölty. Gesammelte Werke und Briefe«, ISBN 3-89244-076-x (vergriffen).
Heimpel, Christian
Bericht über einen Dieb
Verlag: Wallstein
Ein Kind wird von seinen Eltern, hochgebildeten Intellektuellen und anerkannten Wissenschaftlern, zu Unrecht bezichtigt, gestohlen und Feuer gelegt zu haben. Die Zeit in einem Erziehungsheim, in das die Eltern den Jungen nach den anscheinend ergebnislos gebliebenen ›einfachen‹ Bestrafungen geben, wird für den an sich selbst verzweifelnden Jungen zur Befreiung. Im Kinderheim gelangt der »Dieb« zu der Erkenntnis, daß er in Wahrheit das Opfer einer Intrige durch das ehemalige Dienstmädchen geworden ist.Das Bedrückende an dieser Geschichte ist jedoch die Tatsache, daß die Eltern, auch nachdem sie von der kriminellen Energie ihres Dienstmädchens wissen, nicht an die Unschuld ihres eigenen Sohnes glauben und ihm die vollständige familiäre ›Rehabilitation‹ weiterhin verweigern. Schmerzlich muß der Junge erfahren, daß es offensichtlich keine vollständige Erlösung von der Schuld der anderen gibt.
Spiess, Christian H
Herausgeber : Ausgewählt von Kosenina, Alexander
Biographien der Selbstmörder
Verlag: Wallstein
Diese zwischen Dokumentation und Fiktion changierenden- Fallgeschichten leisten einen wichtigen Beitrag zur Anthropologie der Aufklärung, die den Menschen bevorzugt auf den Schattenseiten von Wahn, Verbrechen oder Suizid erforscht.Für Walter Benjamin verkörperte er, »was die Deutschen lasen, während ihre Klassiker schrieben«: Christian Heinrich Spieß fesselte als Erfolgsschriftsteller tatsächlich ein großes Publikum mit pikanten Erzählungen über die Triebnatur des Menschen. Seine »Biographien der Wahnsinnigen« sind dank einer Neuauswahl heute noch verfügbar, die »Biographien der Selbstmörder« (1785-1789) hingegen in Bibliotheken nur selten zu finden. Diese zwischen Dokumentation und Fiktion changierenden Fallgeschichten leisten über ihren Unterhaltungswert hinaus einen wichtigen Beitrag zur Anthropologie der Aufklärung. Sie zeigen, daß Werther kein Einzelfall blieb, Suizid vielmehr zum brennenden Modethema des melancholischen Zeitalters wurde: Theologen, Philosophen, Mediziner, Kriminalpsychologen, Historiker, Juristen und eben Literaten wandten sich diesem uralten Tabu im Zeichen der Säkularisation intensiv zu. Auch Karl Philipp Moritz baute für seine programmatische Erfahrungsseelenkunde auf die »Geschichte der Missethäter und der Selbstmörder« als vorzüglichsten Stoff. Spieß liefert dafür beäng-stigende und rührende Beispiele, die seinen Lesern unerwartete Einblicke in die sozialen und psychologischen Motive von Suizidenten gewähren: Liebe, Ehrgeiz, Armut, Wollust, Schwermut, Todesangst lauten die Rubriken der Sammlung. Unaufdringlich und geschickt fügt Spieß so seine moraldidaktischen Absichten in ein unterhaltsames Genre ein, das im Gegensatz zu zahlreichen Abhandlungen über Selbstmord das große Publikum wirklich erreichte und aufklärte.
Kim, Chi-ha
Herausgeber : Übersetzt aus dem Koreanischen: Yang, Han-ju; Göritz, Matthias
Blütenneid
Verlag: Wallstein
In den siebziger Jahren galt Kim Chi-ha in Korea als einer der radikalsten Regimegegner, er wurde zum Tode verurteilt, zu »lebenslänglich« begnadigt, freigelassen, tauchte unter, wurde erneut verhaftet (insgesamt fünfmal), ertrug schließlich sechs Jahre in Einzelhaft, die seine Gesundheit ruinierten. Kim Chi-ha wurde zur Leitfigur der Demokratiebewegung seines Landes, zum Inbegriff der politischen Lyrik Koreas und zum Vorbild für die gesamte engagierte Literatur dieser Zeit. Die Gedichte dieses Bandes stammen aus den neunziger Jahren; sie sind Ausdruck der Wende des Autors hin zu einer »Philosophie des Lebens«. Das Erlebnis der Haft, die Erfahrung des Zurückgeworfenseins auf das Existentielle spielen dabei eine ebenso entscheidende Rolle wie die Auseinandersetzung mit der Welle von Selbstverbrennungen demonstrierender Studenten in Korea. Nichts schien dem Dichter die Opferung jungen, unschuldigen Lebens zu rechtfertigen. »Hört mit dem Totentanz auf!« rief Kim Chi-ha besorgt denen zu, die sich in seiner Tradition glaubten, die er selbst jetzt aber in Zusammenhang mit der Kamikaze-Ideologie des japanischen Faschismus brachte. Kim Chi-ha sieht seine Aufgabe nunmehr in der Feier der kleinen Dinge der Natur und des Alltags in sparsamen, tastenden Sprachbewegungen.
Albrecht, Jörg
Drei Herzen
Verlag: Wallstein
Die Geschwindigkeit, mit der Josh, Pitje, Nora und all die anderen durch die Welt stürmen, kann einen schwindlig machen. Ihre Neugier ist ebenso unbezähmbar wie mitreißend. Alle Oberflächen müssen abgetastet, alles muß im Bild festgehalten werden - freilich nicht 1:1 und schon gar nicht akribisch geordnet für die wohligen Erinnerungen der Enkel. Vor allem gilt es, die Geschwindigkeit der Neuronen im eigenen Kopf mit dem ekstatischen JETZT zu synchronisieren. Was fertig aussieht, ist nur Rohmaterial und muß immerzu neu zusammengesetzt und abgemischt werden. Selbstverständlich werden dabei die 10 goldenen Regeln der Lomographie hochgehalten, ebenso aber Super 8-Filme, Digitalkameras und Fotofixautomaten genutzt sowie alte Fotos durchgeblättert - und unweigerlich taucht die Frage auf, wie das unstillbare Nasenbluten zu erklären ist, das seit über drei Generationen die Familie plagt. Überall lauern Geschichten: von Lis und ihren Edelweißpiraten in den dreißiger Jahren, von Burkhard und dessen Freunden in den Sechzigern, und schließlich sogar solche aus der eigenen Vergangenheit zwischen Schallplatten, Filmsequenzen und drei schlagenden Herzen. Jörg Albrecht erzählt sie auf eine Weise, wie wir sie noch nicht vernommen haben.
Greve, Ludwig
Herausgeber : Tgahrt, Reinhard; Pfäfflin, Waltraud; Nachwort von Hartung, Harald
Die Gedichte
Verlag: Wallstein
Ludwig Greve war 37 Jahre alt, als er 1961 mit einem schmalen Band »Gedichte« an die Öffentlichkeit trat. Einige davon hatte er zuvor bereits als »Gedichte aus dem Itinerar« in einem Privatdruck eher versteckt als veröffentlicht. Der Titel weist das Thema des Zyklus aus: Selbstvergewisserung anhand der Stationen der eigenen Biographie und die Arbeit an einer Sprache dafür. Die zwanzig dichtgefügten, meist gereimten Gedichte erregten die Aufmerksamkeit Werner Krafts, der erwartete, daß auf »schöne Gedichte« »schönere« folgen würden.Die von Greve in der Folgezeit verfaßten, nun ungereimten, oft energisch ausgreifenden Gedichte sind von beweglicher Syntax; ihr spannungsreicher Rhythmus erlaubt, sich angesichts naher und nächster Phänomene und Personen zu fassen, er läßt Dankbarkeit zu, manchmal »einen Unterton von Glück« (Kraft).Der vorliegende Band enthält erstmals alle von Greve veröffentlichten Gedichte, nach »Sie lacht und andere Gedichte« (1991) auch die in frühere Sammlungen nicht aufgenommenen und die verstreut gedruckten Texte, außerdem Greves Rede vor Freiburger Studenten »Warum schreibe ich anders?« (1979). Der Anhang bietet neben den nötigen Nachweisen und dem editorischen Bericht Druckvarianten, Erläuterungen und bisher unveröffentlichte Selbstzeugnisse.
Behr, Isachar Falkensohn
Herausgeber : Nachwort von Wittbrodt, Andreas; Wittbrodt, Andreas
Gedichte von einem polnischen Juden
Verlag: Wallstein
"Gedichte von einem polnischen Juden" - mit diesem geradezu provokanten Titel spielte 1772 der damals anonyme Autor Isachar Falkensohn Behr mit gängigen Vorurteilen vornehmer Leser und - vor allem - Leserinnen, galten doch die Ostjuden in den deutschen Metropolen als fromme, aber ungebildete, schwarzvermummte Gestalten mit finsterem Blick und bärtigen Gesichtern.Mit dieser Edition wird die erste Lyriksammlung eines deutschsprachigen Juden nachgedruckt - eine Sammlung, die auch Goethes Aufmerksamkeit erregte. Falkensohn Behr, einem Juden aus dem Osten im aufgeklärten Berlin Moses Mendelssohns, gelang es, in seiner Lyrik an deutschen und jüdischen Lebenswelten zugleich teilzuhaben. In der Anakreontik fand der Dichter poetische Formen und Motive und in der Kultur der Freundschaft, die in der Rokoko-Dichtung propagiert wurde, das geeignete Milieu zur Integration.Der Autor:Isachar Falkensohn Behr (1746-1817), polnisch-litauischer Kaufmann, studierte in Königsberg, Leipzig und Halle Medizin. In Berlin war er als Hauslehrer tätig. Von 1773 bis 1817 praktizierte er als Arzt in Kurland, später in Weißrußland.Der HerausgeberAndreas Wittbrodt, geb. 1965, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Interdisziplinären Arbeitskreis Jüdische Studien der Universität Mainz. 1994 promovierte er mit einer Arbeit über "Verfahren der Gedichtübersetzung".
Kämpchen, Martin
Ghosaldanga
Verlag: Wallstein
Martin Kämpchen lebt seit 25 Jahren in der nördlich von Kalkutta gelegenen Kleinstadt Santiniketan. Unter den Menschen aus den Armenvierteln und aus den umliegenden Dörfern hat er Freunde gefunden, er erlebt ihre Nöte und ihr Streben nach Glück. Nun erzählt er ihre Geschichten: Vom ehrgeizigen Sona, der ein Dorf zum Blühen bringen will, oder vom Künstler Sanyasi, der kein Mädchen zum Heiraten findet; vom Fahrradflicker Bishu und seinem Sohn Satya Narayan, der sich in eine Brahmanentochter verliebt, oder vom Sänger Rathin, der zwischen Familie und Karriere schwankt. So entsteht ein Kosmos lebendiger Gestalten, die der Autor in miteinander verwobenen Erzählungen aus ihrem Wesen zu verstehen sucht. Kämpchen erzählt ohne Klischee und zeigt so »ein Indien von innen«. Und das Leben der Menschen in ihrer abgeschiedenen Welt enthüllt sich als großes Welttheater.
Grünzweig, Dorothea
Glasstimmen
Verlag: Wallstein
Als Lyrikerin hat Dorothea Grünzweig einen Ton gefunden, der Tradition mit Frische und Innovationslust verbindet.
Pasco, Grigori
Herausgeber : Nachwort von Roth, Thomas; Übersetzt aus dem Russischen: Umbreit, Hannelore
Honigkuchen
Verlag: Wallstein
Eindringlich beschreibt Grigori Pasko seine Erfahrungen mit der menschenverachtenden Praxis des russischen Strafvollzugs.Ein russisches Sprichwort besagt, vor dem Bettelstab und vor dem Gefängnis ist niemand gefeit. Den im Untersuchungsgefängnis von Wladiwostok entstandenen Essay »Honigkuchen« gestaltet Grigori Pasko als Unterweisung zum Überleben für einen potentiellen Leidensgefährten. Der ›altgediente‹ Untersuchungshäftling macht den Neuling – den »Honigkuchen« – mit allen Facetten des Gefangenenalltags vertraut. Dazu führt er ihn ein in die Hierarchie und Psychologie der Insassen, ihre Beziehungen untereinander und zu den Wärtern. Er beschreibt die kärglichen Momente des kleinen Glücks, wenn ein Badetag ansteht oder ein Besuchstag genehmigt wird. Der Erzähler erklärt dem »Honigkuchen«, daß die Welt hinter Gittern als ein Spiegelbild der Welt draußen zu betrachten ist. Wie sehr diese beiden Welten sich tatsächlich wechselseitig durchdringen, findet darin seinen Ausdruck, daß die ganz spezielle, russisch »Fenja« genannte Sprache der Arbeitslager und Gefängnisse in Rußland längst gesellschaftsfähig geworden ist.
Loher, Dea
Hundskopf
Verlag: Wallstein
Dea Loher ist als Theaterautorin eine der meistgespielten und erfolgreichsten unter den Jüngeren. Mit diesem Prosadebüt erweist sie sich als stilsichere Erzählerin, deren Blick sich nicht beschränkt auf die Erforschung des Ich oder des Lebens in der deutschen Provinz (eingeschlossen die Metropolen), sondern auch in fernere Weltgegenden und tiefere Dimensionen der Realität reicht.Stets führen ihre Erzählungen zunächst in Situationen, die überschaubar wirken, fast harmlos, sich jedoch bald als doppelbödig erweisen. Da erhält etwa in der Titelerzählung Richard, Kneipier und dilettierender Musiker, einen Anruf von einer Unbekannten – und noch während er sich fragt, ob sie sich nur verwählt hat, gewinnt das Spiel etwas Verführerisches: Immerhin wird ihm unverhohlen ein Auftragsmord angetragen, und das Geld, das sich damit womöglich verdienen ließe, könnte ihn schon reizen. Eine andere Erzählung handelt von Anna und Johann, deren Hochzeitsreise nach Arizona unverhofft im Krankenhaus endet, weil Anna plötzlich Schmerzen im Unterleib hat. Nichts wirklich Schlimmes scheint vorzuliegen, und die Ärzte sind offenkundig vor allem daran interessiert, saftige Rechnungen zu schreiben, aber dennoch blickt der Leser bald in die Abgründe eines ganz existentiellen Nicht-Gesundseins. Oder man erfährt von Mink, der sich nach ein paar mißglückten Versuchen als Kleinstunternehmer in einer eher sentimentalen Anwandlung auf den Weg zu Helen macht, die seinerzeit neben ihrem Jurastudium – unerreichbar für ihn – als Tabledancerin gejobbt hatte. Mittlerweile soll sie eine erfolgreiche Anwältin sein. Dea Loher erzählt Geschichten von Menschen, die „auf der Schwelle stehen, bereit, hineinzugehen oder hinaus“. Sie holt – lakonisch verknappt – Wirklichkeit in ihre Texte bis zu genau dem Punkt, an dem die Überblendung der Perspektiven die Handlung ins Unheimliche umschlagen läßt.
Andersen, Hans Ch
Herausgeber : Perlet, Gisela; Übersetzt von Perlet, Gisela
"Ja, ich bin ein seltsames Wesen..."
Verlag: Wallstein
Rund 4.500 Seiten Tagebuch hat der dänische Dichter Hans Christian Andersen der Nachwelt hinterlassen, geschrieben während des halben Jahrhunderts zwischen 1825 und 1875. Eine Veröffentlichung hatte er selbst nicht beabsichtigt, obwohl er eine Vielzahl seiner Eintragungen, die bis etwa 1860 auf Reisen und zu besonderen Anlässen, später fortlaufend entstanden, auch als Material für Reisebücher, Romane, Märchen und Briefe nutzte. Er ist ein sensibler und genauer Beobachter der bereisten Länder und der ihm begegnenden Zeitgenossen, darunter Fürsten und Könige, Künstler wie Tieck, Chamisso, Liszt, Mendelssohn-Bartholdy, Balzac, Heine, Dickens, Rossini und Reuter. Eindrucksvoll erschließt sich in diesen ungeglätteten Notizen - bei aller Vorsicht und letzter Verschwiegenheit, direkt und indirekt - seine eigene widersprüchliche Persönlichkeit und das nie ausgelöschte Bewußtsein, ein Außenseiter zu sein. Pressestimmen: "Andersens Tagebuchaufzeichnungen sind weder leer noch sind sie nichtssagend. Großenteils sind sie sogar vielsagend in einem Maße, dass Andersen bei allem noch so geschickten Oszillieren zwischen Selbstausstellung und Selbstverhüllung wohl unterschätzte: Das zeigt die umfangreiche Auswahl, die Gisela Perlet aus seinen Tagebüchern getroffen, übersetzt und aus umfassender Kenntnis des Gesamtwerks kommentiert hat."(Hanns Grössel, Süddeutsche Zeitung) "Die hervorragende Edition einer Auswahl aus den Tagebüchern Andersens, erarbeitet und übersetzt von Gisela Perlet, gestattet unter anderem den Nachvollzug dieser Reisen. Mehr noch: sie erlaubt die bemerkenswerte Lektüre eines interessanten Lebens und einer faszinierenden Zeit. (...) Beherrschende Themen sind neben den Äußerlichkeiten damaliger Zeit Träume und Ängste, erstere stets akribisch niedergeschrieben, von daher eingangs die Anspielung auf eine psychoanalytische Lesart. Sie dürfte in Andersens Tagebüchern, die er zur Veröffentlichung nicht vorgesehen hatte, reiches Material finden. Der interessierte Leser hingegen findet eine vorbildlich kommentierte Ausgabe mit Registern und einer Chronik des Lebens; er findet aber vor allem die Möglichkeit, Einblicke in eine Zeit zu gewinnen und einen großen Dichter jenseits seiner ästhetisch durchgearbeiteten Texte ausführlich kennen zu lernen." (Dresdner Kulturmagazin) "Man darf also die Märchen Hans Christian Andersens als Klartext eines gequälten Lebens lesen, das von den Tagebüchern bis zur Unkenntnis normalisiert wird."(Michael Rutschky, Die Tageszeitung)"Im Tagebuch wird deutlich, wie sehr das "hässliche Entlein" sich danach sehnte als "echter Sohn" zur Familie seines Förderers Jonas Collin zu gehören, und wie sehr es ihn verletzt hat, dass ausgerechnet die Collins ihn nie als den außergewöhnlichen Dichter anerkannten, der er war. So wird auch Andersens krankhafte Sucht nach Lob verständlicher, seine Freude über die herzliche Aufnahme, die er (der Schusterjunge!) an deutschen Fürstenhöfen fand, seine Wut über die schlechten Kritiken, mit denen seine Werke in Dänemark oft aufgenommen wurden.Interessant sind Andersens Aufzeichnungen auch als Dokument ihrer Zeit: Mit seinem naiv-kindlichen und zugleich aufdringlichen Wesen gelang es ihm, viele wichtige Persönlichkeiten kennen zu lernen. Was sie über Kunst, Theater, Literatur sagten, wie sie reisten und lebten - auch das erfahren wir bei Andersen, der zwischen den Zeilen doch mehr als beabsichtigt von sich preisgegeben hat."(Diemut Roether, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt)"Über sechshundert Seiten aus den Tagebüchern, dazu ein ausführliches Nachwort von Gisela Perlet, die auch noch einen klugen und hilfreichen Stellenkommentar sowie ein sorgfältiges Personenregister beigefügt hat. Sein Umfang allein kann schon einen Eindruck verschaffen von der personifizierten Unstetigkeit Andersens. (...) Als Leser von Andersens Tagebüchern betritt man unweigerlich auch die hintersten Kammern seiner dichterischen Werkstatt."(Guido Graf, DeutschlandRadio)
Hefter, Martina
Die Küsten der Berge
Verlag: Wallstein
Fein gewoben und kraftvoll sind die Erzählbilder, die Martina Hefter herstellt. Erinnerungen und Augenblicke der unmittelbaren Gegenwart sind gleichermaßen in ihnen eingefangen und scharfgestellt.In Binz auf der Ostseeinsel Rügen treffen sie nach einer langen Autofahrt beim »Böhmerwirt« ein, eine Familie mit zwei Kindern, über die Martina Hefter ihr Erzählnetz auswirft. Bilder werden aufgerufen aus der unmittelbaren Wahrnehmung, aus den Medien, der Kindheit: das lange zurückliegende Ausreißen mit der Freundin aus dem kleinen Heimatort in den deutschen Alpen über die österreichische Grenze in Richtung Italien; die Steilhänge am Meer, wo die Kinder plötzlich verschwunden sind und die Suche nach ihnen sich zu Stunden zu dehnen scheint; der Vater in der örtlichen Traktorenfabrik; die sächsischen Nachbarn; der Mann mit der schwarzen Maske, der während der olympischen Spiele in München mit einem Maschinengewehr auf einem Balkon steht und etwas vorhat, von dem die Eltern sagen, Kinder könnten es nicht verstehen. Martina Hefter hebt Zeit und Raum im Erzählen auf, in einer wunderbar leichten Sprache, die die Erdenschwere ins poetische Schweben bringt. Sie erzählt mit spielerischer Kraft und ungemein sinnlicher Beweglichkeit, umkreist ihre Gegenstände, kehrt zum Ausgangspunkt zurück – eine Feier des Unterwegsseins.»Auf humorvolle und charmante Art zeigt Martina Hefter, wie aus der virtuellen Welt der Sprache Realität entsteht.«(Martin Krumbholz, NZZ über »Zurück auf Los« (2005)
Pickert, Johann Ch
Herausgeber : Frühsorge, Gotthardt; Schreckenberg, Christoph
Die Lebensgeschichte des Johann Christoph Pickert
Verlag: Wallstein
Johann Christoph Pickert wurde 1787 in Haldensleben bei Magdeburg geboren und lernte erst den Beruf des Handschuhmachers, bevor er 20 Jahre als Soldat im preußischen Heer diente. Nach seiner Versetzung »zur siebenten Invaliden Compagnie« schrieb dieser einfache Mann seine Lebensgeschichte auf. Darin erzählt er von seiner Jugend- und Lehrzeit, von seiner Rekrutierung und vom harten Leben in der preußischen Armee: Er nahm an der Schlacht von Jena und Auerstedt teil und wurde als Gefangener zur Zwangsarbeit nach Frankreich geschickt.Seine Erinnerungen sind zugleich eine »Körpergeschichte«, eine Geschichte der Freuden und Leiden seines Leibes – vom Kind über den Knaben bis zur martialischen Behandlung des Soldaten im Krieg.Die Erzählperspektive und die stilistische Authentizität, die ausführlichen Detailschilderungen sowie das gänzlich unprätentiöse Schreiben stellen Pickerts Lebensbericht neben Ulrich Bräkers »Armen Mann im Toggenburg« aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Alles, was Pickert für erinnerungswürdig hält, betrifft im Detail nur ihn, zeigt den heutigen Lesern aber einen Ausschnitt aus der Lebenswelt einer sozialen Schicht, die selten zu Wort kommt.Dieses einzigartige autobiographische Dokument wurde zufällig in einem Antiquariat entdeckt und wird hier erstmals veröffentlicht. Der Text wird durch einen Stellenkommentar und ein Nachwort ergänzt.
Hoffmann, Daniel
Lebensspuren meines Vaters
Verlag: Wallstein
Auf der Grundlage von Aufzeichnungen, Erzählungen, Briefen, Dokumenten und Gesprächen erzählt ein Sohn die Geschichte seines jüdischen Vaters von den zwanziger Jahren bis ins Nachkriegsdeutschland.»Meine Aufzeichnungen sind lückenhaft. Ich kenne diese Lücken, kann sie aber nicht mehr ausreichend formulieren«, notierte Paul Hoffmann in hohem Alter. Diese Aufgabe hat sein Sohn für ihn übernommen, mit liebevoller Diskretion, äußerster Detailgenauigkeit und Sprachkraft: Paul Hoffmann, geboren 1921 als Sohn jüdischer Eltern, war 17, als ihm unmißverständlich klargemacht wurde, daß er in seiner Heimatstadt Iserlohn, in seinem Heimatland Deutschland unerwünscht ist und mit dem Schlimmsten rechnen muß. Sein Erwachsenwerden findet in Arbeitslagern statt, und die sind nur eine Vorstufe zur Deportation nach Auschwitz. Zwei Jahre überlebt er dort, obwohl die Lebenserwartung eines jüdischen Häftlings »ohne Funktion« nur maximal drei bis vier Monate beträgt. Dann wird er nach Buchenwald überstellt, wo ihn schließlich das Kriegsende rettet. Immer wieder hat der Vater dem Sohn von dieser Zeit erzählt, und darüber hinaus sind zahlreiche Briefe erhalten geblieben, die er aus dem Lager schmuggeln konnte und die an die ehemalige Haushälterin der Familie seiner in Auschwitz umgebrachten Verlobten gerichtet waren. Diese couragierte evangelische Frau ist ein Beispiel dafür, was an Humanität im Kleinen möglich war.Daniel Hoffmann hat aus dem disparaten Material eine tief berührende Geschichte geformt, die vom Menschsein im 20. Jahrhundert handelt.
Cvetaeva, Marina
Herausgeber : Hausschild, Christiane; Übersetzt von Hausschild, Christiane
Mólodec
Verlag: Wallstein
Die zweisprachige Edition des Versmärchens »Mólodec« von Marina Cvetaeva macht erstmals einen in Deutschland noch kaum bekannten Text einer der bedeutendsten Dichterinnen der russischen Avantgarde zugänglich. Die russische Dichterin Marina Ivanovna Cvetaeva (1892-1941), im deutschsprachigen Raum bisher vor allem durch ihre Lyrik und ihren Briefwechsel mit Rainer Maria Rilke und Boris Pasternak bekannt, kann zu Recht als eine der bedeutendsten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts gelten. Die vorliegende zweisprachige Edition macht mit dem Versmärchen »Mólodec« (1922) erstmals einen zentralen Text Marina Cvetaevas auf deutsch vollständig und ausführlich kommentiert zugänglich. Das Märchenpoem »Mólodec« geht auf ein russisches Volksmärchen zurück. Im Märchen tötet der Vampir aus Liebe zu seinem Opfer Marusja deren Familie und schließlich sie selbst, sie entkommt jedoch durch Wiedergeburt als Zauberblume, die auf ihrem Grab wächst, und heiratet einen Bojarensohn. In dem avantgardistischen Poem Cvetaevas verläßt die Heldin Marusja den irdischen Bräutigam für den teuflischen Mólodec. Aus der Verneinung des Märchens entfaltet sich im Poem ein polemischer Dialog mit grundlegenden abendländischen Textraditionen. An der Figur der Teufelsbünderin Marusja verhandelt Cvetaeva in aktueller Weise Fragen der Legitimität gesellschaftlicher Macht.
Kesting, Hanjo
Der Musick gehorsame Tochter
Verlag: Wallstein
Mozart gilt als der größte Musikdramatiker der Operngeschichte. Seine sieben Hauptwerke (»Idomeneo«, »Die Entführung aus dem Serail«, »Le Nozze di Figaro«, »Don Giovanni«, »Così fan tutte«, »La Clemenza di Tito« und »Die Zauberflöte«) gehören heute zum Kern des Opernrepertoires. Die von Mozart vertonten Textbücher sind allerdings ? sieht man von »Figaro« und »Don Giovanni« ab ? immer sehr unterschiedlich beurteilt worden. In ihnen sah man den Hauptgrund dafür, daß einige von Mozarts Opern »trotz herrlicher Musik« lange Zeit wenig gespielt wurden oder überhaupt von den Spielplänen der Opernhäuser verschwanden. Richard Wagner etwa urteilte, daß Mozart »mit größter Unbefangenheit an die Komposition jedes ihm aufgegebenen Operntextes sich machte«. Hanjo Kesting geht in seinem Essay der Beziehung Mozarts zu seinen Textdichtern nach und untersucht das Verhältnis von Text und Musik in den sieben großen Opern. Er beschreibt, wie der Komponist in die Gestaltung der Textbücher eingriff und sie nach seinen musikdramatischen Vorstellungen ummodelte ? stets getreu der Maxime, daß in der Oper »schlechterdings die Poesie der Musick gehorsame Tochter« zu sein habe.
Hein, Manfred P
Nachtkreis
Verlag: Wallstein
Große Altersgedichte von dem »deutschen Dichter aus Finnland«.Siebzig Gedichte in zehn Zyklen vereint der neue Band von Manfred Peter Hein, energiegeladene Texte in höchster Verdichtung, abgerungen dem Schweigen. Sie bestechen durch ihre Genauigkeit und Unaufgeregtheit, sie sind filigran gebaut und gleichwohl von enormer Festigkeit. In ihnen ist die geschichtliche Erfahrung des Autors ebenso aufgehoben wie die Auseinandersetzung mit der unmittelbaren Gegenwart. Heins Lyrik vertraut dem Wort, seinem Klang, seinem Bedeutungshof; sie bezieht sich auf literarische Traditionen und Sprechweisen, und führt sie weiter, für die Namen wie Bobrowski und Celan stehen.»Heins Gedächtnisverse vermessen den Raum des Sagbaren und halten die Erinnerung wach. Hellsichtig sind sie und dunkel zugleich, hart und dann wieder geschmeidig.«(Nico Bleutge, Neue Zürcher Zeitung)
Endler, Adolf
Nebbich
Verlag: Wallstein
»Ich lese ganz gern in Autobiographien«, bekennt Adolf Endler, »aber glaube ich ihnen? ... Ne, ne ne, daß zumal ein Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts in befriedigender Weise in der Lage sein könnte, seine ‚Biographie zu erzählen’«, hält Endler für ganz und gar unmöglich. Und wenn er hier mit »Nebbich« ein Buch präsentiert, das er ausdrücklich als Autobiographie versteht, so liegt auf der Hand, daß es sich nicht um die brave Darstellung des eigenen Lebens in chronologischer Folge zu einem der Vollkommenheit nahen Ende hin handeln kann. Endlers »Autobiographie aus Splittern« ist, wie wir es schon für einen begrenzten Zeitabschnitt in »Tarzan am Prenzlauer Berg« kennengelernt haben, montiert aus Tagebuchnotizen und zeitkritischen Glossen, bös-sarkastischen Zitat-Collagen, essayistischen Porträts von Zeitgenossen und Kollegen und erzählerischen Fragmenten nicht selten phantasmagorischen Charakters. Denn daß sich das Leben eines Menschen nicht nur aus »real« Erlebtem, sondern zu »drei Vierteln aus Träumen und Tagträumen (‚längeren Gedankenspielen’)« zusammensetzt, ist für den Autor, der die Vokabel »Karriere« selbstverständlich nur mit Augenzwinkern ausspricht, keine Frage. Was entsteht, ist ein Kaleidoskop, in dem Erinnerungsbilder des fünfzehnjährigen Gymnasiasten, der zwischen Düsseldorf und Benrath in der Straßenbahnlinie 18 sitzt, ebenso aufgehoben sind wie Expeditionstagebücher, die etwa über die Sprache der Regenbogen-Esser Auskunft geben. Und freilich finden sich wilde Notizen von den endlerschen alter egos Bobbi Bergermann und Bubi Blazezak, die nicht zuletzt auch eine Art DDR-Geschichte fern jeder Nostalgie bergen.
Peters, Sabine
Nimmersatt
Verlag: Wallstein
»Nimmersatt« ist eine kaleidoskopartige Prosa, in der Sabine Peters Personen vorstellt, die nichts anderes sind als ganz normale Zeitgenossen. Die Autorin gibt damit ein Gesellschaftsbild vom Ende des 20. Jahrhunderts mit ganz normalem spießigem, kleinbürgerlichem Personal. Sie verzichtet auf eine übergeordnete Erzählperspektive, stattdessen verleiht sie dem Bewußtseinsstrom und den inneren Monologen der locker episodisch verbundenen Figuren einen authentischen Ausdruck. Sabine Peters läßt Personen, Männer und Frauen, vorüberziehen und mit ihren Stimmen sprechen. Was sie sagen, woran sie denken, ist ein Panorama der Jahre, die wir kennen. Der Blick ist illusionslos, aber nicht kalt, einfühlend, jedoch ohne Mitleidsgeste, realistisch und dabei frei von anmaßender Kritik.
Hwang, Chi-Woo
Herausgeber : Übersetzt aus dem Koreanischen: Kolbe, Uwe; Kang, Yeo-Kyu; Nachwort von Kolbe, Uwe
Die Schatten der Fische
Verlag: Wallstein
In den Gedichten Hwang Chi-Woos treffen sich Lakonismus westlicher, insbesondere amerikanischer Poesie mit der Anwesenheit des Buddha und den Prägungen des Konfuzianismus. »Das Werk von Hwang Chi-Woo ist geeignet, ein Tor zu öffnen, das bisher nur angelehnt stand«, heißt es im Nachwort des Lyrikers Uwe Kolbe, der sich als Generationsgefährte sieht. Natürlich markieren die Erfahrungen mit der Diktatur, das Leben in einem geteilten Land Parallelen in den Biographien beider Dichter, aber vor allem ist es der moderne Zugriff Hwang Chi-Woos auf seine Stoffe, der ihn für deutsche Leser direkter, unvermittelter zugänglich erscheinen läßt als andere seiner Landsleute. »Es hat den Anschein, als spräche er auch auf uns Europäer zu. Als seien die Veränderungen in der südkoreanischen Gesellschaft, wie dieser Autor sie am eigenen Leibe erfahren hat, Motor für eine freiere und vielfältigere Sprache geworden.«
Detering, Heinrich
Schwebstoffe
Verlag: Wallstein
Dieses Debut zeigt eine weitere Facette des anerkannten Autors, Übersetzers und Kritikers Heinrich Detering.Seit einigen Jahren schon sind Gedichte von Heinrich Detering in Zeitschriften und Anthologien erschienen, unter anderem in der »Neuen Rundschau« und im »Jahrbuch der Lyrik«. In diesem Band sind zum ersten Mal ältere und neue Texte gesammelt. Sie bilden einen Zyklus musikalisch leichtfüßiger Poesie über Alltag und Epiphanie.
Peters, Sabine
Singsand
Verlag: Wallstein
Ein Reisebericht voller Geschichten. Eine Hymne aufs Gelobte Land und ein analytischer Blick auf die Widersprüche im Nahen Osten: Literatur, die uns Fremdes eindringlich nahebringt.Als Marie und Rupert ihren Freunden sagen, daß sie für ein paar Wochen nach Israel reisen werden, reagieren die höchst unterschiedlich: Mit guten Wünschen, neidisch, manche auch bestürzt. Wie kann man in eine Krisenregion fahren, in der Attentate und Vergeltungsaktionen derart den Alltag bestimmen? Auf der Reise aber geht es darum, nicht vorschnelle Antworten zu geben, sondern genau hinzuschauen. Die Welt jenseits aller Vorurteile und allen scheinbaren Wissens über ein Entweder-Oder neu zu buchstabieren – ist das möglich? Erst einmal durch die Begegnung mit Menschen, mit Zvi und Mascha Vogel etwa, die seit fünfzig Jahren in Israel leben – vielleicht aber noch immer auch im galizischen Drohobyz. Und immer wieder spricht Marie mit Moshe Bibermann, der sich keinen Illusionen über die Schwierigkeit der Lage hingibt und dennoch ein fröhlicher Mensch ist. Oder deshalb? Am Center für German Studies in Beer Sheva, wo Marie Vorträge hält, trifft sie Amal, die israelische Palästinenserin, sie schließt Bekanntschaft mit Beduinen und mit einem Taxifahrer, der sie in die Westbank bringt, und sie erlebt am eigenen Leib, was halblegale Grenzübertritte bedeuten. Sabine Peters entfaltet ein Panorama menschlicher Verhaltensweisen, in denen das Eigene sich im fremden spiegelt – und erkennt.
Albrecht, Jörg
Sternstaub, Goldfunk, Silberstreif
Verlag: Wallstein
Der Roman ist eine musikalische Vermessung des Weltalls, er erzählt eine deutsche Raumfahrtgeschichte, wie sie abenteuerlicher nicht sein könnte.Wie sähe eine Geschichte der Deutschen im Weltraum aus, wenn Science Fiction und Fictive Science ineinander übergingen? Wenn, was in Filmen, Büchern, Romanheftchen als Zukunft beschrieben wurde, wirklich Realität geworden wäre?Jörg Albrecht schickt Kym, Tym & Martyn in ein kindliches Weltraumfahrerspiel, um nach deutschen Spuren im All zu suchen. Eben noch Erstklässler, sind die drei in Sekundenschnelle zehn Jahre älter und jagen durch die Zeit, die für sie zum Raum wird, Funksprüchen hinterher, die vom Summen des Universums berichten. Auf der Suche nach den musikalischen Gesetzen des Alls führen sie die deutsche Einheit herbei. In einer Notoperation werden die Augäpfel eines Astronauten und eines Kosmonauten zu einem visuellen Apparat verschweißt. Sandmännchen International vermittelt als Ost-West-Wesen zwischen den Nationen. Der Roman entwirft aus technischen Daten, Bildern und historischen Berichten eine Geschichte der deutschen Familie im outer space: von Johannes Kepler über Otto Lilienthal und Wernher von Braun zur Raumpatrouille Orion. Eine Space-Opera, die auch von den Weltraummythen des Pop erzählt, von David Bowie bis zu den Klaxons.
Doermer, Laura
Trappentreu
Verlag: Wallstein
Mit außerordentlicher atmosphärischer Dichte erzählt Laura Doermer die Lebensgeschichten von Frauen einer Familie von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.Laura Doermer erzählt die Geschichte einer Familie, die über Generationen durch die Schicksale der Frauen zusammengehalten wird: Mütter und Töchter, deren immer gleiche Hoffnungen daran zerschellen, dass stets geschieht, was sie am heftigsten zu vermeiden suchen: Kinder kommen zur Welt, bevor eine ›ordentliche‹ Familie gegründet ist - die Männer erweisen sich als zögerlich, schon verheiratet oder als Tyrannen. Die heile Familie bleibt ein trügerischer Wunschtraum. Aus der Armut, für die die elende Wohnung in der Trappentreustraße des Münchner Westends steht, scheint es kein Entkommen zu geben. Vom München der siebziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts bis in die Gegenwart spannt sich der Erzählbogen des Romans, beginnend mit der Kammerjungfer Marie, die mit dem aus dem Badischen kommenden Schreiner Adam Fassbender »in die Schande fällt«. Immerhin kann sie ihm vier Jahre nach der Geburt des Kindes die Heirat abtrotzen. Ihrer Enkeltochter Lieselotte, die 1916 geboren in der Mitte der Generationenkette steht, gelingt es, die Kinder und sich selbst durch die dunklen Jahre des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit zu bringen. Im Wirtschaftswunderland scheint das Leben für die vierte Generation besser zu werden, auch wenn die Nachkommen am Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts vor ganz neuen Problemen stehen …
Danz, Daniela
Türmer
Verlag: Wallstein
Die Autorin erzählt die Geschichten des Türmers Jan Facher und des Reisenden Michael Thurner, die in die Zeit des Ersten Weltkriegs und ins Belgrad des Jahres 1999 führen - poetisch, geheimnisvoll, überraschend.Der Roman führt in eine merkwürdige Welt: Zweihundertdreiundsechzig Treppenstufen nach oben in einen Turm, wo Jan Fachers Vater endlich eine Arbeitsstelle bekommen hat und im Frühjahr 1913 mit Frau und Sohn die Türmerwohnung bezieht. Er muß rund um die Uhr über die Stadt wachen, nachts hilft ihm sein Sohn. Wenn Jan gehofft hatte, die enge Welt im Turm würde ihn einen Weg zu seinem Vater finden lassen, so sieht er bald, daß er auf sich selbst verwiesen ist. Der Blick von oben auf die Stadt schärft die Wahrnehmung - und er macht einsam. Jans Freunde, Köppen, Donatus und Hellmund, kommen bald nur noch selten. Mehr und mehr werden die Besuche zu Erzählungen von »draußen«; Facher beschleicht das Gefühl, er habe »da unten nichts mehr, was auf mich wartet«. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs holt ihn ins Leben zurück.Daniela Danz entwirft kunstvoll und sprachmächtig ein Dasein im Turm als »Modell der Welt«, sie erzählt über die versteckten Formen von Gewalt aus einer Perspektive von oben, die sie spiegelt in einer zweiten Geschichte: Ihr Protagonist ist der Reisende Michael Thurner, 86 Jahre später unterwegs dorthin, wo der Krieg am Anfang des 20. Jahrhunderts mit einem Attentat seinen Ausgang nahm und wo erneut Gewalt das Zusammenleben der Menschen bedroht: nach Jugoslawien.
Ahrends, Martin
Verlorenwasser
Verlag: Wallstein
"Verlorenwasser" ist der Name eines Dorfes im Hohen Fläming, in dem Annas Schwiegereltern eine Datsche besitzen. Seitdem Anna Harald Eisner geheiratet hat, geht alles ganz einfach: Annas Vater avanciert zum Straßenbahn-Cheffahrer, Anna darf während eines Krankenhausaufenthaltes ihr Abitur ambulant ablegen und unmittelbar danach ihr erträumtes Medizin-Studium beginnen. Weitere Privilegien: die Vierzimmerwohnung in der Leninallee, der Zweitwagen, die Datsche am See, ein Motorboot. Als der behinderte Sohn Grischa zur Welt kommt, kann Anna stundenweise im Kollektiv der "Wettkampfpsychologen" bei Dynamo Berlin arbeiten. Die Welt scheint in Ordnung, doch steht die Familie - nach Annas schwer begründbarem Gefühl - kurz vor der Katastrophe: "Es ist das Gefühl von doppeltem Boden, von dünnem Eis." Die Anzeichen mehren sich: Anna erfährt, daß Haralds Baubetrieb der Stasi untersteht, den Schwiegervater sieht sie plötzlich in hochdekorierter Uniform beim Parteitag. Nachdem Anna die Scheidung eingereicht hat, verläuft ihr Lebensweg in umgekehrte Richtung: Drohungen, Beschuldigungen und Willkür prägen den Alltag: Sie verliert ihren Job, landet vorübergehend in der Psychiatrie, die Tochter wird nicht zum Abitur zugelassen. Januar 1990: Montagsdemo auf dem Berliner Alexanderplatz. Anna lernt eine ältere Dame aus Westberlin kennen. Sie kommen ins Gespräch und Anna erzählt ihre Geschichte. Es komme ihr manchmal so vor, als habe sie alles nur geträumt, sagt Anna. Aber die Angst bleibt, es könne alles wieder von vorn beginnen. Pressestimmen: "Ahrends (...) Stil der Beschreibung ist leicht, ironisch - und gerade deshalb von seltener Eindringlichkeit." (Berliner Zeitung) "Schon allein, dass es sich so ereignet haben könnte, macht "Verlorenwasser" zu einem beklemmenden Text."(SAX. Das Dresdner Stadtmagazin)
Hefter, Martina
Zurück auf Los
Verlag: Wallstein
Der Roman handelt in dreizehn Kapiteln von der »Nacht, in der Raimund fortgehen wird«, und erzählt wird er von der verlassenen Frau. Aber ebensogut könnte man sagen, daß die Erzählerin Raimund verlassen hat: Genau genommen ist sie aufgebrochen, um in dieser Nacht an der Rezeption eines von ihrer Mutter geführten Hotels auszuhelfen. Von dort sieht sie durch die Dunkelheit auf der anderen Seite des Tals ihr erleuchtetes Haus, in dem, wie sie weiß, gepackt wird.Martina Hefter wirft Erinnerungsnetze aus, tastet sich an den Weltfasern entlang, verknüpft sie zu einem »Nachtnylon«, das »sich selbst jeden Tag neu an die Beschenkten verteilt, an uns, an die in der Nacht Wachen, so hängen wir alle zusammen, im Gewebe des Satzes, im Satznylon, das sich hebt und senkt, bei jeder Bewegung von innen.« Lang zurückliegende Zeiten und weit voneinander entfernte Orte können so im Erzählen zusammengebracht werden, Geschichten wie die von der Frau, deren Mann spurlos nach Toronto verschwand, von der Fernsehserie »Die Waltons«, von Heike aus Crimmitschau, vom mecklenburgischen Quasow, woher die Familie eigentlich stammt, und vom KdF-Urlaub der Großmutter 1937, dessen Folgen das Familienschicksal zumindest für zwei Generationen in die Alpen verlagert haben. Und natürlich mischen sich ins Erzählen immer wieder Erinnerungen an Raimund, an die gemeinsame Lieblingsanekdote vom zögerlichen Eisverkäufer beispielsweise, in dem sie, die zum Leben Unentschlossenen, sich selbst betrauern, oder an das Spiel, Etiketten zu erfinden, um sie an alle möglichen Gegenstände zu heften: »Die ganze Welt könnte man mit solchen Bildern bekleben.« Auf Raimunds Einwand, »die Welt werde nur noch von Aufklebern zusammengehalten. Und wir sind die Figuren auf den Aufklebern«, entgegnet die Erzählerin: »Oder wir sind sogar die Sätze.«Martina Hefter erzählt in ihrem zweiten Roman mit spielerischer Kraft und ungemein sinnlicher Beweglichkeit. Sie umkreist ihre Gegenstände und kehrt zum Ausgangspunkt zurück – im Wissen und mit dem Impuls, daß die Reise stets von neuem beginnt.
Herausgeber : Ebert, Jens
Feldpostbriefe aus Stalingrad
Verlag: Wallstein
Als am 2. Februar 1943 die Schlacht um Stalingrad mit der Kapitulation der 6. deutschen Armee beendet wurde, begann augenblicklich der Kampf um ihre historische Wertung und Deutung. Die vernichtende Niederlage der bis dahin als unbesiegbar geltenden Wehrmacht wurde rasch mit mythologisierenden Begriffen und Bildern beschrieben – eine Art des Umgangs mit der Schlacht, die bis heute viele Darstellungen prägt. Der »Mythos Stalingrad« erhellt zwar nicht immer die militärischen Ereignisse, sagt dagegen aber viel über Intentionen, Geschichtsbilder und Wertungsmuster der an seiner Schaffung Beteiligten und die zeitgenössischen gesellschaftlichen Diskussionen aus. Seit 1942/43 wurde die Schlacht häufig mit ganz verschiedenen Ansätzen politisch-ideologisch instrumentalisiert.Konstant ist, daß der mythologische Ansatz stets durch »Authentizität« in Form dokumentarischen Materials gestützt wurde. Berichte und Briefe von Angehörigen der 6. Armee fanden und finden besonderes Interesse, zumal sie sehr rar sind. Zum 60. Jahrestag der großen Schlacht an der Wolga rief der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher im Deutschlandfunk Köln dazu auf, noch nicht veröffentlichte Briefe von Angehörigen der Stalingrad-Armee einzusenden. Diese bislang unbekannten Zeugnisse werden im Band umfassend dokumentiert. Im einleitenden Essay wird der Geschichte der Mythologisierung der Schlacht um Stalingrad nachgegangen, werden historische Linien, politische Intentionen und geistige Deutungsmuster nachgezeichnet.
Hemme, Heinrich
Der Mathe-Jogger
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Querdenken erwünscht! Heinrich Hemmes »Mathe-Jogger« lädt ein zum Knobeln und Kopfzerbrechen. Unterhaltsame mathematische Rätsel und Scherzaufgaben aus allen Bereichen der Mathematik, logische Probleme sowie optische Spielereien garantieren Spaß am Nachdenken und Tüfteln. Die Aufgaben sind unterschiedlich schwer und nach den drei Schwierigkeitsgraden leicht, mittelschwer und schwer geordnet. Fast allen Problemen – den leichten wie den schweren – ist gemeinsam, dass man sie mit Schulkenntnissen der Mathematik, dem gesunden Menschenverstand und ohne viel Rechnerei lösen kann. Zu jeder Aufgabe gibt es eine ausführliche Lösung. Seit 1988 hat Heinrich Hemme eine Serie von neun Büchern im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht veröffentlicht, die fast tausend mathematische Denksportaufgaben enthalten. Aus diesen neun Bänden sind für den »Mathe-Jogger« die 111 schönsten Rätsel ausgewählt.
Herausgeber : Siewert, Klaus; Neuhaus, Werner; Frieling, Christian; Becker, Silke; Dickel, Mirka; Faber, Ingrid; Plate, Frauke; Salmen, Christina; Walkenfort, Britta; Beiträge von Franke, Hartwig
Es war einmal ein kurantes anim...
Verlag: Waxmann
Masematte, entstanden zu Beginn des 19. Jh., war die Sprache der Arbeiter und fliegenden Händler, aber auch der Gauner und Vagabunden in und um Münster. Spurenhaft läßt sich diese Sondersprache auch im heutigen gesprochenen Deutsch der Münsteraner Bevölkerung nachweisen. Das Textbuch enthält neben literarischen, historischen, lokalgeschichtlichen und fiktionalen Texten auch Einladungen, Leserbriefe oder Bildtexte in Masematte. In der Einleitung wird die Masematte sozialhistorisch und sprachlich erläutert, echte alte Sprecher kommen zu Wort. Bemerkungen zur Edition der Texte, Quellen und Bibliographie erschließen das Buch und ermöglichen vertiefte Einsichten.
Skif, Hamid
Herausgeber : Übersetzt aus dem Französischen von Münzner, Andreas
Exile der Frühe
Verlag: Manutius
„Paris riecht nach Teer. Ich habe mich in dieser Stadt schon immer fremd gefühlt.
Vielleicht, weil sie schön ist und man in ihr nie allein sein möchte? Ich trage meine Einsamkeit in mir und finde es schwierig, diesen oder jenen Ort dafür verantwortlich zu machen, dass er sie verstärkt. Hier ohrfeigt mich meine Einsamkeit an jeder Straßenecke.“
Klassische Worte des Exils, geschrieben von jedermann, dem es in diesem oder im abgelaufenen
Jahrhundert widerfuhr. Hamid Skif ist ein Virtuose des Exils, mit den Motiven
des Gehens und Bleibens, der auseinandergetragenen Lieben, des Neides, der Erbitterung
und der Resignation aufs Engste vertraut. Warum einer sein Land verlässt, wie einer lernt,
in Europa, umgeben von Freunden und Gönnern, von Fremden und Konkurrenten, im
Unglück zu leben, ohne darüber unglücklich zu sein, das versteht sich unter 'Abwesenden'
fast von selbst.
Haas, Anna
"Es wird nicht gefaulenzt"
Verlag: Köppe, R
Wie war es früher? Wie haben die Menschen damals gelebt? Die gelebte Geschichte aus acht Jahrzehnten Dorfleben im ländlichen Hessen sprudelt mit trockenem Humor und auf den Punkt gebrachter Wortwahl aus diesen niedergeschriebenen Erinnerungen. In ihrer Jugend lebte Anna Haas noch in der Großfamilie mit viel Verwandtschaft in den umliegenden Dörfern. Dort half sie im kleinen Landwirtschaftsbetrieb, packte in der Gastwirtschaft mit an und lauschte gebannt den Erzählungen der Eltern, Großeltern, Verwandten und Bekannten – in einer Zeit, als Radio und Fernsehen noch nicht die Freizeit bestimmten und in der es noch keine Langeweile gab. Dank ihrer Aufzeichnungen können nun die nachfolgenden Generationen ihren Erinnerungen ‘lauschen’. Es ist die Rede von einer vergangenen Zeit. Persönliche Erlebnisse wie der erste Schultag, die erste Kommunion, Hochzeiten und Geburten werden genauso ins Gedächtnis gerufen wie deutsche Geschichte. Die Zeit des Dritten Reiches sowie das Leid und Elend des Krieges und der Nachkriegsjahre spielen hier genauso eine Rolle wie die friedlichen und oft glücklicheren Zeiten im Wirtschaftswunder der 50er und 60er. Mit viel hessischem Lokalkolorit erzählt die Autorin von familiären Ereignissen, berichtet vom alltäglichen Leben und vermittelt so einen Einblick in beinahe ein Jahrhundert deutscher Geschichte.Dank der Bemühungen von Tochter und Enkelin – beide brachten Aufzeichnungen ihrer Großmutter in Druckform und standen mit Designideen, Ermunterungen und Rat und Tat zur Seite – kamen drei Generationen zusammen, um dieses Buchprojekt zu ermöglichen. Untermalt von zahlreichen privaten Fotos, vermittelt dieses Werk das Gefühl, an einem ereignisreichen Leben teilhaben zu dürfen.
Segschneider, Ernst Helmut
"The Little Red Pawnee"
Verlag: Waxmann
Wenn Ernst Helmut Segschneider sich an seine Kindheit erinnert, dann steigen vor ihm Bilder auf, die in den vielen Jahrzehnten danach nicht verblasst sind. „Little Red Pawnee” wurde er damals von seiner Familie genannt. Die Evakuierung der Heimatstadt Eydtkuhnen/Ostpreußen und die Flucht vor der Roten Armee im Sommer 1944 rissen ihn aus seiner vertrauten Umgebung. Die intensiven Erinnerungen an die Szenarien, die sich innerhalb und außerhalb der Stadt abspielten, die Stimmungen, Menschen und die Gefühle, die Ernst Helmut Segschneider auf seiner langen Reise in den Westen begleiteten, legen ein sehr persönliches Zeugnis zu den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit ab.
Herausgeber : Richter, Angela
Der Engel und der rote Hund
Verlag: Edition Noack & Block
Serbiens Literatur ist bunt und lebendig. Das beweisen die Erzählungen von Ljubica Arsic, Laslo Blaskovic, Jelena Lengold und all den anderen Autorinnen und Autoren in diesem Band. Sie zeugen von der Unverwüstlichkeit der großen literarischen Themen und von der Kreativität der Verfasser, die dafür immer neue Ausdrucksformen finden - eben von der erstaunlichen Vielfalt serbischer Literatur.
Reinhard Bicher
Das späte Dawson's Creek
Verlag: novum publishing
Das späte Dawson's Creek" von Reinhard Bicher versteht sich als erster von drei analytischen Bänden zur gleichnamigen amerikanischen TV-Serie. Der Autor beschreibt die 47 Episoden der ambivalent beurteilten fünften und sechsten Staffel sowie das Serienfin
Cramer, Detlev
Geschichten einer Gefangenschaft
Verlag: Waxmann
In erschütternd nüchterner Sprache erzählt Detlev Cramer, wie er nach dem Zweiten Weltkrieg 42 Monate Kriegsgefangenschaft in sowjetischen Lagern überlebte. Er begibt sich schreibend auf die Suche nach denjenigen, die ihm halfen zu überleben: russische Soldaten, Lagerärzte, Arbeiterinnen und Schutzengel in Schwesterntracht, und damit sind die Geschichten einer Gefangenschaft mehr als nur ein historisches Dokument.Als wir uns einige Tage später auf der Lagerstraße begegneten, bat er mich noch einmal. Er fragte nicht mehr nach dem Verkaufen. Er nannte mich wieder bei meinem Namen. „Cramer, bitte, gib mir das Herz.“Erneut schlug ich seine Bitte aus. „Ich gebe das Herz nicht her.“
Siewert, Klaus
Olf, bes, kimmel, dollar, hei...
Verlag: Waxmann
Das Wörterbuch enthält den sondersprachlichen Wortschatz des in Münster beheimateten Rotwelsch-Dialekts, der Masematte. Die Sammlung beruht auf Direktbefragungen der letzten echten Masemattesprecher und der Auswertung schriftlicher Masemattequellen. 2. Auflage
Lou Andreas-Salomé
Ruth 1. Auflage
Verlag: MedienEdition Welsch
Die Erzählung Ruth" ist die erfolgreichste Publikation von Lou Andreas-Salomé zu ihren Lebzeiten. Die Geschichte des Mädchens, das sich mit ihrem unbändigen Lerndrang einen Platz im Herzen des Lehrers erobert und am Ende doch enttäuscht wird, traf genau den Geschmack der Zeit. Gerade die stark psychologisierende Innensicht war es, was die damalige Zeit bewegte - in der Ära zwischen Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud. Das Buch erlebte zwischen 1895 und 1928 zehn Auflagen. Unter seinen Lesern sind berühmte Namen wie Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud. Eine Schlüsselrolle fällt "Ruth" im Werk von Lou Andreas-Salomé zu, da sie hier erstmals eine jener Erzählungen schrieb, für die sie berühmt wurde: Geschichten von jungen Mädchen und Frauen an der Schwelle zum Erwachsenwerden."
Lou Andreas-Salomé
Drei Briefe an einen Knaben 1. Auflage
Verlag: MedienEdition Welsch
Die Drei Briefe an einen Knaben" sind ein spannendes Dokument ihrer Zeit - einer Zeit, in der die psychologisierende Innensicht und das Ansprechen und Verarbeiten von sexuellen Tabus in der kulturellen Elite ein wichtiges Thema war. Sie sind auch ein Werk an der Grenze zwischen Literatur und Essay, zwischen Fiktion und Realität und für Lou Andreas-Salomé selbst auch an einer Schwelle ihres Lebens: Denn mitten im zweiten Brief findet der Übergang von der literarisch-philosophischen in die psychoanalytische Sichtweise statt."
Clemens Berger
Herausgeber : Wallstein Verlag
Das Streichelinstitut
Verlag: Wallstein Verlag
Sebastian war ein sensationeller Streichler, beruhigend und aufregend zugleich - fand Anna jedenfalls, seine Freundin. Trotzdem war es eigentlich nur eine Urlaubsalberei, als sie ihm vorschlug, diese Fähigkeiten zu professionalisieren. Natürlich (Regel 1) niemals unterhalb der Gürtellinie! Aber in dieser kalten Welt des Gestresstseins musste es doch eine kommerziell verwertbare Sehnsucht nach Zärtlichkeiten auch oberhalb des Nabels geben. Und irgendetwas sollte sich Sebastian schon einfallen lassen, der nach dem Ende seines Philosophiestudiums schon viel zu lange einfach nur herumhing, während Anna als Lektorin in Foucaultseminaren an der Wiener Uni wenigstens ein bisschen was verdiente. Als Sebastian geschlagene anderthalb Jahre später wirklich zum Gewerbeamt geht, um in der Mondscheingasse ein Streichelinstitut zu eröffnen, stößt er schon bei der Anmeldung auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten: Massagesalon" schlägt ihm die Beamtin als Rubrizierung vor, weil ihre Liste unter "Streicheln" nichts hergibt. Schließlich einigen sie sich auf "Lebensberatung". Dass wirklich Leute kommen und auch noch eine Menge Geld bezahlen, überrascht Sebastian fast selbst. Endlich ist er ein "nützliches Mitglied des menschlichen Marktes", denkt er sich, wenngleich er sich eingestehen muss, dass Zielgruppe und Wunschgruppe nicht identisch sind und sich überhaupt plötzlich ganz ungeahnte Probleme auftun."
August Klingemann
Herausgeber : Wallstein Verlag
Nachtwachen von Bonaventura - Freimüthigkeiten
Verlag: Wallstein Verlag
Nachtwachen. Von Bonaventura" - unter diesem Titel erschien 1804 anonym ein Buch, das im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde und seit 1877 in immer neuen Nachdrucken erschien. Als mutmaßlichen Verfasser nahm man unter anderem Schelling, E.T.A. Hoffmann und Brentano an. Erst 1973 gelang Jost Schillemeit die eindeutige Identifizierung des Braunschweiger Literaten und Theaterdirektors August Klingemann als Verfasser. Von Klingemann stammt auch das ebenfalls anonym erschienene kleine satirische Lustspiel "Freimüthigkeiten", das in Ton, Stil und Stoff deutlich an die "Nachtwachen" erinnert. Beide Texte folgen in Wortlaut, Orthographie und Interpunktion den Erstdrucken und sind mit einem Nachwort und Anmerkungen von Jost Schillemeit versehen. "Wie oft habe ich das geliebte schnurrige Werk gekauft, und immer, wenn ich es wiederlesen wollte, war es weg, hatte es einer mitgehen lassen. Ich sage auch nichts dawider, denn es ist ja begreiflich." Peter de Mendelssohn, Süddeutsche Zeitung"
Gabriele Kögl
Herausgeber : Wallstein Verlag
Vorstadthimmel 1. Auflage
Verlag: Wallstein Verlag
Das ist Heinrich nicht an der Wiege gesungen worden, dass es ihm einmal so gut gehen würde. Ganz weit unten ist er gestartet, ohne Vater und von der Mutter nicht gerade heiß geliebt. Nun sitzt er in einem Sportwagen und fährt immer auf der linken Spur. Aber dafür hat er auch viel tun müssen und muss es immer noch. Früh eigenes Geld verdienen, nebenbei studieren, und die Zahnarztpraxis kam auch nicht von allein ins Laufen. Seiner Frau aus gutem Hause und vor allem seiner über alles geliebten Tochter liest Heinrich jeden Wunsch von den Augen ab. Jedenfalls glaubt er das. Dass er außerdem ein fantastischer Liebhaber ist, kann er leider seiner Ehefrau am wenigsten beweisen. Dafür besucht er (unter anderen) Margot, eine alleinstehende Rundfunkjournalistin, bis eine nicht geplante Schwangerschaft Entscheidungen verlangt. Es sind, wenig erstaunlich, keine gemeinsamen. Mit Kind ändert sich Margots Leben radikal, die beruflichen Möglichkeiten schränken sich ein wie die Einkünfte, und selbst die Suche nach einer neuen Wohnung erweist sich als fast unlösbares Problem. Trotzdem, unterkriegen lässt sie sich nicht. Hingegen ist für Heinrich, was wie eine Erfolgsgeschichte klingt, manchmal zum Heulen. In rasanten Perspektivwechseln zeichnet Gabriele Kögl mit leichter Hand Charakterstudien, die unter die Haut gehen. Total faszinierend - spannend. Ich war nur noch im Sog, in die Hand genommen und in einem Rutsch durchgelesen." (Hella Winnemuth, Buchhandlung Winnemuth) "Ein außergewöhnlicher und äußerst lesenswerter Roman über Lust und Liebe, Schlichtheit und Luxus und den Sinn des Lebens. Ein großartiger Roman! Sehr empfehlenswert!" (Christian Rößner, Thalia)"
Gregor Sander
Herausgeber : Wallstein Verlag
Winterfisch 1. Auflage
Verlag: Wallstein Verlag
Diese Erzählungen spielen in Rerik, am Nord-Ostsee-Kanal, auf Gotland, in Helsinki, Klaipeda...Sie handeln von Menschen, die unterwegs sind und zugleich in ihren Schicksalen gefangen: wortkarge Seebären, desillusionierte Künstler, angebetete Frauen. So unterschiedlich die Geschichten auch sind, sie haben doch alle etwas gemeinsam. Sie erzählen von Sehnsüchten - nach geliebten Menschen, nach einem freien Leben oder nach dem einfachen Gefühl, verstanden zu werden. Und sie ziehen den Leser immer wieder in ihren Sog: Zwei Männer, Freunde seit einem halben Leben, gehen zusammen auf einen Segeltörn, den sie zum vierzigsten Geburtstag geschenkt bekommen haben. St. Petersburg ist das Ziel. Ihre Frauen versprechen zum Abschied Abenteuer und Weiße Nächte. Der Alltag dann auf See ist nicht eben aufregend. Wie viel Welt Gregor Sander jedoch in die beengte Situation an und unter Deck holt, das ist außerordentlich. Ins Bild geraten die Lebenswege der beiden, die Möglichkeit, nach dem Ende der DDR 1990 endlich Medizin studieren zu können, das Scheitern, ein neues Leben in Berlin, Saufen, Versuche, eine Familie zu gründen, Kinder, und die kleinen und großen Geheimnisse.Sanders Erzählen wirkt karg, fast verschwiegen, wie die Leute, wie die nördliche Landschaft. Mit wenigen Strichen, so diskret wie präzis, zeichnet der Autor Schicksale, die unter die Haut gehen.Die Titelerzählung Winterfisch" wurde 2009 in Klagenfurt mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet."
Matthias Zschokke
Herausgeber : Wallstein Verlag
Lieber Niels 1. Auflage
Verlag: Wallstein Verlag
Dieses Buch gönnt dem Genre Roman eine Pause. Es sprengt dessen Grenzen und kreiert ein ganz eigenes Format. Ein Tagebuch? Ja, aber ... Fast täglich schreibt Zschokke zwischen 2002 und 2008 auf, was ihm durch den Kopf geht und festgehalten werden muss: Es sind Auseinandersetzungen mit der Welt, der Zeit, der Literatur, mit der Musik, dem Theater, der Kunst: Kollegenbeschimpfungen, Reiseberichte, ja, sogar politische Marginalien. Aber all das ist nicht zur Selbstreflexion bestimmt, sondern hat ein Du. Was Zschokke notiert, ist für ein Gegenüber, den Freund Niels, bestimmt. Also ein Briefroman in seiner modernen Form, der Mail? Ja, aber ... Niemals waren die Mails, als sie geschrieben wurden, zur Veröffentlichung bestimmt. Das erklärt ihre Frische und Spontaneität. Der sie schreibt, ist ein wacher, staunender, spöttisch ironischer und selbstironischer Mensch. Er fragt etwas, sich selbst oder das Gegenüber, er probiert Antworten, poltert los, nimmt alles zurück und kommt zu ganz neuen Einsichten. Und Fragen! Eine mitreißende Neugier zieht sich durch alles, und man selbst gerät ins Staunen und sieht plötzlich klarer auf die Dinge. Eine Fundgrube ist dieses Buch, ein Wunderding.
Gabriele Kögl
Herausgeber : Wallstein Verlag
Das Mensch 2. Auflage
Verlag: Wallstein Verlag
Ein Romandebüt von ungewöhnlicher Sprachkraft: Erzählt wird die Geschichte einer Kindheit und zugleich auch der beklemmende Bericht einer Verstörung. Dumpfe Roheit und Gefühlskälte bei gleichzeitig triefender Sentimentalität kennzeichnen die Atmosphäre in einem steiermärkischen Dorf. Undurchschaubar und verstörend ist diese Erwachsenenwelt, in der das Kind Karla Wärme und Geborgenheit sucht. Aber diese Geborgenheit gibt es nicht - außer bei den Tieren des Bauernhofs. Was die Erwachsenen an den Tieren verüben, trifft das Kind mit doppelter Wucht. So geraten die Qual der Tiere und der Schmerz des Kindes für den Leser schockierend ineinander, verschränken sich zu einem unentwirrbaren Knoten, den nicht wie in Ibsens Wildente" ein tödlicher Schuß zerreißt. Keine Wildente, die "die Tiefe des Meeres" gesehen hat, wird hier von einem Mädchen gepflegt. Hier spielt ein Kind mit dem verwesten Kopf seines Lieblingskälbchens, hier ist nicht der Tod die Tragödie, sondern das Leben. Wie soll man, wie kann man da erwachsen werden?"
Hugo Ball
Herausgeber : Wallstein Verlag
Zinnoberzack, Zeter und Mordio 1. Auflage
Verlag: Wallstein Verlag
1916 drangen aus dem Cabaret Voltaire in Zürich die ersten schrillen Laute des DADA: Künstler wie Hans Arp, Tristan Tzara, Marcel Janco und Richard Huelsenbeck experimentierten auf der Kleinkunstbühne, doch im Zentrum stand der Vater und Initiator dieses anarchischen Anti-Kunstbetriebs Hugo Ball: Er schrieb die ersten richtungweisenden Manifeste, er erfand die berühmten Lautgedichte, die bis auf den heutigen Tag als Inbegriff des Dadaismus gelten. Schon nach wenigen aufreibenden Monaten des Cabaretbetriebs zog sich Ball ins Tessin zurück. Mit der Galerie Dada kehrte er dann noch einmal für kurze Zeit nach Zürich und zum Dadaismus zurück. Während Balls Weggefährten DADA zu einem Credo erhoben, von dem sie ihr Künstlerleben lang zehrten, blieb es für Ball nur Episode - doch seine Kreativität in diesen acht, neun Monaten war enorm, ein kurzer heftiger Rausch, aus dem ein vielfältiges dadaistisches Oeuvre entstand: neben Manifesten und Lautgedichten gehören dazu ein bruitistisches Krippenspiel, der DADA-Roman Tenderenda der Phantast" - beide erst nach Balls Tod aus dem Nachlass veröffentlicht - sowie Zürcher Notate aus seinem Tagebuch "Die Flucht aus der Zeit". Sämtliche DADA-Texte Hugo Balls, die bisher nur verstreut publiziert sind, erscheinen hier erstmals gesammelt in einem Band."
Maja Haderlap
Herausgeber : Wallstein Verlag
Engel des Vergessens
Verlag: Wallstein Verlag
Maja Haderlap gelingt etwas, das man gemeinhin heutzutage für gar nicht mehr möglich hält: Sie erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes. Erinnert wird eine Kindheit in den Kärntner Bergen. Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn. Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig. In den Wald zu gehen hieß eben nicht nur Bäume zu fällen, zu jagen oder Pilze zu sammeln". Es hieß, sich zu verstecken, zu flüchten, sich den Partisanen anzuschließen und Widerstand zu leisten. Wem die Flucht nicht gelang, dem drohten Verhaftung, Tod, Konzentrationslager. Die Erinnerungen daran gehören für die Menschen so selbstverständlich zum Leben wie Gott.Erst nach und nach lernt das Mädchen, die Bruchstücke und Überreste der Vergangenheit in einen Zusammenhang zu bringen und aus der Selbstverständlichkeit zu reißen - und schließlich als (kritische) junge Frau eine Sprache dafür zu finden. Eindringlich, poetisch, mit einer bezaubernden Unmittelbarkeit.Maja Haderlap hat eine gewaltige Geschichte geschrieben ...Die Großmutter wie noch keine, der arme bittere Vater wie noch keiner, die Toten wie noch nie, ein Kind wie noch keines.(Peter Handke)"
Steven Bloom
Herausgeber : Wallstein Verlag
Die menschliche Schwäche
Verlag: Wallstein Verlag
Moses steigt vom Berg herab und sagt: Ich hab eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, ich hab Ihn auf zehn runtergehandelt. Die schlechte ist, Ehebruch ist noch dabei" - diesen alten jüdischen Witz stellt Steven Bloom seinem Roman voran, und in der Tat dreht sich vieles in seinem Roman um eben diese menschliche Schwäche. Aber für alles ist sie nun auch wieder nicht verantwortlich zu machen, selbst wenn sie gar nicht die schlechteste Erklärung wäre für den Mord auf dem Schlossplatz in Heidelberg, der die Stadt in Aufregung versetzt. Der Tote ist Amerikaner. Jude! Jedenfalls sieht er so aus. Oder ist das schon ein antisemitisches Klischee? Nichts fürchten der Oberbürgermeister und der Tourismusverantwortliche der Stadt jedenfalls mehr als politische Verwicklungen und Reisestornierungen. Wilde Spekulationen schießen ins Kraut. Der Stadtrat gerät in höchste Aufregung, und umfassende Untersuchungen voller guter Vorsätze und Ränkespiele nehmen ihren Lauf, in denen unerwartete Geschehnisse, Hilflosigkeiten und Vorurteile von Bloom in einen irrwitzigen Wirbel gebracht werden, der sämtliche gerade Linien verwischt. Es entsteht eine groteske Szenerie, in der hinter einer korrekten politischen Kulisse die merkwürdigsten privaten Verwicklungen sichtbar werden.So viele Witze und Pointen wie Steven Bloom bringt kaum ein anderer Autor auf so wenig Platz unter. Und doch geht es dabei nicht nur lustig, ironisch und sarkastisch zu. Denn unter der so leicht erscheinenden Alltäglichkeit ist tiefe Trauer zu spüren.Rheinischer Merkur"
Hermann Peter Piwitt
Herausgeber : Wallstein Verlag
Erbarmen
Verlag: Wallstein Verlag
Dass Hermann Peter Piwitt eine Frau erzählen lässt, in IchForm, ist gewiss eine Überraschung. Und sie gelingt! Vielleicht weil der Autor sich selbst und seine Geschlechtsgenossen, so aus ironischkomischer Perspektive in den Blick nehmen kann. Nach einer eher leidenschaftslosen Ehe, die durch den Unfalltod des Ehemannes ihr Ende gefunden hat (nicht unbedingt ein glückliches, genau genommen), scheint nun alles anders zu werden. Henrik, ein Schriftsteller, ist ins Leben der Erzählerin getreten.FuÌAer die beiden nicht mehr ganz jungen Menschen bietet sich endlich die große Chance, Waghalsiges zu riskieren, Phantasien auszuleben. Jeden Moment kosten sie aus, indem sie sich gänzlich einander hingeben. Da wir aneinander verloren, verlor sich auch der Alltag in uns", wird sich die Erzählerin erinnern. Wenn nur dieser sonderbare Wunsch von Henrik nicht wäre, ein "Liebesbeweis", wie er es nennt. Hartnäckig haÌAelt er daran fest. Aber könnte er dessen Erfüllung überhaupt ertragen?Piwitt zeigt sich einmal mehr als genauer Beobachter und virtuoser Erzähler zwischenmenschlicher Verstrickungen und leiser Momente. "Erbarmen" ist eine melancholische und bisweilen tragikomische Novelle über Sehnsucht, Täuschung und Selbsttäuschung."Piwitts Prosa ist berauschend."Ralf Stiftel, Westfälischer Anzeiger"
Dea Loher
Herausgeber : Wallstein Verlag
Bugatti taucht auf
Verlag: Wallstein Verlag
Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2012 Zwei Handlungskreise verknüpft Dea Loher miteinander, denen beiden reale Begebenheiten zugrunde liegen: Ein junger Mann wird während der Fasnacht 2008 in Locarno von einer Gruppe Jugendlicher geschlagen, getreten und schließlich umgebracht. Aber je minutiöser die Rekonstruktion der Tat aus dem Puzzle der Zeugenaussagen versucht wird, umso schillernder und unschärfer wird, was wirklich (und warum) geschehen ist. Die oder den Schuldigen zu finden ist trotz der klaren Beweislage schwieriger als gedacht, und gesühnt ist die Tat damit bestenfalls ansatzweise. Ein Freund der Familie des Opfers sucht einen anderen Weg: Er erinnert sich an ein Autowrack, das seit 75 Jahren auf dem Grund des Lago Maggiore liegt: Ein Bugatti Brescia 22. So sagt man wenigstens. Alle bisherigen Versuche der Bergung waren nicht von Erfolg gekrönt. Und nun wird das Tauchen in die Tiefen auch der eigenen Abgründe ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Keine deutschsprachige Dramatikerin wird in ihrer Heimat und weltweit häufiger und erfolgreicher auf die Bühne gebracht (mehr als 300 Inszenierungen, Übersetzungen in 31 Ländern) als Dea Loher. Nach ihrem hoch gelobten Erzählungsband Hundskopf" (Wallstein 2005) legt sie nun ihren ersten Roman vor."
Lucette ter Borg
Herausgeber : Wallstein Verlag
Fallkraut
Verlag: Wallstein Verlag
Die beiden Schwestern Sigrid und Valentine sind ein ungleiches Paar: Schlank und unternehmungslustig die Eine, ständig am Buffet die Andere, und dann auch noch herumnörgelnd. Sigrid hat schon immer die Erste Geige gespielt, noch in in k.u.k.-Zeiten, als das Familienorchester von Böhmen aus durch halb Europa tourte, und später dann im Orchester Overijssel. Dort arbeitet sie noch immer, aber es gibt im Kollegenkreis schon vernehmbaren Unmut, weil sie immer häufiger nicht so ganz den richtigen Ton trifft. Sigrid findet das natürlich vollkommen ungerecht und erkennt darin nur Neid und Bosheit.Auch Valentine hat die Musik zum Beruf gemacht: sie ist Klavierlehrerin geworden, vor allem jedoch Hausfrau und Mutter. Und nun fahren sie zum ersten Mal wieder zusammen weg. Es sollte eigentlich eine romantische Reise durch Deutschland werden - aber Neid, Groll und Eifersucht lassen sich nur schwer verbergen. Kleine und große Gehässigkeiten machen den Urlaub so abwechslungsreich wie zuweilen beschwerlich. Und welches Geheimnis verbirgt sich in Sigrids Geigenkasten?Fallkraut erzählt vom spießigen Rheintal in den 70er-Jahren, von den Sticheleien unter Schwestern und von den Vorzügen des Selbstbetrugs. Mit diesem Roman zeichnet Lucette ter Borg ein urkomisches und zugleich liebevoll-boshaftes Portrait zweier Frauen.
Patrick Roth
Herausgeber : Wallstein Verlag
Sunrise
Verlag: Wallstein Verlag
Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2012 Patrick Roth erzählt die unerhörte Geschichte des Joseph von Nazaret als die eines Zweifelnden, er erzählt von Josephs tiefem Glauben und seinem Ungehorsam wider Gott. Zugleich spürt SUNRISE" der Möglichkeit eines Neuanfangs nach. Jerusalem im Jahre 70 nach Christus: Römische Truppen drohen die Schutzmauern zu durchbrechen. Die Belagerung der heiligen Stadt bildet den Ausgangspunkt dieses bildmächtigen Romans, dessen Bogen sich bis in die Zeit vor Jesu Geburt spannt. Im Mittelpunkt der Ereignisse steht Joseph, der Mann der Maria, von dem die Evangelien berichten, dass er Träumen gehorchte, als er Frau und Kind annahm. Patrick Roth entwirft ihm ein Leben voller Spannungen, ein Drama zwischen Mensch und dem Numinosen. Dreizehn Jahre nach Jesu Geburt fordert Gott ein äußerstes Opfer von Joseph. "Wo ist da Gerechtigkeit, dass ich's verstünde?" klagt er angesichts des ungründlichen Willens Gottes. Wird Joseph dieses Opfer wirklich auf sich nehmen können? In raffiniert ineinander verwobenen Passagen zwischen Traum und Realität dringt der Roman in Erfahrungsräume vor, in denen vermeintliche Gewissheiten brüchig werden. Patrick Roths Erzählkunst geht von existenziellen Erfahrungen aus und zeugt von einer außergewöhnlichen Sprachkraft. Ein ästhetisches Erlebnis."
Jörg Albrecht
Herausgeber : Wallstein Verlag
Beim Anblick des Bildes vom Wolf
Verlag: Wallstein Verlag
Ein Freundeskreis Anfang dreißig, zehn Jahre nach dem Jahrtausendwechsel: Thies, seine Exfreundin Wanda, Jasper und die Zwillinge Jonte und Pelle. Sie leben als free lancer in einer großen Stadt, die von Werbung, Gentrifizierung und der Kreativwirtschaft bestimmt wird. Immer knapp bei Kasse nehmen sie jeden Auftrag an, auch wenn sie kaum daran verdienen - denn: Sichtbarkeit ist alles! Aber neben der Arbeit am eigenen Image geht es auch noch um die große Liebe, die allerdings auch nicht so einfach ist. Überhaupt haben sich die großen Versprechen von Freiheit und Selbstverwirklichung eher in Selbstausbeutung und prekäre Existenzen aufgelöst. Thies unternimmt Recherchen zur Kreativbranche, führt Interviews mit denen, die in ihr tätig zu sein glauben, und dreht mit seinen Freunden einen Film über die Geschichte der Stadt und die eigene Vergangenheit. Dunkle Schatten werden sichtbar, Genderverwirrungen, eine Blutspur scheint sich durch alles zu ziehen. Mutiert man am Ende etwa selbst zum Wolf? Ist es ein Spiel? Ein Theaterstück? Oder gar das eigene Leben? Jörg Albrecht fragt nach den Zumutungen der neoliberalen Gesellschaft und vergleicht ihre Ansprüche mit der Wirklichkeit.
Teresa Präauer
Herausgeber : Wallstein Verlag
Für den Herrscher aus Übersee
Verlag: Wallstein Verlag
Es ist Sommer. Die Eltern sind auf Reisen und schicken ihren Kindern täglich eine Ansichtskarte von den exotischen Plätzen dieser Welt. Der Großvater liest daraus vor, was er lesen möchte, und das ist meist das Gegenteil dessen, was dort geschrieben steht. Für die Kinder Anlass genug, sich selbst das Lesen beizubringen. Lesen kann man angeblich auch von den Vögeln lernen. Und Fliegen! Fau ... wie in Sieg, Fau wie in Vogel, und Fau, wie die Vögel fliegen!", ruft ihnen der Großvater zu und streckt dabei Zeige- und Mittelfinger in die Luft. Ja, fast jeder in diesem Roman fliegt auf irgendeine Weise: Die Fliegerin, die in ihrem bohnenförmigen Fluggerät eine Schar von Vögeln in ihr Winterquartier begleitet. Die Kinder mit ihren selbstgebauten Flugmaschinen aus Federn, Papier und Draht. Und der Großvater, der einmal ein großer Pilot gewesen ist und das Flugzeug einer geheimnisvollen Japanerin repariert hat. Zumindest behauptet er das in seinen hochstaplerischen Geschichten aus früher Zeit. Die Kinder hängen an den Lippen des Großvaters und seine Geschichten werden immer phantastischer: Und das ist fürs Fliegenlernen gewiss die beste Voraussetzung."
Matthias Zschokke
Herausgeber : Wallstein Verlag
Der Mann mit den zwei Augen
Verlag: Wallstein Verlag
Tragisch oder komisch? Abgründig oder banal? Alltäglich oder außergewöhnlich? Der Roman balanciert zwischen diesen Gegensätzen ebenso wie sein Protagonist, von dem man nur gerade erfährt, dass er zwei Augen hat und eine Nase, und der in einer Selbstbeschreibung von sich sagt: Ich komme im Mantel, in einem sandfarbenen, und in der linken Hand halte ich voraussichtlich einen kleinen sandfarbenen Koffer. Ich bin durchschnittlich groß, habe durchschnittlich kurzes, sandfarbenes Haar, und rechts von mir wird eine Frau gehen, die etwa ein Kopf kleiner ist als ich, und die Sie sich der Einfachheit halber am besten auch gleich sandfarben vorstellen - wir werden einander bestimmt nicht verpassen."Ob in den Cafés und auf den Straßen, beim Zusammentreffen mit Fremden und Bekannten, ob auf Reisen oder zu Hause bei der Frau, die der Mann mit den zwei Augen vor vielen Jahren beim Chorsingen kennen und lieben gelernt hat, ob bei Rosaura, die ihm in ihrem Etablissement die merkwürdigsten Freuden zuteil werden lässt - Zschokke ist ein Meister darin, die Dinge und Ereignisse im Erzählen zu drehen und zu wenden, bis sie in einem fremden Licht ihre Selbstverständlichkeit verlieren und uns staunen machen."
Harald Hartung
Herausgeber : Wallstein Verlag
Der Tag vor dem Abend
Verlag: Wallstein Verlag
Der Tag vor dem Abend" - das meint die Jahre, in denen das Alter unwiderruflich voranschreitet, eine Rechenschaft fällig wird. In seinem achtzigsten Jahr legt Harald Hartung sein persönlichstes Buch vor: Aufzeichnungen aus den Jahren 1998 bis 2012. Sie verbinden die Sensibilität des Poeten mit der Gedankenklarheit des Kritikers. Sie mischen Denkstücke und Reflexionen, Momentaufnahmen und Rückblicke, in denen die Dinge der Welt aufleuchten. Neben luziden Reisebildern finden sich Überlegungen zu Kunst und Dichtung (auch der eigenen), Aphorismen über Alter und Produktivität sowie Erinnerungen an eine Kindheit im Dritten Reich. Aus vielen Komponenten entstand ein skeptisch-heiteres Merkbuch des Handwerks, ein Brevier des Lebens und der Kunst."
Cornelius Peltz-Förster
Herausgeber : Archiv der Jugendkulturen Verlag
Sendeschluss
Verlag: Archiv der Jugendkulturen Verlag
Die Abiturprüfungen sind gelaufen und in einer Woche steht die Bekanntgabe der Ergebnisse an. Für den Ich-Erzähler beginnt ein siebentägiger Countdown mit ungewissem Ausgang. Auf der Flucht vor der Frage, wie es mit oder ohne Abi weitergehen soll, stürzt er sich in eine Phase des exzessiven Verdrängens. Langsam wächst in ihm die Erkenntnis, seinem Leben eine andere Richtung geben zu müssen, um nicht in einer Sackgasse zu enden. Auf seiner Reise zu neuen Zielen macht er sonderbare Bekanntschaften, trennt sich von alten Weggefährten und wird unverhofft zur Schlüsselfigur im Leben einer jungen Frau. Gerade, als er seine Welt einigermaßen in Ordnung gebracht hat, droht ein tragisches Ereignis ihn aus der Bahn zu werfen. Schließlich liegen die Abiturergebnisse vor. Doch die wirklich wichtigen Entscheidungen stehen noch aus. Ein Erzähldebüt. Noch nicht von Helene Hegemann intertextualisiert.
André Pilz
Herausgeber : Archiv der Jugendkulturen Verlag
Bataillon d'Amour
Verlag: Archiv der Jugendkulturen Verlag
Denk' an deine Tochter, und hast du keine, denk' an deine Schwester, und hast du keine, denk' an deine Freundin, deine Frau, deine Mutter, denk' an einen Menschen, den du über alles liebst. Und jetzt stell' dir vor, dieser Mensch wäre eingesperrt in einem Zimmer, Tag für Tag, Nacht für Nacht. An den Fenstern wären Gitter, in dem Zimmer gäbe es ein Bett, ein Waschbecken, einen Spiegel, einen Wecker und einen Stuhl. Sonst nichts. Denk', dass der Mensch weder weiß, wann, noch, ob er überhaupt jemals wieder herauskommen würde. Und dass er jeden Befehl befolgen müsste. Jeden. Ansonsten gäbe es Schläge, Essensentzug. Und am späten Nachmittag, da kämen die Männer. Einer nach dem anderen. Das schockierende Porträt einer jungen Kolumbianerin, die in Deutschland zur Prostitution gezwungen wird, wird nicht weniger Kontroversen auslösen als das Erstlingswerk des Autors André Pilz (34), No llores, mi querida - Weine nicht, mein Schatz" (Archiv der Jugendkulturen 2005). Auch dieses Mal geht André Pilz an Grenzen, geht dorthin, wo es weh tut, und schont weder seine Figuren noch seine Leser. Mit seinem unverkennbaren Stil zieht uns "der deutsche Irvine Welsh" auch in "Bataillon d'Amour" in seinen Bann, erzählt abermals eine Geschichte, die brutal, kompromisslos und zugleich zärtlich-poetisch ist."
Klaus Bollhöfener (Hrsg.), Klaus Farin (Hrsg.), Dierck Spreen (Hrsg.)
Herausgeber : Archiv der Jugendkulturen Verlag
Spurensuche im All
Verlag: Archiv der Jugendkulturen Verlag
Perry Rhodan Studies befassen sich interdisziplinär mit der umfangreichsten Science-Fiction-Serie der Welt. Perry Rhodan erscheint seit über 40 Jahren und stellt damit ein singuläres literarisches Ereignis das, an dem sich die kulturelle, soziale und politische Entwicklung der Bundesrepublik ablesen lässt. Außerdem erlauben die vorliegenden Studien grundlegende Einblicke in die Funktionsweise der Massenkultur. Perry Rhodan" ist ein Dokument für die Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland." Hans Esselborn"
Leybrand, Hanna
Der Schwarzwaldschamane
Verlag: Manutius
Nach ihrem ersten Prosaband legt Hanna Leybrand hier neue Erzählungen, Eskapaden der Phantasie, Erinnerung und subtilen Beobachtung vor. Sie speisen sich aus der Fülle der Erfahrung mit komplexen Menschen und dem eigenen Ich. Wie man in Liebes- und Lebenslagen miteinander umgeht, zieht die Autorin immer wieder in den Bann. Momente prekären Glücks, die Existenzformen gerade der schrägen Vögel, aber auch die Lebenstaktiken und die Worte, mit denen man Schweres erträgt, reizen ihre erzählerische Imagination. Ironisch werden reale und eingebildete Probleme umkreist. Der Leser wird nicht mit Bösartigkeit überfallen, sondern nimmt mit dieser Erzählerin vieles von neuem oder zum ersten Male wahr, dies gerade dort, wo sich der genaue Blick auf die Verrücktheiten des Alltags satirisch richtet.